Schweizer Optimismus: Dank Brexit kommt Einigung mit EU

Viele Beobachter und Experten gehen davon aus, dass der Brexit die Chancen einer Einigung zwischen der Schweiz und EU negativ beeinflussen wird. Gänzlich anderer Meinung ist die Mehrheit der Schweizer Stimmbevölkerung. Sie sieht den Austritt der Briten aus der EU eher als Chance denn als Last.

Bessere Chancen dank Brexit? Der EU-Austritt der Briten wird die Verhandlungen der Schweiz mit der EU einfacher gestalten, meint eine Mehrheit der Schweizer Stimmbürger.

Der Brexit könnte für die Schweiz zur Chance werden. Gemäss einer Umfrage rechnet eine Mehrheit der Schweizer Stimmberechtigten mit wirtschaftlichen Vorteilen und sieht die Verhandlungsposition der Schweiz gegenüber der EU gestärkt.

54 Prozent der Befragten sind der Meinung, der Entscheid Grossbritanniens aus der EU auszusteigen (Brexit) werde sich positiv auf die Verhandlungen der Schweiz mit der EU auswirken. 38 Prozent befürchten Nachteile, 8 Prozent legten sich nicht fest, wie aus einer repräsentativen Studie von gfs.bern hervorgeht.

Was die wirtschaftlichen Perspektiven der Schweiz betrifft, sehen 10 Prozent «grosse Vorteile» und weitere 45 Prozent «eher Vorteile». Diesen insgesamt 55 Prozent Optimisten steht etwa ein Drittel Pessimisten gegenüber.

Optimismus über Parteigrenzen hinweg

Der Optimismus überwiegt unabhängig davon, welcher Partei die Befragten angehören oder nahestehen. 54 Prozent der Wählerinnen und Wähler der SP, 53 Prozent der CVP-Anhänger, 59 Prozent der FDP-Wähler und 63 Prozent der SVP-Sympathisanten glauben an positive wirtschaftliche Folgen des Brexit für die Schweiz.

Damit ist auf der rechten Seite des Parteienspektrums die Zustimmung nur leicht höher als auf der linken. Am kritischsten sind Leute ohne Parteibindung. Dort machen die Optimisten nur 48 Prozent aus.

«Es überrascht, dass die Parteibindung keine signifikanten Unterschiede zeigt, denn optimistische Stimmen wurden ja eher im politisch rechten Lager laut», wird Lukas Golder, Co-Leiter des Forschungsinstituts gfs.bern, in der Mitteilung zitiert.

Wenn es um die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative geht, zeigen die Resultate auch: Wer eine Kündigung der Bilateralen in Kauf nimmt oder gar befürwortet, ist deutlich optimistischer in Bezug auf die Verhandlungsposition der Schweiz.

Jüngere etwas pessimistischer

Zwischen verschiedenen Bildungs- und Einkommensstufen, sowie zwischen den verschiedenen Landesteilen gibt es kaum Unterschiede in der Einschätzung, wie die Auswertung zeigt. Im Hinblick auf die wirtschaftlichen Folgen sind Befragte aus der französisch- und der italienischsprachigen Schweiz tendenziell leicht zuversichtlicher als die Deutschschweizer.

Grundsätzlich etwas pessimistischer schätzen jüngere Menschen die politischen Folgen des Brexit-Entscheids ein. Bei den 18- bis 29-Jährigen stehen 50 Prozent Zuversichtliche 47 Prozent Pessimisten gegenüber.

Bei den Befragten, die 65 Jahre und älter sind, schätzen 52 Prozent die wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen insgesamt positiv ein. In dieser Gruppe gab es auch die meisten Enthaltungen. «Sie fühlen sich vielleicht effektiv weniger davon betroffen als die Jüngeren», heisst es in der Studie dazu.

Die Studie wurde im Auftrag der Credit Suisse erstellt.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Parlamentarier zweifeln an Bundesratsstrategie

    Aus Tagesschau vom 17.8.2016

    Nach einem Treffen mit Bundespräsident Johann Schneider-Ammann zum Thema Brexit fragen sich Parlamentarier: Hat der BR überhaupt eine Strategie, wie mit dem EU-Austritt Grossbritanniens umzugehen ist? Die Tagesschau hat nachgefragt.