Schweiz schickt Asylbewerber in Ebola-Länder zurück

Die Schweizer Flüchtlingshilfe ist empört: Trotz Ebola-Krise schickt das Bundesamt für Migration Asylbewerber in Länder zurück, in denen die Seuche am schlimmsten grassiert. Seit Anfang August waren sieben Personen betroffen.

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Rückführung in Länder mit Ebola-Bedrohung

1:49 min, aus Tagesschau vom 28.10.2014

Die drei westafrikanischen Länder Liberia, Sierra Leone und Guinea leiden am stärksten unter Ebola. Trotz der teils unhaltbaren Zustände in diesen Staaten schickt das Bundesamt für Migration (BFM) Asylbewerber mit negativem Entscheid dorthin zurück. Seit Anfang August waren sieben Personen betroffen.

Generalsekretär Beat Meiner von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe kritisiert das Vorgehen: «Man sollte diese Rückführungen sistieren.»

Das BFM antwortet ausweichend. Die Situation werde «in engem Kontakt mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG)» geprüft, sagte BFM-Sprecherin Léa Wertheimer. Das BAG wiederum sei in engem Kontakt mit der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Freiwillige Rückkehr oder Sonderflüge?

Trotz der Gefahr, welche die abgewiesenen Asylbewerber erwartet: Die meisten gingen freiwillig. «Ich will nicht zurückgehen», sagt ein Asylbewerber aus Sierra Leone. Er wehrt sich seit zwei Jahren gegen seine Ausschaffung. «Ich will nicht gehen. Aber wenn sie mich zwingen, dann bleibt mir nichts anderes übrig.»

Doch zur Freiwilligkeit der Rückkehr bestehen Widersprüche. Auf die Frage von SRF, ob Sonderflüge angeordnet werden mussten, sagt Meiner von der Flüchtlingshilfe: «Im September hat man fünf Personen zurück gebracht – zwei mit Sonderflügen.»

Das BFM dagegen sagt: «Es haben keine Sonderflüge stattgefunden seit dem Ausbruch der Ebola-Epidemie.»

Asylbewerber aus Ebola-Staaten (Stand Sept. 2014)

Guinea175
Liberia56
Sierra Leone54