Schweizer Teenager: Wissbegierige Optimisten

Sie blicken zuversichtlich in die Zukunft und verlagern ihr Leben weiter in die digitale Welt – die Teenager hierzulande wollen zudem einen spannenden Beruf stärker mit ihrer Freizeit in Einklang bringen, wie ihre US-Altersgenossen auch. Reichtümer anzuhäufen gehört nicht zur obersten Priorität.

Jugendliche feiern mit Scheizer Fahnen

Bildlegende: Knapp zwei Drittel aller Schweizer Teenager sehen ihre Zukunft optimistisch, so das CS-Barometer. Keystone

Junge Schweizer Bürger verlagern ihr Leben immer stärker in die digitale Welt. Gemäss des neuen CS-Jugendbarometers 2014 spielt für 90 Prozent der Befragten das Internet eine ausgesprochen wichtige oder gar unverzichtbare Rolle.

Befragt wurden vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen April und Juni je 1000 16- bis 25-Jährige in der Schweiz, in den USA, in Brasilien und in Singapur. Die diesjährigen Resultate zeigten, dass die digitale Identität bei den Jugendlichen Realität geworden sei, schlussfolgern die CS-Kommentatoren.

Hoher Stellenwert der Online-Communities

In den vier Ländern wollen 28 bis 39 Prozent der Jugendlichen auf keinen Fall auf das Internet verzichten. So verbringen etwa 43 Prozent der Schweizer Jugendlichen täglich über zwei Stunden privat im Netz. In den andern Vergleichsländern sind es gar über 50 Prozent.

Eine immer grössere Bedeutung erlangen Online-Medien für sozialen Zusammenhalt. Für über die Hälfte der Jugendlichen in den USA und in Brasilien haben Online-Communities bereits einen höheren Stellenwert als Partnerschaft, Religion oder Vereine. In der Schweiz fühlen sich dagegen lediglich 21 Prozent der Jugendlichen einer Online-Community angehörig.

Schutz im Internet gefordert

Ein wichtiges Anliegen der Jugendlichen in der Schweiz, in den USA und in Singapur ist der Schutz im Internet. Die meisten von ihnen seien sich der Gefahren von Missbrauch bewusst und wüssten auch, dass sie Selbstverantwortung übernehmen müssten, so die CS.

Eine Mehrheit wünsche sich dennoch mehr Schutz von der Politik. Die Forderungen reichten von mehr Schutz vor kriminellen Übergriffen auf die eigenen Daten über internationale Gesetze zur Nutzung und Überwachung bis hin zur lokalen Mitbestimmung per Internet. Die Datensicherheit werde höher gewichtet als das direkt ausgeübte Cybermobbing im eigenen Umfeld.

Reichtum hat keine Priorität

Noch nie höher war der Erhebung zufolge in der Schweiz die Zuversicht in Sachen eigene Zukunft. 65 Prozent der Befragten sehen diese optimistisch.

Auch andere wichtige Indikatoren rundeten das Bild einer zumindest materiell gut versorgten Schweizer Jugend ab. Viel Geld zu haben, habe keine Priorität, mehr Wohlstand zu erzielen als die Eltern noch weniger.

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SRF myschool: Jung und überschuldet

0:00 min, vom 16.1.2018

Selbstverwirklichung im Beruf

Die Jugendlichen in der Schweiz fallen gemäss dem Barometer auch dadurch auf, dass sie mit Abstand am wenigsten Schulden haben. Nur vier Prozent seien beim Bezahlen von Kreditkarten- und lediglich sechs Prozent beim Bezahlen von Handy-Rechnungen in Verzug, heisst es in der Erhebung, die die Schweizer Grossbank auf den Weg gebracht hat.

Weiterhin grosse Bedeutung messen die Jugendlichen einer guten Aus- und Weiterbildung bei, um spätere Berufsziele zu erreichen. In der Schweiz und in den USA steht aber gemäss Jugendbarometer auch der Wunsch im Vordergrund, Beruf und Freizeit im Gleichgewicht zu halten. Den Schweizer Jugendlichen ist zudem wichtig, dass der Beruf spannend ist und der eigenen Selbstverwirklichung dient.

51 Prozent für bilateralen Weg

Sorgen bereiten dagegen knapp der Hälfte der befragten Schweizer Jugendlichen Ausländerthemen. Dazu passe, dass der Nationalstolz nirgendwo so hoch sei wie in der Schweiz, heisst es. Geprägt worden sei die diesjährige Umfrage vermutlich von der Abstimmung zur Masseneinwanderungsinitiative.

26 Prozent der Befragten bezeichneten die Beziehung zur EU als «drängendes Problem» - das sind 16 Prozentpunkte mehr als beim Jugendbarometer 2013. 51 Prozent der Jugendlichen befürworten jedoch den bilateralen Weg, nur 10 Prozent möchten die bilateralen Verträge kündigen.

Sendung zu diesem Artikel

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • «Jeder vierte Jugendliche hat Schulden»

    Aus Tagesschau vom 11.9.2014

    Der Entscheid des Ständerates soll nicht zuletzt Jugendliche vor dem Schuldenmachen bewahren. Für Schuldenexperten ein wichtiger Schritt, denn wer früh in die Schuldenfalle tappt, der kommt so leicht nicht mehr raus.

  • Der Jugendschock

    Aus 10vor10 vom 4.4.2014

    Die Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative hat fast ohne Beteiligung der unter 30 jährigen stattgefunden. Dies zeigte eine gestern veröffentlichte Abstimmungsanalyse. Als Christoph Blocher vor 22 Jahren gegen den EWR-Beitritt der Schweiz kämpfte, lockte er deutlich mehr Jugendliche an die Urne. «10vor10» fragt: Was ist in den Jahren dazwischen passiert?