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Schweiz Schweizer Migrantenorganisation «Secondos Plus» vor dem Aus

Die Migrantenorganisation «Secondos Plus» will sich auf nationaler Ebene auflösen. Der Schweizer Dachverband, der sich auf politischer Ebene für die Rechte von Migrantinnen und Secondos einsetzt, findet keinen Nachwuchs mehr.

Ein dunkelhäutiger Mann steht vor dem Signet von «Secondos Plus».
Legende: Dem Schweizer Dachverband von «Secondos Plus» fehlt der Nachwuchs. Keystone

Auf der Website von «Secondos Plus» scheint die Zeit stehen geblieben. Die aktuellste Meldung macht mobil gegen die schon fast vergessene Ecopop-Initiative vor zwei Jahren. Die meisten Vorstandsmitglieder sind nicht mehr aktiv. Die noch aktiven Vorstandsmitglieder werden der Generalversammlung im Mai vorschlagen, den Dachverband aufzulösen.

Rupan Sivaganesan steht Portrait vor einem blauen Hintergrund.
Legende: Der Zuger SP-Kantonsrat Rupan Sivaganesan. Keystone

Der Schweizer Dachverband findet keinen Nachwuchs mehr. Der Zuger SP-Kantonsrat Rupan Sivaganesan war im nationalen Vorstand tätig. Er bedauert die Auflösung: «Eine Auflösung ist immer eine bedauernswerte Sache.» Rupan Sivaganesan bleibt jedoch in anderen Migrantenorganisationen aktiv.

Auf lokaler Ebene bleibt «Secondos Plus» bestehen

Isabel Garcia steht vor einem weissen Hintergrund.
Legende: Isabel Garcia, grünliberale Gemeinderätin der Stadt Zürich. Keystone

Und lokal gibt es weiterhin Sektionen von «Secondos Plus», in Zürich zum Beispiel. Dort wird die Sektion von der grünliberalen Gemeinderätin Isabel Garcia geleitet. «Mit der nationalen Ebene verliert man eine wichtige Vernetzung, auch über die Sprachgrenzen und Kantone hinweg, das ist natürlich schade», sagt sie.

Anliegen von «Secondos Plus» sind etwa eine erleichterte Einbürgerung für Ausländer der zweiten Generation. Ein weiteres Anliegen ist zum Beispiel, dass in der Schweiz wohnhafte Ausländer in den Polizeidienst eintreten dürfen.

Ein Drittel der Menschen hierzulande haben einen Migrationshintergrund. Offenbar war das Bedürfnis nach einer nationalen Stimme nicht gross genug. Und doch sind heute mehr Migrantinnen und Secondos in der Politik denn je, sagt Isabel Garcia. «Es gibt natürlich noch Nachholbedarf, aber es ist eigentlich eine schöne Tendenz und man sieht auch, dass die Leute ja von ganz unterschiedlichen Regionen herkommen und das ist eigentlich schön, weil so ist die Welt eben heute.»

Anliegen von Migranten werden von allen Parteien aufgenommen

Und Rupan Sivaganesan windet den Parteien ein Kränzchen: «Das heisst, von Mitte bis Links und Rechts haben die Parteien gemerkt, dass Migranten und Migrantinnen potentielle Wähler und Wählerinnen sind, also wollen sie diese Leute auch packen – und das machen Sie jetzt auch.» Vielleicht ist «Secondos Plus» so also auch Opfer seines eigenen Erfolges. Denn, wer mal in einem Parlament aktiv ist, dem fehlt oft die Zeit, sich daneben weiterhin in Vereinen und Organisationen zu engagieren.

10 Kommentare

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  • Kommentar von m. fischbacher (mifi)
    Die Secondos von morgen, liegen heute eben noch im Kinderwagen und können somit dieser Organisation noch nicht beitreten! Nur Geduld, kommt Zeit kommt Secondo...
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  • Kommentar von Thomas Leu (tleu)
    Irgendeinmal werden aus Migranten eingebürgerte Schweizer und über Generationen Schweizer. Nach der Einbürgerung sind viele Migranten nicht mehr per se für die erleichterte Einbürgerung der noch nicht eingebürgerten, denn man gehört ja jetzt auch dazu und möchte nicht einfach immer noch mehr Konkurrenten. So ist der Lauf der Dinge, was solche Organisationen von selber überflüssig macht.
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  • Kommentar von Manuel Pestalozzi (M. Pestalozzi)
    Vermutlich fehlt auch ein griffiger gemeinsamer Nenner. Irgendwie macht es auch nicht Sinn, sich als Seconda/Secondo vom "Rest" abzugrenzen und Spezialanliegen zu kultivieren. Es überrascht mich immer wieder, wie stark Linksparteien an derartigen Sondergruppen interessiert sind - gerade sie, die sich doch die Gleichheit auf die Fahnen geschrieben haben.
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    1. Antwort von Robert Meier (R. Meier)
      Ich sehe keine Logik in Ihrer Aussage. Es geht u.a. darum, gleiche Chancen zu schaffen für Secondos wie für Schweizer, die beide ihr ganzes Leben in der Schweiz verbracht haben.
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    2. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Meier: Die Menschen grenzen nun einmal aus, was nicht ins gewohnte Bild passt. Ein Deutscher würde sich nie einem Secondo-Club anschliessen, letztendlich ist er, sofern er den Mund hält, nicht als Ausländer erkennbar. Während der dunkelhäutige Schweizer bereits von Geburt an mit Nachteilen konfrontiert wird. Oder andersrum: Was war Ihr erster Gedanke bei der Ernennung von Tidjane Thiam als CEO der CS? Wohl kaum der, dass er einer der fähigsten Absolventen am Mines Paris war.....
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