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Schweizer Landwirtschaft Wie der Bund den Pestizid-Einsatz eindämmen will

Die Schweizer Landwirtschaft schneidet beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln schlecht ab. Weshalb?

Legende: Audio Kritik an hohem Pestizideinsatz in der Schweiz abspielen. Laufzeit 02:34 Minuten.
02:34 min, aus SRF 4 News aktuell vom 04.01.2018.
  • Das Bundesamt für Landwirtschaft hat einen Aktionsplan zur Pestizidreduktion erarbeitet.
  • Jät-Roboter, robustere Pflanzensorten und sparsamerer Einsatz von Pestiziden sollen dabei helfen.
  • Die ökologisch gesinnte Denkfabrik «Vision Landwirtschaft» verweist auf die Skepsis der Bevölkerung gegenüber dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Schweizer Bauern setzen mehr Pestizide ein als ihre Berufskollegen ausserhalb der Landesgrenzen. Dies, weil sie viel Früchte und Gemüse anbauen, die häufiger gespritzt werden, erklärt Eva Reinhard, stellvertretende Direktorin des Bundesamtes für Landwirtschaft. «Wir brauchen vielleicht auch mehr, weil wir mehr alte Mittel, die in grossen Mengen angewendet werden, benutzen. Das ist aber positiv, weil die generell eine geringere Giftigkeit haben.»

Anreize, Beratung und Ausbildung

Das Bundesamt für Landwirtschaft sieht dennoch Handlungsbedarf. Es hat einen Aktionsplan verfasst, der im September vom Bundesrat verabschiedet wurde. Die Pflanzenschutzmittel sollen reduziert werden. Dank sparsamerem Einsatz, robusteren neuen Pflanzensorten, alternativer Schädlingsbekämpfung wie etwa Jät-Roboter. Das soll mit Anreizen über die Direktzahlungen gefördert werden sowie durch Beratung und Ausbildung.

Ziel ist es, die schädliche Wirkung auf Natur und Gesundheit um die Hälfte zu reduzieren, bis ins Jahr 2030. «Ob wir das schaffen oder nicht, kann ich nicht garantieren. Aber wir werden ganz bestimmt ein Monitoring auf die Beine stellen, damit wir informieren können, wie weit wir schon sind», so Reinhard.

Zum Scheitern verurteilt?

Bereits in der Vergangenheit hat das Bundesamt für Landwirtschaft Pestizid-Reduktions-Ziele deutlich verfehlt. Dasselbe droht mit diesem neuen Plan, sagt Andreas Bosshard, Biobauer und Geschäftsführer der ökologisch gesinnten Denkfabrik «Vision Landwirtschaft».

Eva Reinhard hat mit einer Vielzahl von Experten ein Konzept erarbeitet. Es zeigt auf, wie der Pestizideinsatz kurzfristig um die Hälfte gesenkt werden könnte, ohne dass die Bauern weniger Geld verdienten. «Es gibt eine riesige Liste an Möglichkeiten, mit denen man Pestizide ersetzen kann.»

Vieles davon könnte erreicht werden, wenn der Bund den ökologischen Leistungsnachweis wie vorgesehen umsetzen würde, sagt Bosshard. Der Nachweis wird von allen Landwirten verlangt, als Bedingung für die Direktzahlungen.

Skeptische Bevölkerung

Bauern müssen aufzeigen, dass sie alle anderen Massnahmen ausgereizt haben, bevor sie Pestizide spritzen. «Das wird in der Praxis praktisch nicht mehr gemacht. Wir fordern, dass man dieses Grundprinzip des ökologischen Leistungsnachweises wieder in die Praxis einführt», sagt Bosshard.

