Schweizer Lehre für arbeitslose Jugendliche aus der EU?

Jugendliche Arbeitslose aus der EU in die Schweiz holen und sie eine Berufslehre machen lassen. Nach verschiedenen Vorstössen lässt der Bundesrat diese Idee nun prüfen. Der Gewerbeverband ist skeptisch, ob damit Nachwuchsprobleme tatsächlich behoben werden können.

Ein Schreinerlehrling an einer Maschine.

Bildlegende: Ausländische Jugendliche für offene Schweizer Lehrstellen – vorerst nur eine Idee und viele Fragen. Keystone

Eine Jugendarbeitslosigkeit von bis zu 50 Prozent verzeichnen zurzeit die Staaten in Südeuropa. In der Schweiz hingegen zeichnet sich in einzelnen Branchen schon jetzt und in den kommenden Jahren noch vermehrt ein Lehrlingsmangel ab.

Unter diesen Umständen sei die Idee entstanden, offene Lehrstellen allenfalls mit Jugendlichen aus der EU zu besetzen, bestätigt Ruedi Christen, Sprecher des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF). Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) kläre im Auftrag des Bundesrats zurzeit ab, ob die Idee überhaupt realisierbar wäre.

Finanzierung – Sprache – Betreuung

Ein solches Projekt müsste von den Verbundpartnern der Berufsbildung in der Schweiz, also auch von den Kantonen und den Organisationen der Arbeitswelt, vollumfänglich mitgetragen werden. Dies hält der Bundesrat in Antworten auf jüngst verabschiedete Vorstösse fest.

Neben einer gesicherten Finanzierung geht es laut Christen um viele andere Aspekte. Dazu gehört die Sprache – mit Blick auf Jugendliche, die weder Deutsch noch Französisch sprechen. Es gibt aber auch rechtliche Fragen im Zusammenhang mit der Einwanderung. Nicht zuletzt müsste auch das Leben der jungen Leute in der Schweiz geklärt werden.

Gewerbeverband: Gegen Ausbildung zum Selbstzweck

Der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) reagiert angesichts der vielen Hürden zurückhaltend. Laut Direktor Hans-Ulrich Bigler wäre auch die Frage zu klären, ob diese Jugendlichen im Schweizer Arbeitsmarkt verbleiben sollen.

«Das duale System ist auf Arbeitsmarktfähigkeit ausgerichtet. Die Ausbildung von ausländischen Jugendlichen in der Schweiz macht nur Sinn, wenn diese dann auch in den Schweizer Arbeitsmarkt integriert werden können», betont Bigler. Eine Lehrlingsausbildung um der Lehrlingsausbildung willen dürfte nach den Worten von Bigler nicht das Erfolgskonzept sein. Aber auch die Betreuung der Jugendlichen neben der Lehre – also in der Freizeit – müsste gelöst werden.

Schneider-Ammann sieht viele Vorteile

Im Staatssekretariat für Bildung klärt nun eine Arbeitsgruppe all diese Fragen ab. Kommt sie zu positiven Resultaten, ist für Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann der Weg frei, Lehrstellen mit Lehrlingen aus der EU zu besetzen, wie er kürzlich gegenüber SRF erklärte: «Ja, dann holen wir sie uns in der Nachbarschaft, die mit Jugendarbeitslosigkeit kämpft und wahrscheinlich gar nicht unglücklich ist, wenn man den einen oder anderen hier ausbilden würde und hier dann möglicherweise auch weiterbeschäftigt.»

Auf jeden Fall sei jeder, der durch das schweizerische System gegangen sei, ein überzeugter Schweizer in Anführungsstrichen, ist Schneider-Ammann überzeugt: «Wenn sie nicht bleiben und mit ihrer Ausbildung in der Heimat einen Beitrag leisten, hätten sie die guten freundschaftlichen Erinnerungen an unser Land. Und auch das wäre schon etwas wert.»

Ein Start des Projektes laut Christen frühestens auf Beginn des nächsten Lehrjahres im Sommer 2014 möglich.

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