Schweizer fühlen sich rekordverdächtig sicher

Euro-Krise, Unruhe in der arabischen Welt, Terroranschläge: Die Schweizer scheint das nicht zu verunsichern. Die Bevölkerung fühlt sich hierzulande so sicher wie kaum je zuvor. Und auch das Vertrauen in die Behörden liegt über dem langjährigen Durchschnitt.

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Interview mit ETH-Dozent Tibor Szvircsev Tresch

3:47 min, vom 31.5.2013

«Schweizerinnen und Schweizer sind sehr zufrieden und glücklich.» Das sagt jemand der es weiss:Tibor Szvircsev Tresch ist Forscher an der Militärakademie der ETH Zürich. Seine Abteilung nimmt dem Stimmvolk jährlich den Puls. Die neusten Ergebnisse der Studie zeigen: Schweizer fühlen sich sicher in einer unsicheren Welt. Heute sehen sie die Zukunft ihres Landes sogar noch deutlich rosiger als im letzten Jahr.

Acht von zehn Befragten beurteilen derzeit die Zukunft der Schweiz zuversichtlich. Nur 2011 sei eine noch optimistischere Sichtweise beobachtet worden. Auch das Vertrauen in Behörden und Institutionen ist im langjährigen Vergleich überdurchschnittlich.

Gegenüber dem Rest der Welt sind Schweizerinnen und Schweizer allerdings etwas pessimistischer eingestellt. Zwar sehen deutlich weniger Befragte der Entwicklung der weltpolitischen Lage düster entgegen, doch nur eine schwindende Minderheit von neun Prozent erwartet eine Entspannung auf internationaler Ebene.

Insel der Sicherheit erhalten

In Europa erreicht die Arbeitslosigkeit Rekordwerte, die Unsicherheit wächst. Das hat Folgen: Noch nie in den letzten 20 Jahren haben sich in den repräsentativen ETH-Umfragen so wenige für eine Annäherung an die EU ausgesprochen wie dieses Jahr.  «Wenn man sich sicher fühlt, hat man das Gefühl dass äussere Einflüsse diese Sicherheit beeinträchtigen könnten», sagt Szvircsev Tresch. Dafür verzichten wir auch auf internationale Kooperationen.


Gespräch mit ETH-Dozent Tibor Szvircsev Tresch

4:05 min, aus SRF 4 News aktuell vom 31.05.2013

Mehr Zustimmung für Wehrpflicht

In dieses Bild passen für den Militärsoziologen Szvircsev Tresch auch die Umfrageresultate zur Wehrpflicht: Das Volk ist markant positiver eingestellt als im Vorjahr. 48 Prozent wollen die Wehrpflicht beibehalten. Die Optionen Berufsarmee oder Freiwilligen-Miliz schneiden viel schlechter ab. «Alle die auf der Insel der Glückseligen wohnen, sollen einen Beitrag leisten für das Gemeinwohl» interpretiert er dieses Resultat.

Szvircsev Tresch wird vom Verteidigungsdepartement VBS bezahlt. Seine dortigen Chefs dürften sich über dieses Ergebnis freuen. Im Herbst stimmen wir nämlich über eine Initiative ab, die die Wehrpflicht abschaffen will. Laut der Studie wäre das Volk sogar für eine allgemeine Dienstpflicht. Das heisst, Militär- Zivil- oder Sozialdienst müssten von Männern und Frauen geleistet werden.

Sicherheit 2013 Die Daten 2013 beruhen auf einer Repräsentativbefragung von 1200 Schweizer StimmbürgerInnen aus allen drei Landesteilen. Die Interviews wurden zwischen dem 9. Januar und dem 12. Februar 2013 telefonisch durchgeführt. Die Fehlerquote liegt bei +/- 3 %.