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Schweizer Milch Ab wann ist Milch gentech-frei?

Futter für Schweizer Milchkühe kann Gentech-Spuren enthalten. Milchbauern möchten die Milch aber als gentech-frei verkaufen. Bei Konsumentenschützern stösst diese Forderung auf Unverständnis.

Legende: Audio Milchlobby will Gentech-Verordnung lockern abspielen.
1:48 min, aus HeuteMorgen vom 10.03.2018.

Fernsehbilder mit riesigen Gentech-Sojaplantagen aus Lateinamerika sind bestens bekannt – Monokulturen bis zum Horizont. Doch gibt es in Brasilien auch Landwirte, die gentech-freie Soja anbauen. Damit erzielen sie sogar einen besseren Preis.

Denn diese gentechnikfreien Produkte sind bei den Konsumenten in Europa gefragt. Nutztiere in der Schweizer Landwirtschaft bekommen ausschliesslich Gras und Heu von der Weide zu fressen – und Futtermittel aus gentech-freiem Getreide, erklärt Stefan Kohler, Direktor der Branchenorganisation Milch. In die Schweiz werden heute gar keine Gentech-Futtermittel importiert. «Deshalb können wir mit 100-prozentiger Sicherheit sagen, dass keine gentechnisch veränderten Futtermittel eingesetzt werden.»

Eine Kuh frisst auf einer Weide
Legende: Schweizer Kühe fressen Gras und Heu – Futtermittel können dennoch Gentech-Spuren enthalten. Keystone

Mehrkosten für Schweizer Bauern

Um reine, gentech-freie Soja einzuführen, nehmen die Schweizer Bauern Mehrkosten von etwa 35 Millionen Franken im Jahr auf sich. Dennoch ist das Tierfutter nicht zu 100 Prozent frei von Gentechnik. «Weil Vitamine oder Enzyme, die aus Gentechnik-Produktion stammen, in den Futtermittel enthalten sein können, ist man diesbezüglich sehr exakt», bedauert Kohler. Deshalb gelte für das ganze Futtermittel, dass es nicht als gentech-frei deklariert werden könne.

Wenn man explizit ausloben will, dass keine Gentechnik in einem Lebensmittel vorhanden ist, muss das auch stimmen.
Autor: Sara StalderDirektorin Stiftung für Konsumentenschutz

Für Konsumentenschützerin Sara Stalder ist dies auch richtig so: «Das ist eine Irreführung, wenn man sagen würde, dass dies gentech-freie Milch sei.» Wenn es um Gentechnik in Lebensmitteln gehe, seien die Leute sehr sensibel, sagt die Direktorin der Stiftung für Konsumentenschutz. «Wenn man explizit ausloben will, dass keine Gentechnik in einem Lebensmittel vorhanden ist, muss das auch stimmen. Viele Leute verlassen sich darauf, weshalb es dort keine Toleranz gibt.»

Unterschiedlich lange Spiesse in Europa

Das Problem der Schweizer Milchbranche liegt im umliegenden Europa. Dort dürfen die genau gleich hergestellten Milchprodukte nämlich als gentech-frei beworben werden.

Wir sollten hier nicht päpstlicher als der Papst sein.
Autor: Stefan KohlerGeschäftsführer Branchenorganisation Milch

Das gleiche Jogurt, dass im Ausland mit der Aufschrift «GVO-freie Fütterung» verkauft werde, stehe in der Schweiz ohne Vermerk in den Regalen, ärgert sich Kohler. Dadurch könne der Eindruck entstehen, dass in der Schweiz Gentech-Futter eingesetzt werde – was allerdings nicht der Fall sei. «Wir sollten hier nicht päpstlicher als der Papst sein», so Kohler.

Mit Vorstössen im Parlament setzt die Milchlobby nun Druck auf den Bundesrat auf, um die entsprechende Verordnung zu lockern. Ein Entscheid des Bundesrats wird in den nächsten Wochen erwartet.

38 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    20 Rappen mehr pro Liter Milch belastet KonsumentenInnen nicht. Einfach dafür sorgen, dass es diejenigen Bauern erhalten, die korrekt, d.h. umwelt- & tierfreundlich, d.h. auch 100 % gentechfrei, produzieren, erhalten.
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  • Kommentar von Stephan Poetsch (StephanP)
    Täglich über 150 Tier und Pflanzenarten unwiederbringlich zerstört worden sein. Das geht so jeden Tag, Woche für Woche, seit Jahren. Und wir wissen das. Wir legen gerade eine Querschnittslähmung durch den Motor der gesamten Evolution. Weil die Natur keine Lobby wie die Gentech-, Rüstungs-, Auto-, Ölindustrie etc. hat. Lasst und aufhören, auf die Lobby dieser zerstörerischen Industrien zu hören und besser etwas für das Überleben der Natur zu machen.
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    1. Antwort von Peter Singer (P.S.)
      Gentechnik ist ja nicht Schuld am Artensterben. Wenn man durch gesünderen und resistenteren Pflanzen mehr produzieren kann, dann müssen weniger Wälder gerodet werden, weniger Gifte eingesetzt werden, was dem Artensterben entgegenwirkt. So kann trotzdem mehr und besser produziert werden, was den Armen zugutekommt.
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  • Kommentar von Peter Jucker (Jucker)
    Die "armen Bauern". Schon wird wieder versucht, etwas umzubenennen. Aus Kühen werden bereits schon längere Zeit wieder Rinder gemacht. Rind bis zum 2. mal kalbern, ha ha. (Biologie-Bücher wurden noch nicht korrigiert) Wenn es falsche Gene in der Milch hat, enthält die Milch diese und ist somit nicht Gen-frei und damit Pasta! Da aber unsere Bundesämter alle Grenzwerte, wenn diese überschritten werden, einfach nach oben korrigieren, ist auch nichts mehr verwunderlich!
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