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Selbstversorgung der Schweiz Schweizer Hochseeflotte vor dem Aus?

Der Bund möchte die Finanzierungsgarantien streichen. Reeder befürchten: Die Versorgung der Schweiz ist gefährdet.

Legende: Audio «Schweizer Hochseeflotte vor dem Aus?» abspielen. Laufzeit 2:08 Minuten.
2:08 min, aus HeuteMorgen vom 22.12.2016.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund 50 Hochseeschiffe verkehren unter Schweizer Flagge auf den Weltmeeren.
  • Der Bund erwägt nun die Bürgschaften nicht mehr erneuern.
  • Das sorgt für Unmut und Schweizer Reeder befürchten einschneidende Konsequenzen

Sie tragen Namen wie General Guisan, Matterhorn oder Basilisk. Die rund 50 Hochseeschiffe, die derzeit unter Schweizer Flagge stehen.

Worum geht es: Finanziert wird die Hochseeflotte durch Bürgschaften des Bundes in Milliardenhöhe.

Das Problem: Der Preiskampf in der Branche ist hart und der Bundesrat will diese Finanz-Garantien nicht mehr erneuern, wie er jetzt entschieden hat. Schweizer Reeder befürchten einschneidende Konsequenzen. Die Schweizer Hochsee-Flotte sei in Gefahr, warnt Eric André, der Präsident des Schweizerischen Reeder-Verbands. Sobald die bisherigen Bürgschaften abgelaufen seien, würden die Reeder ihre Schiffe unter anderer Flagge fahren lassen, sagt André, denn das komme günstiger.

Der Bundesrat will die Bürgschaften in der Höhe von rund 1 Milliarde Franken wegen der finanziellen Risiken nicht mehr verlängern: In der Hochsee-Schifffahrt tobt ein erbitterter Preiskampf – viele Reedereien kämpfen ums Überleben.

Die Gefahr, dass der Bund seine Bürgschaften haften, also zahlen muss, ist gestiegen. Reeder-Vertreter André bestreitet das nicht. Die Situation sei für alle sehr schwierig geworden. Dennoch müsse der Bund eine Mindestzahl Schweizer Schiffen garantieren, sagt André: es gehe schliesslich um die Landes-Versorgung. Im Krisenfall darf der Bund Schweizer Schiffe beschlagnahmen – sie verpflichten, Nahrungsmittel oder Erdöl in die Schweiz zu führen. Jetzt aber werde es in 10 Jahren bereits zu wenig Schiffe haben, sagen die Reeder.

Der Bund beruhigt: Ruedi Rytz vom Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung widerspricht. «Wir befürchten das nicht. Es ist noch auf Jahre hinaus genügend Flottenkapazität vorhanden, sogar auch um eher unwahrscheinliche Szenarien abdecken zu können.»

Wo besteht Konsens – wo nicht? Einig sind sich Reeder und Bundesrat nur darin, dass die Schweizer Flagge von zahlreichen Hochsee-Schiffen verschwinden wird in den nächsten Jahren. Uneinig sind sie sich in der Frage, ob auch eine kleinere Flotte gross genug ist für die Landesversorgung in düsteren Zeiten. Fakt aber ist, dass der Bund seit es die Hochseeflotte gibt, also seit 75 Jahren, noch nie auf die Hochseeflotte als Versorgungsinstrument zurückgreifen musste.

17 Kommentare

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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Länder sind heute keine Länder mehr, sondern "Märkte" - ebenso sind Menschen heute reduziert auf "Konsumenten" (CH) oder "Verbraucher" (D). Diese Entwicklung sollte uns alle interessieren.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Derselbe Bundesrat verlocht jährlich(!) mit einer Energiewende 2 Milliarden und gefährdet gleichzeitig die bis anhin sichere Versorgung der Schweiz mit Strom.... und statt sich für die Schweizer Interessen, für das Schweizer Volksvermögen zu wehren und Deutschland endlich vor der WTO einzuklagen... Die Frage, die man sich stellen sollte: In wessen Interesse handelt der Bundesrat? Im Interesse des Schweizer Volkes sicher nicht.
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    1. Antwort von Dieter Burkthard (Zweistein)
      Und derselbe Bundesrat verlocht jährlich (!) mit der "besten Armee der Welt" 5 Milliarden Franken.
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Erster Gedanke: Nein! Das darf nicht sein! - Zweiter Gedanke: Versorgungssicherheit??? Gaht's no? Hat damit Null zu tun. Dritter Gedanke: Defizitäres Hochseegeschäft - wenn es reihenweise Reeder wegputzt, steigen die PReise wieder und die irre Globalisierung wird ausgebremst. Vierter Gedanke: Gut! Weg damit!
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