Schweizer Medikamentenhändler sind die teuersten

Apotheken, Ärzte und Spitäler kassierten 2012 für Medikamente satte 1,3 Milliarden Franken an Margen. So viel wie fast in keinem anderen Land in Europa. Der Krankenkassenverband santésuisse fordert eine Senkung der Margen, denn damit würden sich auch die Prämien verbilligen.

Auslandvergleich: So hohe Handelsmargen erhalten Schweizer Apotheken
Die durchschnittliche Marge der Apotheken in den sechs europäischen Vergleichsländern beträgt 495 Millionen Franken. Das sind 39% auf den Fabrikabgabepreis.

Es ist fast jedes Jahr dasselbe. Die Krankenkassen lassen sich ihre Deckungen etwas kosten. So auch 2014: Über zwei Prozent mehr müssen die Versicherten für die Prämien berappen.

Der Krankenkassenverband santésuisse ging über die Bücher und kam zum Schluss: Der Prämienanstieg ist genauso hoch wie die Einsparung, wenn die Handelsmargen für rezeptpflichtige Medikamente an das europäische Niveau angepasst würden.

Aspirin Cardio 100mg 98 Stück im Vergleich
Das Diagramm zeigt die Unterschiede unter den Margen im Jahr 2012. Höhere Preise ziehen aufgrund der degressiven Abstufung in den Ländern tendenziell geringere Margen nach sich. Da Deutschland und Holland Fixbeträge für die Apothekenleistung kennen, wirkt sich dies besonders bei sehr tiefen Preisen aus. Margen durchschnittlich CHF 6.25, Preis- und Zinsniveau berücksichtigt.

Schweiz und Österreich am teuersten

Der Verband verglich 8000 rezeptpflichtige Medikamente sechs europäischer Länder. Dabei schwingt die Schweiz mit 1,3 Milliarden Franken oben auf. Nur Österreich weise ähnlich hohe Margen aus, teilte der Verband jüngst mit. Bereits dreimal hat santésuisse die Margen international verglichen.

Würde man die Margen an die Preise in den Vergleichsländern angleichen, schrumpften die Kosten von 1,3 Milliarden um 450 Millionen Franken. Sie fallen damit unter die Milliardengrenze. «Es lassen sich so rund 2 Prämienprozente einsparen», kritisiert der Verband.

«Schwarzer Peter»

Die Kritik will der Zentralvorstand FMH nicht auf sich sitzen lassen. Mitglied Urs Stoffel sagt dazu: «Man versucht wieder einmal, uns den schwarzen Peter zuzuschieben». Stoffel spricht von «falschen Zahlen», die im Bericht der santésuisse verwendet worden seien und von «Unterstellungen».

Vergangenes Jahr bezahlten die Krankenkassen fünf Milliarden Franken für Medikamente, welche Händler – also Apotheker, Ärzte und Spitäler – an die Patienten abgegeben haben. Die Händler selbst behielten davon 1,3 Milliarden Franken als Handelsmarge für sich.

Nur Bundesrat kann bestimmen

Als Margen werden jene Beträge bezeichnet, die zwischen dem Herstellungs- und dem Verkaufspreis liegen. Sie spielen deshalb eine Rolle, weil sie zu den Komponenten gehören, die sich auf die Krankenkassenprämien auswirken.

Der Preisüberwacher schlug schon vor drei Jahren vor, die Margen neu zu gestalten. Das letzte Wort hat aber der Bundesrat.

Die Beteiligten

Die Forderung nach tieferen Margen ist nicht zu verwechseln mit jener nach tieferen Medikamentenpreisen. Generelle Preissenkungen treffen auch die Hersteller, also die Pharmaunternehmen. Tiefere Margen hingegen stossen nur bei den Händlern auf Widerstand.

Apotheken: wichtige Kunden

Wichtigster Absatzkanal von Medikamenten sind gemäss santésuisse die Apotheken: Über die Hälfte aller rezeptpflichtigen Arzneimittel werden dort verkauft. Ärzte geben rund einen Drittel aller verschreibungspflichtigen Medikamente ab, der Rest wird in den Spitälern bezogen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Zu hohe Margen auf Medikamenten

    Aus Tagesschau vom 23.10.2013

    Im vergangenen Jahr hätten hunderte an Millionen Franken an Gesundheitskosten eingespart werden können. Zu diesem Schluss kommt der Krankenkassendachverband Santésuisse bereits zum dritten Mal. Demnach verlangen Apotheken, Spitäler und Ärzte beim Verkauf zu hohe Margen. Die Betroffenen wehren sich vehement dagegen.