Zum Inhalt springen

Header

Video
Leichter Rückgang bei der Zuwanderung
Aus Tagesschau vom 05.07.2016.
abspielen
Inhalt

Schweiz Seco zieht trotz hoher Zuwanderung positive Bilanz

Aufgrund des starken Frankens ging die Zuwanderung aus den EU/EFTA-Ländern letztes Jahr zurück, allerdings nur leicht. Dies hatte kaum Auswirkungen auf Löhne, Beschäftigung und Arbeitslosigkeit hierzulande. Zu dem Schluss kommt das Seco.

Trotz einer nach wie vor hohen Zuwanderung erachtet das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die Personenfreizügigkeit weiterhin als positiv für die Schweiz. Sie drücke weder auf die Löhne, noch verdränge sie Schweizer Arbeitskräfte aus dem Arbeitsmarkt. Zu diesem Schluss kommt es aufgrund des Berichts des Observatoriums zum Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU.

Darin werden die Auswirkungen der Personenfreizügigkeit auf den Schweizer Arbeitsmarkt und auf die Sozialversicherungen untersucht. Entscheidend wird laut Seco sein, ob die Zuwanderung auch in Zukunft das bestehende Arbeitskräftepotenzial ergänzt. Kritisch zu beurteilen wäre eine hohe Zuwanderung in Branchen mit schlechten Beschäftigungsaussichten oder ein höherer Anteil Niedrigqualifizierter.

Weniger Deutsche, mehr Südeuropäer

Für Letzteres gibt es laut dem Bericht erste Anzeichen. So hat sich die Qualifikation der zugewanderten Arbeitskräfte leicht verschlechtert. Ihr durchschnittliches Bildungsniveau ist aber immer noch höher als jenes der Schweizer Arbeitnehmer.

Nach wie vor verfügen mehr als die Hälfte der Zuwanderer über einen Uni-Abschluss oder eine andere tertiäre Ausbildung. Im letzten Jahr machte der Anteil der Personen aus Nord- und Westeuropa noch einen Drittel der Zuwanderung aus dem EU/EFTA-Raum aus. 2008, als die Zuwanderung aus Deutschland ihren Höhepunkt erreichte, lag dieser Anteil noch bei 70 Prozent. 43 Prozent des Wanderungssaldo entfielen im vergangenen Jahr auf Personen aus Südeuropa. Dieser Anteil hat sich seit 2008 fast verdoppelt. Jeder fünfte kam aus einem der EU-Staaten Osteuropas.

Zuwanderung insgesamt leicht gesunken

Die Zuwanderung hat sich mit der Frankenstärke insgesamt leicht abgeschwächt. So wanderten unter dem Strich im letzten Jahr 71'000 Ausländer in die Schweiz ein, 47'800 davon aus EU/EFTA-Ländern. 2014 waren es noch 73'000 respektive 50'600.

Im laufenden Jahr hat sich der Rückgang noch weiter akzentuiert. Die Zuwanderung aus EU/EFTA-Ländern ging zwischen Januar und Mai um 23 Prozent zurück. Besonders in den Wechselkurs-exponierten Branchen wie der Industrie und dem Handel war ein deutlicher Rückgang der Zuwanderung zu beobachten.

Im Gesundheits- und Sozialwesen nahm die Zuwanderung derweil weiter zu.

Grenzgänger mit weniger Lohn

Gemäss dem Bericht fiel das Lohnwachstum in der Schweiz in den vergangenen Jahren insgesamt robust und ausgewogen aus. Die Unterschiede zwischen Regionen waren dabei gering und standen in keinem offensichtlichen Zusammenhang zu den regionalen Unterschieden hinsichtlich der Zuwanderung.

Ein besonderes Augenmerk legt das Seco auf die Grenzregionen in der Romandie und im Tessin. Die aktuellsten Lohndaten für das Jahr 2014 lieferten demnach erneut Hinweise darauf, dass die Grenzgänger im Tessin und auch im Jurabogen im Schnitt tiefere Löhne erzielten als ansässige Erwerbstätige. Der Bund beobachtet diese Entwicklung und behält sich vor, mit flankierenden Massnahmen einzugreifen.

Stellungnahmen

Stellungnahmen
Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, Seco-Direktorin
Auch wenn die Personenfreizügigkeit (PFZ) positiv beurteilt würde, sei sie kein Allerheilmittel, sagte die Staatssekretärin. Um den Fachkräftebedarf der Wirtschaft abzudecken, sei PFZ sehr wichtig, sie ersetze aber nicht Investitionen in den beruflichen Nachwuchs und in die Weiterbildung.
Roland Müller, Direktor Schweizerischer Arbeitgeberverband
Sowohl Gewerkschaften und Arbeitgeber stützen den Schluss des Seco, dass die flankierenden Massnahmen eine wichtige Rolle spielten. «Der Arbeitsmarkt war und ist in der Lage, die Zuwanderung aufzunehmen», betonte der Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes.
Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB)
Aus Sicht der Gewerkschaften müssen die Missbräuche der PFZ besser bekämpft werden. In verschiedenen Branchen hätten die Kontrolleure im letzten Jahr mehr Arbeitgeber aufgespürt, die zu tiefe Löhne bezahlten, kritisierte Daniel Lampart.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

48 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Rolf Bolliger  (robo)
    Mein 4. (!) Versuch, ein Faktum zu dieser jährlich hohen Nettoeinwanderung zu äussern: Niemand verkennt die Situation, dass die nimmersatte Wachstums-Wirtschaft in diversen Segmenten auf ausländische Fachleute oder Arbeitskräfte angewiesen ist! Nur, von den 2015 71'000 netto neu eingewanderten Migranten sind nur etwa 20% solche Arbeitskräfte. Die restlichen 80% betrifft dessen Familien-Nachzug (Eltern, Junge, Tanten, Schwiegermutter, Grossvater, usw). Netiquette hin oder her, liebe Redaktion!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Urs Müller  (Confoederatio)
      Herr Bolliger Die Zahlen sagen etwas anderes. Gemäss Seite 8 der Statistik über die Zuwanderung im Jahr 2015 beträgt der Familiennachzug 31%.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Werner Christmann  (chrischi1)
    Und soeben gelesen: Die Anzahl der Grenzgänger hat sich seit 2002 beinahe verdoppelt, von 163000 auf 304000, auch alles Hochqualifizierte, selbstverständlich.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      In Frankreich haben 90% der Schulabgänger Abitur. Demnach das intelligenteste Volk in Europa. In Italien, Portugal, Spanien, Italien haben 70% einen akademischen Abschluss. Welche Berufe üben die Diplomierten letztendlich aus? Das ist doch relevant! Für wie dumm halten die „Experten“ die Bevölkerung? Man sollte von den „Experten“ ein paar weg rationalisieren und so die Staatskasse entlasten.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Verena Eberhard  (Verena Eberhard)
    Die Zuwanderung ist das kleinere Problem, da jedoch die Gemeinden auf billigere Wohnungen angewiesen sind um die anerkannten Asylanten unterzubringen, stehen die Schweizer wieder einmal in der Scheisse. Die Politik in der Schweiz ist auf die Ausländer ausgerichtet die Schweizer können schauen wo sie bleiben.... viellicht auf der Strasse.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen