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Schweiz Schweizer Frauen arbeiten viel, aber verdienen wenig

In keinem EU-Land arbeiten so viele Frauen wie in der Schweiz. Gleichzeitig ist der Lohn-Unterschied zwischen Mann und Frau in der Schweiz grösser als in den EU-Ländern.

Frau an der Arbeit.
Legende: Über 74 Prozent der Frauen in der Schweiz sind arbeitstätig. In den EU-Ländern sind es rund 59 Prozent. Keystone

In der Schweiz arbeitet ein so hoher Anteil an Frauen wie in keinem anderen EU-Land. Allerdings verdienen Frauen in der Schweiz überdurchschnittlich viel weniger als in EU-Staaten. Diese Befunde gehen aus einem aktualisierten Vergleich des Bundesamtes für Statistik hervor.

Zum Vergleich der Gleichstellung zwischen Frauen und Männern in der Schweiz mit den EU-Ländern hat das Bundesamt für Statistik (BFS) mehrere aktualisierte Kennzahlen veröffentlicht. Im internationalen Vergleich liegt in der Schweiz die Quote der erwerbstätigen Frauen besonders hoch.

Mit 73,6 Prozent (Zahlen von 2012) belegt die Schweiz dabei sogar den Spitzenplatz. In den 27 EU-Ländern – das neue EU-Mitglied Kroatien fehlt noch – gehen im Durchschnitt 58,6 Prozent der Frauen zwischen 15 und 64 Jahren einer Erwerbsarbeit nach.

17,9 Prozent

Nur im Mittelfeld liegt die Schweiz dagegen bei der Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern. Frauen verdienen im Schnitt in der Schweiz 17,9 Prozent weniger als Männer, während die EU einen Durchschnitt von 16,2 Prozent aufweist. Am grössten ist der Unterschied in Estland (27,3 Prozent).

Allerdings werden bei dieser Statistik das Alter und die Wochenarbeitsstunden nicht berücksichtigt. Die nicht erklärbare Lohndifferenz zwischen Frauen und Männer liegt in der Schweiz gemäss früheren Statistiken tiefer: In der Privatwirtschaft beträgt sie ungefähr 9 Prozent, mit grossen Unterschieden zwischen den Branchen.

Geringerer Studentinnen-Anteil

Über dem Durchschnitt liegt die Schweiz beim Frauenanteil im Parlament. Während in der Schweiz 29 Prozent der Ratsmitglieder Frauen sind, sind es im EU-Durchschnitt 26,3 Prozent. Die Spanne in der EU reicht von 8,8 Prozent (Ungarn) bis zu 44,7 Prozent (Schweden).

Schlusslicht ist die Schweiz mit einem Frauenanteil von 49,2 Prozent bei den Studierenden im Tertiärbereich. In praktisch allen Ländern der EU machen die Frauen die Mehrheit an den Universitäten aus. Der Durchschnitt liegt bei 55,2 Prozent. Demnach arbeiten über 74 Prozent der Frauen in der Schweiz. In den EU-Ländern sind es rund 59 Prozent.

Beim Lohn dagegen belegt die Schweiz keinen Spitzen-Platz. In der Schweiz verdienen die Frauen im Schnitt 18 Prozent weniger als Männer, während in der EU die Frauen rund 16 Prozent weniger verdienen als Männer.

13 Kommentare

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  • Kommentar von Verena Eberhard, 5722 Gränichen
    Bis heute habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht mit Frauen in Führungspositionen, nein sie haben mehr Einfühlungsvermögen als die Männer. Wobei wenn eine Frauenquote kommt, wird sich das ändern, dann werden auch Frauen mit ungenügenden Qualifikationen und weniger Empathie bevorzugt und dann sind wir wieder in einer Männerdomäne.
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  • Kommentar von Ralf Zogel, Zürich
    Würde man auch die geleistete Arbeitszeit mit in Betracht ziehen, inklusive der vielen Überstunden, die grossenteils nur von Männern geleistet werden, dann käme eher eine Über- als eine Unterbezahlung von Frauen heraus. Dieses Dauerjammern von ohnehin privilegierten Menschen sollte endlich mal aufhören.
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    1. Antwort von S. Küng, Zürich
      Ihre Überstunden werden ja bestimmt ausbezahlt oder Sie können sie kompensieren. Wenn nicht, müssen Sie in einer Geschäftsführungsposition sein. Wie viele Frauen gibt es bei Ihnen in der Geschäftsleitung? Im Übrigen leisten die Frauen auch Überstunden. Oder meinen Sie wir hätten alle nur Schoggi-Jobs!
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    2. Antwort von Nadia Keller, Zürich
      Wie kommen sie darauf, dass Überstunden grösstenteils nur von Männern geleistet werden? Und warum sollte sich der Lohn der Frauen daran messen, wie viele Überstunden Männer leisten? Sie haben recht: Das Dauerjammern von ohnehin privilegierten Menschen sollte aufhören. die privilegiertesten Menschen, die es gibt sind weisse, heterosexuelle, gesunde Männer (gehören sie nicht auch zu dieser Kategorie?) - nehmen sie sich also ihre eigene Aussage zu Herzen.
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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Im Grunde lässt sich doch das ganze so formulieren: Frauen, was wollt ihr eigentlich?
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    1. Antwort von Ursula Morf, Burgdorf
      Gute Frage. Hier ist die Antwort: Wir wollen von euch Männern als gleichwertige Wesen angesehen werden. Wir wollen Respektiert werden, keine Gewalt von euch erfahren, und wir wollen gleichberechtigt sein. Wir wollen im Beruf die gleichen Chancen haben wie ihr und für gleiche Arbeit gleiches Geld verdienen. Wir wollen zudem, dass ihr euch mehr um die gemeinsamen Kinder kümmert. Noch ist das alles leider Wunschdenken.
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    2. Antwort von Eddy Dreier, Burgdorf
      Tja, und dann doch dem Macho den Vorzug geben, weil sein BMW fürs Shoppen praktischer ist als das Fahrrad des netten Jungen. Die Frage bleibt offen - yep...
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    3. Antwort von W. Pip, Burgdorf
      Oh, Frau Morf, das wollen wir doch auch. Nur möchten wir auch die gleichen Krankenkassenprämien, äquivalentes zum Mutterschaftsurlaub, Frauen in Armee, Feuerwehr oder Militärpflichtersatz und gleiche Chancen bei Bewerbungen statt Quotenvorschriften (DAS ist echte Diskriminierung) statt per Dekret verordnete emotionsgesteuerte Zusatzschlaufen-Vorgesetztinnen.
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    4. Antwort von Nadia Keller, Burgdorf
      Eddy Dreier: Der BMW-Kommentar ist völlig irrelevant und unoriginell und keine sinnvolle Antwort auf den Kommentar von Frau Morf. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold - diesen Spruch sollten sie sich in Zukunft zu Herzen nehmen, wenn sie zu einem Thema nichts sinnvolles zu sagen haben.
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