Schweizer Hochschulen spannen zusammen

Fachhochschulen, Universitäten und Pädagogische Hochschulen vertreten ihre Interessen neu mit dem gemeinsamen Verein swissuniversities. Ist das bei so unterschiedlichen Aufgaben und Interessen überhaupt möglich? Ja, sagen die Hochschulen. Nein, meint ein Bildungspolitiker.

Junge Erwachsene sitzen um einen Schreibtisch und arbeiten mit Computern und Büchern

Bildlegende: Studenten tun es schon lange, nun wollen auch die verschiedenen Hochschultypen ihre Zusammenarbeit intensivieren. Keystone

Für praxisnahe Studiengänge die Fachhochschulen FH, für akademische Fächer die Universitäten und für angehende Lehrer die Pädagogische Hochschule PH: Die drei Schweizer Hochschultypen vertreten ihre Interessen gegenüber Politik und Gesellschaft ab 2015 unter dem Dachverein swissuniversities.

Auf der Website des Vereins tönt das folgendermassen: «Mit der Gründung des Vereins swissuniversities ist die langjährige konstruktive Zusammenarbeit zwischen [den Rektorenkonferenzen] in eine noch intensivere Phase eingetreten.»

Friede, Freude, Streitigkeiten

Auch Thomas Meier, Präsident der Rektorenkonferenz der Fachhochschulen und neu Vorstandsmitglied von swissuniversities, verspricht sich viel vom Zusammenschluss: «Wir sind überzeugt davon, dass der Zusammenschluss den Hochschulstandort Schweiz stärken wird. Der gemeinsame Auftritt wird auch politisch mehr Gewicht entwickeln können.»

Die Unterschiede der Institutionen sieht Antonio Loprieno, Präsident der Universitätsrektorenkonferenz, als Gewinn für den neuen Verein: «In unserem Land haben die drei Hochschultypen eine sehr erfolgreiche Geschichte. Diese Tradition wollen wir in die neue Struktur miteinbringen.»

Ganz so schöngeistig dürfte der Zusammenschluss jedoch nicht verlaufen. Da «werden natürlich Prioritäten zu verhandeln sein«, sagt Loprieno, und »es wird Diskussionen geben«, meint Meier.

Die Knackpunkte

  • Doktortitel: Die Fachhochschulen pochen auf ein Promotionsrecht. Die Universitäten ihrerseits wollen die Hoheit über die Vergabe von Doktortiteln behalten. Dabei werden sie von der Bildungsdirektorenkonferenz unterstützt. Denkbar wäre eine Zusammenarbeit der Universitäten mit Dozenten oder Studierenden der PH oder Fachhochschulen. Mit solchen Kooperationsmodellen möchte es Meier den Fachhochschulen ermöglichen, «auf Augenhöhe mit den universitären Hochschulen Promotionsprogramme zu entwickeln». Jedoch existiert nicht für alle FH-Studiengänge ein Pendant an einer Universität. Meiers Lösung: «Dort, wo diese Möglichkeit nicht besteht, schlagen wir Kooperationen mit universitären Hochschulen im Ausland vor.»
  • Durchlässigkeit: Der Wechsel von Studierenden unter den Hochschultypen ist seit der Bologna-Reform grundsätzlich möglich und seit 2008 tatsächlich geregelt. Ob die an der ersten Hochschule erbrachten Leistungen anerkannt und angerechnet werden, hängt aber immer von der aufnehmenden Hochschule ab. In der Praxis sind solche Wechsel – etwa vom Bachelorstudium an einer Fachhochschule in einen Masterstudiengang an einer Universität – immer noch kompliziert und mit teils erheblichem Zusatzaufwand verbunden. «Eine Patenlösung gibt es noch nicht», so die Zwischenbilanz von Hans-Rudolf Schärer, Präsident der Rektorenkonferenz der Pädagogischen Hochschulen.
  • Fördergelder: Was die Verteilung der Bundesgelder an die verschiedenen Hochschultypen angeht, sind viele Fragen noch offen. Etwa, ob neben den Universitäten auch die Fachhochschulen und pädagogischen Hochschulen mit Gelder vom Nationalfonds rechnen dürfen. Oder ob die praxisnahe Innovations-Förderung des Bundes KTI auch in universitäre Forschung fliessen soll.

Bildungspolitiker sieht «grosse Probleme»

Trotz dieser Diskussionspunkte sind die drei Rektoren zuversichtlich und betonen die Chance des Zusammengehens. Diesen Optimismus mag der Ökonom und frühere SP-Nationalrat Rudolf Strahm nicht teilen. Universitäten und Fachhochschulen «unter eine gemeinsame Führung zu stellen, wird grosse Probleme verursachen».

Er hält die neue Organsiation auf dem Hochschulplatz Schweiz für verunglückt. Zu viele verschiedene Stimmen und Interessen würden eine nationale Koordination verunmöglichen. Darauf angesprochen, sagen die aktuellen Präsidenten der Rektorenkonferenzen unisono, das werde sich weisen. So starten sie zumindest in diesem Punkt einstimmig ins neue Jahr.