Zum Inhalt springen
Inhalt

Mehr PS für Landwirtschaft Schweizer Bauern kaufen Traktoren im Überfluss

Die Zeiten sind hart für Schweizer Bauern. Das macht uns die Bauernlobby gerne weis, wenn es um Unterstützungen und Subventionen für die Landwirtschaft geht. Doch beim Kauf von Traktoren sind die hiesigen Landwirte gar nicht sparsam.

Legende: Video Weniger Bauernhöfe aber mehr Traktoren abspielen. Laufzeit 04:19 Minuten.
Aus 10vor10 vom 04.01.2017.
  • Obwohl es immer weniger Bauernhöfe in der Schweiz gibt, steigt die Anzahl Traktoren kontinuierlich.
  • Experten sehen hier grosses Sparpotenzial.
  • Die gemeinsame Nutzung von Maschinen könnte eine Lösung sein.

160 Kühe und Jungtiere der Rasse Holstein liefern Milch auf dem Bauernbetrieb von Andreas Hitz und seinem Sohn Christian. Um die ganze Arbeit zu bewerkstelligen, sind die beiden auf Traktoren angewiesen.

Andreas Hitz.
Legende: Hat so manchen Traktor auf seinem Hof: Bauer Andreas Hitz. SRF

Der Fuhrpark der Familie Hitz umfasst diverse Modelle für die verschiedensten Einsätze. Einen Traktor brauchen die Bauern für den Mistwagen, einen zum Gras mähen und an einem weiteren ist ein Frontlader montiert. Mit Stolz präsentiert Andreas Hitz auch sein grösstes Gefährt: «Diesen brauchen wir vor allem für die schwereren Sachen.» Doch Hitz gibt auch zu, dass der Traktor nicht vollständig ausgelastet sei.

Weniger Höfe – mehr Traktoren

Die Schweizer Bauern lassen sich ihre Traktoren gerne etwas kosten. Rund 100‘000 Franken kostet ein Exemplar der meistverkauften Stärkeklasse. Auch 2016 war ein gutes Jahr für die Händler.

Ein Blick auf die Statistik zeigt eine erstaunliche Entwicklung: Während die Zahl der Bauernhöfe in den letzten 20 Jahren mit 33 Prozent drastisch gesunken ist, drehen auf den verbliebenen Höfen immer mehr Traktoren ihre Runden. 1996 standen 121‘800 Traktoren im Einsatz. 2016 waren es 139‘700. Das macht ein Plus von 15 Prozent.

Ein Traktor kostet ungefähr doppelt so viel wie ein Bauer pro Jahr verdient.
Autor: Markus LipsForschungsanstalt Agroscope

Doch zu viele Traktoren verteuern die Landwirtschaft, vor allem wenn sie nicht voll ausgelastet sind. Dies zeigen Berechnungen von Markus Lips von der Forschungsanstalt Agroscope. «Es geht um viel Geld. Ein Traktor kostet ungefähr doppelt so viel wie ein Bauer pro Jahr verdient.» Wenn man hier sparen könne, dann wirke sich dies auch auf das Einkommen aus, erklärt Lips.

Markus Lips
Legende: Sieht Sparpotenzial: Markus Lips von Agroscope. SRF

Traktor-Sharing als Lösung?

Der Experte empfiehlt denn auch, Maschinen gemeinsam zu nutzen. Ein Vorbild könnten sich die hiesigen Landwirte auch am grossen Nachbarn nehmen: Studien zeigen, dass deutsche Bauern billiger produzieren, weil sie auch ihre Traktoren besser auslasten. «Die deutschen Bauern haben grössere Betriebe, aber sie arbeiten auch mehr zusammen», so Lips.

Traktoren teilen, das geht auch hierzulande. Fredy Abächerli, Geschäftsführer von Maschinenring Zug, vermittelt Traktoren an Bauern, die keine geeigneten Gefährte besitzen. Über ihn rechnen die Bauern dann alles ab und können ihr Einkommen aufbessern.

Für viele Bauern ist ein Traktor ein Statussymbol.
Autor: Fredy AbächerliGeschäftsführer Maschinenring Zug
Fredy Abächerli
Legende: Fredy Abächerli vermietet Traktoren an Bauern. SRF

Die überbetriebliche Zusammenarbeit ist in der Schweiz im Aufwind und dennoch steigt die Traktorenzahl. Maschinenring-Pionier Abächerli hat eine mögliche Erklärung. Für die Traktorenbranche sei die Landwirtschaft eben eine profitable Milchkuh. «Die Landmaschinenbranche macht natürlich gut Werbung. Und für viele Bauern ist ein Traktor auch ein Statussymbol», so Abächerli.

Maschinen teilen, sei in der Schweiz schlicht nicht immer möglich, betont Landwirt Andreas Hitz. Ausserdem könnten Bauern mit eigenen Traktoren oft effizienter arbeiten: «Der Vorteil ist, dass wir viel flexibler sind und dass wir auch je nach Wetterbericht voll arbeiten und jede Stunde ausnützen können», so Hitz.

Der Druck auf die Landwirte steigt, doch so schnell werden die Traktor-Paraden nicht verschwinden.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

45 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Daniel Albiez (365 Tage Farmer)
    Der Betrieb wirtschaftet mit diversen älteren Traktoren, welche längst abgeschrieben sind. Für den Mischwagen (und nicht der Mistwagen!!) wird ein älterer Traktor verwendet. Es muss auch der technische Stand der Fahrzeuge stimmen, sonst drohen Bussen oder Ausweisverlust. Der Bericht hätte etwas differenzierter recherchiert und wiedergegeben werden können, um mehr Wahrheit zu vermitteln... Die Geschichte ist wohl etwas umfassender. Es gäbe noch einiges zu sagen, doch die Zeichen sind begrenzt...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Pius Graf (GraMo)
    Jedem Unternehmer klopfen wir auf die Schultern, wenn er effizient produziert und sich mit technischen Hilfsmitteln gut einrichtet. Wer dies den Bauern verweigern will, hat schlicht ein Brett vor dem Kopf! Die meisten Bauern rechnen bis zum letzten Rappen und wissen, was sich lohnt. Wer das nicht sehen will, wische zuerst vor der eigenen Tür!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Marlies Artho (marlies artho)
    Frage weshalb stört man sich bei den Subventionen an die Bauern. SRF,können Sie vielleicht einmal die Subventionen, die der Sozialstaat im ganzen Asylwesen, Arbeitslosen und für allein erziehende Mütter usw. in Fr. ausbezahlt, damit man einen vergleich hat. Bauern bewirtschaften unsere Felder und sind für einen Teil unserer Ernährung besorgt. Was für einen Beitrag leisten Sozialabhängige für die Nachhaltigkeit, arbeiten diese? Hier wäre wirklich Transparenz auch einmal nötig, apropos Steuern.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Rolf Bolliger (robo)
      Auf eine klare Transparenz zu und über die laufend steigenden Sozialkosten können wir lange warten, Frau Artho! Lieber verunglimpft man jene, die oftmals 7 Tage pro Woche täglich 8-14 Stunden arbeiten oder die Landesverteidigung! Ich verlangte in meinem ehemaligen Wohnort einmal an der Gemeindeversammlung eine Erklärung, warum genau 50% (!) der gesamten Gemeindeausgaben die "soziale Wohlfahrt" verbrauche! Diese hilflosen Gesichter der Gemeinderäte und das Murren im Saal werde ich nie vergessen!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen