Schweizer Schüler meiden Latein – ausser in Basel

Das Lernen der lateinischen Sprache ist ausser Mode gekommen. Immer weniger Schüler entscheiden sich für eine Lateinmatur. Etwas anders sieht es allerdings in Basel aus. Die Stadt verzeichnet seit längerem wieder einen kleinen Latein-Boom.

Eintrittschild in eine Schulstube mit Wilkommensgruss

Bildlegende: Willkommen im Unterricht: Latein ist wieder etwas beliebter. Keystone

«Non scholae, sed vitae discimus»: Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir, sagt das lateinische Sprichwort. Dass Latein eine Sprache fürs Leben sein soll, finden heute allerdings nur noch sehr wenige Schweizer Gymnasiastinnen und Gymnasiasten: Immer weniger entscheiden sich für eine Lateinmatur. Anders in Basel: Die Stadt verzeichnet seit einigen Jahren wieder einen kleinen Latein-Boom.

Freitag, 13:30 Uhr: Latein bei der Klasse 1A am Basler Gymnasium am Münsterplatz. Knapp 20 Schülerinnen und Schüler zählt die Klasse. Es ist eine bunte Truppe, die 14- und 15-Jährigen haben Wurzeln in den verschiedensten Ecken der Welt. Inder, Kroaten und natürlich auch Schweizerinnen komplettieren die Multikulti-Schar.

Sie alle tragen zu einem kleinen Latein-Boom in Basel bei. Bis vor wenigen Jahren habe er teils nur mit Ach und Krach eine Lateinklasse pro Stufe füllen können, berichtet der Rektor des traditionsreichen Gymnasiums am Münsterplatz, Eugen Krieger. «Wir sind jetzt wieder bei zwei Klassen pro Stufe.»


Wieder mehr Jugendliche nehmen Latein

2:32 min, aus SRF 4 News aktuell vom 15.10.2013

Schlüssel zu anderen Sprachen

Der Grund ist die Zuwanderung – wie sie sich etwa in der 1A zeigt. Das Interesse an Latein sei nämlich nicht unbedingt bei Schweizern wieder erwacht, sagt Krieger, vielmehr seien es. «Die zugewanderten Schülerinnen und Schüler aus Deutschland, aber auch aus anderen europäischen Ländern verstehen Latein als wichtigen Transmissionsriemen in die europäische Kultur.»

In Deutschland boomt Latein seit längerem. Und für Schülerinnen von weiter weg dient Latein offenbar als Schlüssel fürs Verständnis von Europa und seinen Sprachen. Tatsächlich wollen die Gymnasiasten mit Latein Verbindungen zu den verschiedensten neuen Sprachen schlagen.

Dank Zuwanderern wachsen die Lateinklassen wieder – allerdings auf tiefem Niveau. Wurden um die Jahrtausendwende schweizweit jährlich noch über 4000 Maturzeugnisse an Schüler mit alten Sprachen vergeben, waren es letztes Jahr nicht einmal mehr 1000.

Aber der Basler Gymnasiums-Rektor ist zuversichtlich: Wenn die Anforderungen der Arbeitswelt steigen, würden sich Schüler auch wieder mehr für Latein entscheiden, glaubt er.