Schweiz nimmt Italien weitere Asylsuchende ab

In den nächsten fünf Wochen nimmt die Schweiz Italien 200 Asylsuchende ab – freiwillig. Im Rahmen der Umverteilungsaktion der EU hat die Schweiz bislang zu Gunsten von Italien und Griechenland erst 34 Menschen aufgenommen. Jetzt soll es deutlich rascher vorwärts gehen.

Flüchtlinge in einem Park in Como

Bildlegende: Flüchtlinge aus Eritrea haben sich in einem Park in Como niedergelassen und warten auf eine Weiterreise in die Schweiz. Keystone

160'000 Asylsuchende möchte die EU von Italien und Griechenland an andere europäische Staaten verteilen. Passiert ist bislang wenig. Doch jetzt kommt die Umverteilungsaktion ins Rollen. Zumindest in der Schweiz.

Lea Wertheimer vom Staatssekretariat für Migration SEM sagt, es habe Zeit gebraucht, um bürokratische Hürden zwischen der Schweiz und Italien zu überwinden. Nun sei aber fast alles bereit, um eine erste grosse Gruppe von 200 Asylsuchenden aufzunehmen. «Wir prüfen aktuell diese Dossiers», sagt Wertheimer. «Wenn alle Prüfungen erfolgreich abgeschlossen sind, können diese Asylsuchenden im September einreisen.»

Insgesamt will die Schweiz Italien 900 Asylsuchende abnehmen. Es geht um Migranten aus Ländern mit guten Chancen auf Asyl, etwa um Syrer oder Eritreer. Weitere 600 Asylsuchende werde die Schweiz aus Griechenland übernehmen, sagt Wertheimer. Auch hier seien die Verhandlungen fortgeschritten. «Wir erwarten die Einreisen in den kommenden Monaten.»

Schweiz setzt um – EU-Staaten bremsen

Die Aufnahme beschlossen hatte vor fast einem Jahr der Bundesrat. Während die Schweiz den Entscheid jetzt umsetzt, stehen die meisten EU-Staaten auf der Bremse. Europaweit wurden erst knapp 4000 der versprochenen 160'000 Menschen umverteilt. Kein Staat hat bis anhin so viele Menschen übernommen, wie es der Verteilschlüssel vorsieht. Polen weigert sich sogar grundsätzlich, mitzumachen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Sackgasse Como – oder der Frust der Flüchtlinge

    Aus 10vor10 vom 22.8.2016

    Hunderte Flüchtlinge verharren in Como. Sie wollen Richtung Norden, doch an der Schweizer Grenze ist für viele Endstation. Sie werden zurück nach Como geschickt. Ihr Frust wächst täglich, die Situation droht zu eskalieren.

  • Rückweisungen von Flüchtlingen häufen sich

    Aus 10vor10 vom 27.7.2016

    Hunderte von Flüchtlinge versuchen täglich über Chiasso illegal in die Schweiz einzureisen. Allein letzte Woche hat das Grenzwachtkorps an der Südgrenze 1700 Flüchtlinge angehalten. Seit kurzem jedoch schicken die Grenzwächter viele Flüchtlinge direkt wieder nach Italien zurück.

  • Das Dublin-Abkommen regelt, dass der EU-Staat, den Asylsuchende zuerst erreichen, das Asylverfahren durchführen muss; zurzeit trifft das Italien und Griechenland hart. Bild: Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos warten auf die Rückschaffung in die Türkei.

    Flüchtlinge - EU-Staaten sollen sich freikaufen können

    Aus Rendez-vous vom 4.5.2016

    Die EU-Kommission will das System zur Flüchtlingsverteilung verbessern – mit einem «korrigierenden Verteilmechanismus» bei Überlastung einzelner Staaten und einer EU-weiten Erfassung der Asylsuchenden. Grundsätzlich soll das Dublin-Abkommen aber beibehalten werden.

    Oliver Washington