Die Denkfabrik «Vision Landwirtschaft» verweist darauf, dass die Bevölkerung sehr skeptisch ist gegenüber dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Und die Konsumentinnen und Konsumenten sind es, die die Lebensgrundlage der Bauern finanzieren – als Kunden und Steuerzahlerinnen.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Gar nicht! Die teuren zuständigen Verantwortlichen bei: Bundesrat und Politik, halten sich an die unsinnigen, kontraproduktiven "Beratungsäusserungen" der verantwortungslosen Zuständigen bei: Agrar-Forschung, BLW, BLV, Schweizer Bauernverband, BAG, BAFU, welche die vergiftende, zerstörende "Chemie-LW" fördern! Das auf Kosten von "Gesundheit" von NATUR, TIER und damit auch des Menschen, welcher das letzte Glied in der Nahrungskette bildet = "man ist, eas man fr-isst"! "Ernährungssicherheit"...?
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Nachgewiesen aber ist, dass die grössten Giftsünder immer noch Privatpersonen in ihren Gärten sind. Man muss sich nur mal in Geschäften für Gartenzubehör umschauen & welche Angebote an Giften dort für Private angeboten werden.
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  • Kommentar von D Thürig (Dachs)
    Je mehr Biobetriebe desto höher der Pflanzenschutzmittelverbrauch. Denn entgegen der allgemeinen Meinung spritzen auch Biobetriebe. Da die biologischen Mittel weniger wirksam sind müssen Biobauern öfter und mit viel höheren Konzentrationen spritzen. Was zu einem höheren Pflanzenschutzmittelverbrauch führt. Denn auch biologische Mittel sind teil der Statistik.
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  • Kommentar von Hans Ochsner (Hans Ochsner)
    Es wäre so einfach: Subventionen nur noch für Biolandwirtschaft und für Betriebe in Umstellung auf Bio.
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    1. Antwort von Herbert Müller (Herbert Müller)
      Gehe ich richtig in der Annahme, dass sie nur Bioprodukte einkaufen?
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    2. Antwort von Tobi Hartmann (Tobias Hartmann)
      Richtig, Herr Ochsner. Nur so ändert sich etwas.
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    3. Antwort von Martin Waldvogel (Martin Waldvogel)
      So einfach ist das eben nicht. Ich muss auf ein paar, meiner Meinung nach, Unsinnigkeiten aufmerksam machen. 1. Der Bund spricht nur von kg Wirkstoff, es gibt aber ganz unterschiedliche Wirkstoffe, von einigen werden ein paar g pro hektar benötigt von anderen mehrere kg. 2. Gerade im Biolandbau sind viele Pflanzenschutzmittel zugelassen welche in grossen Mengen eingesetzt werden müssen um zu wirken. 3. Mehr Bio=weniger Menge=mehr Importe=Verlagerung des Problems ins Ausland.
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    4. Antwort von Hans Ochsner (Hans Ochsner)
      @M. Waldvogel: 1. Na und? Die Menge ist nicht wichtig, die Schädlichkeit hingegen schon! 2. Pflanzenschutzmittel im Biolandbau: Welcher 'Biolandbau'? Der Standard ist zu definieren, natürlich!! 3. Weniger Menge, mehr Importe? Dann sollen die im Ausland das Problem ebenfalls lösen, oder?? Einer muss anfangen. 4. Machen Sie die Sache nicht komplizierter als Sie ist um vom Wesentlichen abzulenken!
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    5. Antwort von Martin Waldvogel (Martin Waldvogel)
      @Hans Ochsner 1. Die Schädlichkeit ist genau das was ich ansprechen wollte. Der Bund vergleicht nur kg Wirkstoff ohne Einteilung der Schädlichkeit. 2. Die sog. Hilfsmittelliste für den Biolandbau ist mit etwas Recherche problemlos im Netz aufindbar. Enthält neben harmlosen Sachen wie z.B. Fenchelöl auch Schwermetalle wie Schwefel und Kupfer. Ich spreche von Knospe Bio Schweiz. Im Ausland ist noch viel mehr zugelassen.
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    6. Antwort von Martin Waldvogel (Martin Waldvogel)
      3. Sie glauben nicht ernsthaft, dass in Südamerika oder der USA wo Hormon und Antibiotikaeinsatz an der Tagesordnung sind, sich irgend etwas ändert nur weil wir Schweizer das wollen? 4. Ich mache das Problem nicht komplizierter als es ist. Ich bin als Landwirt direkt betroffen und spritze nicht einfach Gift weil es mir Spass macht. Ich habe mich letzten Herbst nach einem Jätroboter erkundigt. Prototyp frühstens in 3 jahren Kosten mehrere 10T. Soviel zu einer Massnahme des Bundes.
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