Horizon 2020 Schweizer Forschung spielt wieder in der Europa League

Die Zeit nach dem Ja zur MEI war schmerzhaft für die Wissenschaft. Jetzt ist die Zuversicht zurück – zumindest für die nächsten paar Jahre.

Nach der Annahme der SVP-Zuwanderungsinitiative am 9. Februar 2014 stellte die EU die Forschungszusammenarbeit mit der Schweiz ein. Es war ein schwerwiegender Entscheid für die hiesigen Hochschulen, die in den Folgejahren Aufträge und Forschungsgelder in Millionenhöhe verloren. Seit Anfang 2017 ist die Schweiz nun wieder voll an «Horizon 2020» beteiligt. Heute feierten die Bildungsinstitute den Beginn der neuen Kooperation.

Aufbruchstimmung war spürbar im Kursaal Bern. Die Vertreter von Bund und Hochschulen wirkten sehr zufrieden, und nicht nur das schöne Wetter trug dazu bei. Denn bei «Horizon 2020» geht es um viel Geld – 80 Milliarden Euro für die Forschung in sieben Jahren. Einen Teil des Kuchens will auch die Schweiz.

Mitspielen in der Europa League

Zweieinhalb Jahre voller Unsicherheit drückten schwer: Forscher aus der Schweiz konnten nur noch bei einem Drittel der EU-Projekte mitmachen. Auch wurde es schwieriger für das Forschungsland Schweiz, die besten Wissenschafter aus dem Ausland zu holen, wie Mauro dell’Ambrogio betonte. Der Staatssekretär für Forschung Bildung und Innovation (SBFI) formulierte es wie folgt: «Wenn das Schweizer Team nicht mehr in der Europa League spielen könnte, würden wir mittelfristig die besten Spieler verlieren.»

«  Der Bund finanzierte zur Überbrückung gewisse Projekte zwar selber, aber die internationale Vernetzung hat gelitten. »

Michel Hengartner
Präsident der Rektorenkonferenz der Schweizer Hochschulen

Das konnte nun zum Glück abgewendet werden. Doch die letzten zweieinhalb Jahre waren hart, wie ein Vergleich zeigt: Bei der letzten Siebenjahres-Periode von 2007 bis 2013 erhielt die Schweiz von der EU Forschungsgelder im Umfang von 2,5 Milliarden Franken. In den letzten zweieinhalb Jahren ohne vollständige Beteiligung an «Horizon 2020» floss viel weniger Geld.

«Wir konnten in dieser Zeit nur halb so viel Geld aus diesen Kooperationsprojekten von Brüssel abholen», erklärte Michael Hengartner, Präsident der Hochschulrektoren. Die Zahl der Programme unter Schweizer Leitung sei gar auf einen Zehntel geschrumpft: «Das ist sehr schmerzhaft für ein Land, das sich als Innovationsleader sieht.»

Ende gut – alles gut?

Mit der erneuten Vollbeteiligung an «Horizon 2020» hat sich die Schweizer Forschung den Zugang zu den europäischen Honigtöpfen wieder gesichert. Die internationale Vernetzung ist wieder gegeben, und die Schweiz bestimmt wieder mit, in welche Richtung geforscht werden soll.

«  Heute feiern wir die Zusammenarbeit und ebenso die Zukunft, die wir gemeinsam gestalten. »

Robert-Jan Smits
Generaldirektor für Forschung und Innovation der EU

Auch die EU ist heute froh, was der Generaldirektor für Forschung und Innovation in der EU, Robert-Jan Smits im Kursaal zum Ausdruck brachte: «Die Schweiz mag zwar geographisch klein sein, aber sie ist sehr gross in der Wissenschaft und Innovation. Deshalb ist es sehr wichtig, dass sie bei unseren Programmen mitmacht.»

Für ein «Ende gut – alles gut» ist es allerdings zu früh. Denn ob die Schweiz an einem neuen Forschungsprogramm nach 2020 mitmachen kann, ist offen. Die EU knüpft die Forschungszusammenarbeit bekanntlich an die Personenfreizügigkeit. Langfristig ist also nicht sicher, wie es auf dem Forschungsplatz mit der EU weitergeht.