Schweizer Spitäler setzen auf Medizinaltouristen

Jedes Jahr kommen schätzungsweise 30'000 gutbetuchte Ausländerinnen und Ausländer in die Schweiz, um sich hier medizinisch behandeln zu lassen. Für die Spitäler ein lukratives Geschäft.

Röhrchen eines Hämofilters, Teil einer Herz-Lungen-Maschine.

Bildlegende: Reiche Ausländer kommen oft für komplexe medizinische Behandlungen in die Schweiz. Keystone

Sie kommen aus Russland, den arabischen Ländern oder China; sie sind reich und erwarten eine medizinische Behandlung der Spitzenklasse. Rund 30'000 Medizinaltouristen kommen jedes Jahr in die Schweiz, schätzt Swiss Health, ein Verein, der im Namen der Spitäler im Ausland wirbt.

Gefragt sind komplexe medizinische Behandlungen in der Kardiologie und Orthopädie, aber auch Krebsbehandlungen oder Geburten. Am häufigsten kommen die ausländischen Patientinnen und Patienten in Privatspitäler der Extraklasse wie die «Leukerbad Clinic» oder in die Spitäler der Hirslandengruppe, die jährlich etwa 4000 ausländische Patienten behandelt.

Auch öffentliche Spitäler mischen mit

Aber auch die fünf Schweizer Universitätsspitäler haben sich ein Stück des Kuchens gesichert – wenn auch ein Kleines im Vergleich zu den Privaten. Das Universitätsspital Basel beispielsweise behandelt etwa 50 Patienten pro Jahr.

Kranke aus dem Ausland sind ein lukratives Geschäft, denn sie müssen für die gleiche Behandlung einen deutlich höheren Tarif bezahlen als Patienten aus der Schweiz. Und sie verhelfen dem Spital zu internationalem Ruf.

«  Wir hatten schon Patienten, die eine ganze Station buchen wollten. Das geht nicht »

Simone Rüdlin
vom «International Service» des Unispitals Basel

Aber, so Swiss-Health-Geschäftsführer Andrej Relijc, ihre Betreuung sei aufwändig. Eine Erfahrung, die auch das Universitätsspital Basel macht. Die Ansprüche der ausländischen Patienten prallen schon mal auf das Machbare in einem öffentlichen Spital. Man mache nicht einfach alles für die zahlungskräftigen Medizinaltouristen, sagt Simone Rüdlin vom «International Service» des Unispitals Basel: «Wir hatten schon Patienten, die eine ganze Station buchen wollten. Das geht nicht.»

In Konkurrenz mit dem Ausland

Privatkliniken sind da flexibler: Vor allem die Luxushäuser am Genfersee, spezialisiert auf Schönheitsoperationen, bemühen sich sehr. Die Konkurrenz spiele aber nicht unbedingt innerhalb der Schweizer Spitallandschaft, analysiert Jan Sobhani von Swixmed, einem privaten Vermittler von medizinischen Behandlungen in der Schweiz. In Konkurrenz stehen die Spitäler vor allem mit Mitbewerbern aus dem Ausland. «Da hat sich die Situation sicherlich verschärft.»

Die Schweizer Spitäler sind erst seit ein paar Jahren im Geschäft mit dem Medizinaltourismus dabei. Die USA, Deutschland oder Ungarn sind in der Vermarktung von Gesundheitsdienstleistungen weit voraus. In der Schweiz liegt der Umsatz bei geschätzten 600 Millionen Franken, das ist etwa ein Prozent der gesamten Gesundheitskosten. Dazu kommt allerdings ein Mehrfaches an Einnahmen für Hotelübernachtungen oder Shopping.

In den letzten Jahren haben die Spitäler ihre internationalen Service-Abteilungen auf- und ausgebaut. Die Universitätsklinik Zürich zum Beispiel richtet in den nächsten Jahren am Flughafen Zürich ein medizinisches Zentrum ein, um international präsenter zu sein. Die Schweizer Spitäler mögen zwar spät in den lukrativen Markt eingestiegen sein – doch jetzt wollen sie aufholen.