Zum Inhalt springen

Schweiz Schweizer Top-Diplomat soll Immunität verlieren

Der OECD-Botschafter Stefan Flückiger hat sich mit der Polizei in Paris eine Verfolgungsjagd geliefert. Erst Schüsse konnten ihn stoppen. Flückigers Chef, Bundesrat Didier Burkhalter, sagt klar: Die Franzosen sollen ungehindert gegen ihn ermitteln dürfen.

Legende: Video Burkhalter bereit Flückigers Immunität aufzuheben abspielen. Laufzeit 1:14 Minuten.
Aus 10vor10 vom 04.06.2013.

Die Pariser Polizei hat einen Schweizer Top-Diplomaten mit Schüssen gestoppt. Stefan Flückiger, Chef der Schweizer OECD-Mission in Paris, war zuvor bei einer Verkehrskontrolle aufgefallen. Offenbar war er mit seinem Dienst-Mercedes zu schnell unterwegs. Aussenminister Didier Burkhalter macht gegenüber «10vor10» klar, dass die französische Justiz gegen Flückiger ermitteln darf: «Es ist für mich selbstverständlich, dass seine Immunität aufgehoben wird», so der Bundesrat.

OECD-Diplomat Stefan Flückiger.
Legende: Flückiger gilt als absoluter Top-Diplomat. Er arbeitete auch mehrere Jahre für die Weltbank in Washington. SRF

Der Diplomat befindet sich zurzeit auf freiem Fuss und kooperiert mit der französischen Justiz. Es sei wirklich eine «schwierige Situation», so Burkhalter. «Es ist noch zu früh, um zu sagen, was das für seine Karriere jetzt heisst.» Der Bundesrat aber sagt: «Der Mann hat bis jetzt immer sehr gut gearbeitet.» Burkhalter brauche jetzt genauere Informationen, was in Paris wirklich vorgefallen sei.

Alkoholtest unter Grenzwert

Laut französischen Medienberichten brachten zwei Schüsse der Polizisten die Reifen des Wagens zum Platzen. Dadurch schleuderte der Top-Diplomat mit seinem Auto auf die Gegenfahrbahn des Boulevard Saint-Germain. Erst hier war die Irrfahrt des Mannes zu Ende. Unklar ist laut Auskunft des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), ob der Diplomat betrunken war. Zahlreiche Medien aber berichten, dass ein Alkoholtest auf der Polizeiwache positiv ausgefallen sei.

Wie SRF aus gut unterrichteten Quellen erfahren hat, zeigte der Test 0,43 Promille Alkoholgehalt an. Das liegt unter dem auch in Frankreich gültigen Grenzwert von 0,5 Promille. Offizielle Angaben zum Test liegen allerdings noch nicht vor.

Steiler Aufstieg als Wirtschaftsfachmann

Stefan Flückiger gilt als absoluter Top-Diplomat. Er arbeitete mehrere Jahre in Washington bei der Weltbank. Zudem war er als Diplomat in Bonn tätig. Dort koordinierte er die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Schweiz und Deutschland. Wie mehrere Quellen gegenüber SRF bestätigten, wird Flückiger in Bundesbern als einer der potentiellen Nachfolger für Staatssekretär Michael Ambühl gehandelt.

In Paris arbeitet Flückiger als Schweizer Botschafter bei der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Sie legt unter anderem die Standards für den automatischen Informationsaustausch auf internationaler Ebene fest. Hier verhandelte Flückiger für die Schweiz.

Doch nicht nur als Diplomat, sondern auch als Autor machte Flückiger von sich Reden. Sein Buch «Globalisierung: die zweite Welle: Was die Schweiz erwartet» gilt als richtungsweisend für die künftige Rolle der Schweiz in der Welt.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

21 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Peter Meier, Zürich
    @A. Käser, Zürich. Uber den Diplomatenstutus muss ich mich nicht schlau machen. Gibt es einen Grund, wieso sich so ein Diplomat nicht an die nationalen Gesetze halten muss. Lesen sie mal das Wiener Abkommen zum Diplomatenstatus.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Alle Menschen fehlen... nur, ein Diplomat mit Reputation.. da sollte man eine gewisse Reife erwarten ! Da sollte auch erwartet werden koennen, dass so ein Mensch anhaelt und Auskunft gibt. Vermutlich hat er, nebst zu schneller Fahrt, geglaubt, ueber den tolerierten 0,5 pm zu sein,aber das entschuldigt nicht dieses Fehlverhalten. So ein Diplomat wird in anderen Stress-Situatione auch die Nerven verlieren.. und event ausgerechnet dann, wenn absolut negativ fuer die CH.. (Murphy's law)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Peter Meier, Zürich
    Diplomaten-Status, sollte auf der ganzen Welt abgeschafft werden. Wie viele kriminelle Handlungen unter dem Vorwand Diplomaten-Stuatus wissen wir ja nicht, aber es dürften verdammt viele sein. Wieso auch nicht gegen solche ermitteln dürfen? Sind die was besseres wie das "normale Fussvolk". Auch die machen nur einen Job, wie jeder andere auch.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      @P.Meier/Diese"alten Zöpfe"kommen noch aus Zeiten des"ancien régime".Als Wohlbetuchte und Höher Gestellte sich in der "Kunst" des "Fäden ziehens" übten im Dienste "höherer Interessen".Kommt nicht von ungefähr dass dieser"Top Diplomat"für die Schweiz bei der OECD arbeitet(e).Bitte sich über "Wikipedia"über Ziel,Sinn und Zweck dieser "heeren"Organisation"(inklusive"Schattenkabinett und unsichtbarer Hand des Marktes)schlau"machen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen