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Schweiz Schweizer Forschende müssen sich gedulden

Seit dieser Woche ist wieder Bewegung im Verhältnis der Schweiz zur Europäischen Union. Doch die Forschenden aus der Schweiz müssen weiterhin hinten anstehen.

Ein Bibliothekssaal der Universität Bern
Legende: Wie dauerhaft ist das Tauwetter zwischen der Schweiz und der EU? (Im Bild ein Bibliothekssaal an der Universität Bern.) Keystone

Der Forschungsstandort Schweiz ist eng mit Europa verknüpft. Nach dem Ja zur Zuwanderungsinitiative aber legte die EU die Verhandlungen über die Schweizer Beteiligung am Studentenaustausch Erasmus+ und am Forschungsrahmenprogramm Horizon2020 auf Eis. Diese Woche schienen nun wieder etwas mildere Temperaturen zu herrschen. Der Bundesrat hat erste mögliche Schritte zur Deblockierung unternommen.

Doch Antonio Loprieno ist verunsichert. Der Präsident der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten weiss noch nicht so recht, wie er die neuen Signale aus Brüssel werten soll: «Ich bin ein bisschen unsicher, zwischen Optimismus und Enttäuschung», sagt Loprieno gegenüber Radio SRF.

«Ernüchternd», nur Drittstaat zu sein

Gut sei, dass die EU sich bereit zeige, wieder über einen Zugang der Schweiz zu den europäischen Forschungsprogrammen nachzudenken – schlecht sei hingegen, dass die vollberechtigte Teilnahme offenbar weiter nicht in Frage kommt, wie EU-Botschafter Richard Jones sagte. In Sachen Forschungszusammenarbeit und Studentenaustausch werde die Schweiz nicht mehr wie ein EU-Mitglied behandelt, sondern wie ein Drittstaat mit deutlich weniger Rechten. «Das finde ich schon eine etwas ernüchternde Aussage» sagt Universitäts-Rektor Loprieno.

Könnte Schweizer Geld helfen?

Im bisherigen – gut 50 Milliarden Euro schweren – europäischen Forschungsrahmenprogramm war die Schweiz ein überdurchschnittlich aktives und erfolgreiches Land. Gesuche aus der Schweiz um europäische Forschungsgelder wurden fast doppelt so oft bewilligt wie im EU-Durchschnitt. Jetzt aber nimmt der Europäische Forschungsrat gar keine Gesuche mehr aus der Schweiz entgegen.

Vielleicht, so mutmasst Loprieno, liesse sich mit Geld die Situation verbessern. Er könne sich vorstellen, dass der Europäische Forschungsrat schweizerische Projekte beurteilen würde, wenn diese die Leistung bezahlt. «Das würde eine Reintegration bedeuten, aber noch nicht eine vollkommene Beteiligung, wie wir sie vorher hatten.» Ob die EU einen solchen Vorschlag akzeptieren würde, ist offen.

Verspätung ist bereits angekündigt

Bereits ist dieses Jahr eine erste Anmeldefrist für die mit 1,5 Millionen Euro dotierten Fördergelder der ersten Stufe verstrichen. Hier übernimmt nun vorläufig der Schweizerische Nationalfonds die Beurteilungsarbeit des Europäischen Forschungsrates. Aber weitere Fristen laufen auch bald ab, und von Brüssel ist kaum ein schnelleres Verhandlungstempo zu erwarten – im Gegenteil.

In der EU stehen Wahlen an und danach müssen sich viele neue Kommissions- und Ratsmitglieder erst in die Dossiers einarbeiten. EU-Botschafter Richard Jones kündigt in diesem Zusammenhang bereits «a little bit of delay» an, ein bisschen Verspätung. Für den Forschungsplatz Schweiz sind das schlechte Nachrichten.

kipm;heis

10 Kommentare

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  • Kommentar von Armin Hug, Kreuzlingen
    Wenn der Bund zum 7. FRP der EU (2007 - 2013) Vergleichszahlen zwischen Israel und der Schweiz publizieren würde (Beiträge/Bezüge), ginge ein Aufschrei durchs Land. Wenn Baroso erklärt, Israel hätte auch Bedingungen für die Teilnahme am 8. FRB (Horizon 2020) erfüllen müssen, sollte man sich einmal anschauen, um was es sich handelt (Teilnehmer, die in den jüdischen Siedlungen aktiv sind, dürfen sich nicht bewerben ;-)). Verhältnisblödsinn im Vergl. zu den Paketlösungen, die wir schlucken müssen.
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  • Kommentar von Max Hug, Luzern
    Forsch - ENDE
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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Was kann daran so ernüchternd sein ? - Die Schweiz ist nicht Teil der EU und somit logischerweise natürlich auch ein Drittstaat aus der Sicht der EU. Dass dies mit sog. "Bilateralen" zu umgehen versucht wurde, womöglich sogar noch arglistig, dürfte das Problem zwischen der EU und der Schweiz erst unnötigerweise geschaffen haben.
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