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Selbstfahrende Autos im Fokus «Schweizer Versuche sind in alle Richtungen abgesichert»

Der tödliche Crash in den USA wirft Fragen auf. Astra-Sprecher Thomas Rohrbach umreisst die grossen Herausforderungen.

Legende: Audio Selbstfahrende Autos in der Schweiz abspielen. Laufzeit 4:26 Minuten.
4:26 min, aus Rendez-vous vom 20.03.2018.

Im US-Bundesstaat Arizona hat ein selbstfahrendes Uber-Auto eine Frau überrollt und tödlich verletzt. Sie war offenbar ihr Velo schiebend aus dem Schatten heraus auf einen Fussgängerstreifen getreten. Die Umstände werden noch untersucht. Tests mit selbstfahrenden Bussen und Autos gibt es seit einiger Zeit auch in der Schweiz. Fragen an Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen (Astra).

SRF News: Welche Gefahren gehen von den Versuchen mit selbstfahrenden Autos in der Schweiz aus?

Thomas Rohrbach: Bei den in der Schweiz laufenden Versuchen handelt es sich vor allem um sogenannte «Smart Shuttles» von öffentlichen Transportgesellschaften. Die Rahmenbedingungen sind streng: Es ist immer ein Sicherheitsfahrer an Bord. Das Gefährt muss jederzeit und sofort anhalten können, quasi per Notstoppschalter.

Es wird alles Erdenkliche zur Unfallverhütung getan. Die Haftpflicht liegt in dreistelligen Millionenbereich.
Autor: Thomas RohrbacherBundesamt für Strassen (Astra), Sprecher

Die Fahrzeuge sind auch auf sehr kurze Bremswege geprüft. Es wird also bei den Versuchen in der Schweiz alles Erdenkliche zur Unfallverhütung getan. Die Versuche finden zudem in einem wesentlich geringeren Tempobereich statt als jetzt beim Fall in Arizona.

Wer haftet in der Schweiz, wenn trotzdem jemand angefahren wird?

Die Haftpflichtdeckung ist in der Bewilligung für autonome beziehungsweise automatisierte Fahrzeuge klar geregelt. Es geht um dreistellige Millionenbeträge, deren Deckung der Gesuchsteller bestätigen muss. Der Veranstalter der Versuche muss also für die Schäden geradestehen.

Das Astra bereitet sich auf das autonome Fahren vor. Wie stellt sich der Bund grundsätzlich dazu?

Wir versprechen uns von der Automatisierung und Digitalisierung des Strassenverkehrs sehr viel. Zum einen für die Sicherheit, wenn auf stark befahrenen Strassen Fahrzeuge miteinander kommunizieren und sehr viel schneller auf Umstände reagieren können.

Auch beim Carsharing zur effizienteren Nutzung von Fahrzeugen ist die Digitalisierung eine wichtige Grundvoraussetzung..
Autor: Thomas RohrbachBundesamt für Strassen (Astra), Sprecher

Zum anderen geht es um die Nutzung von Strassenflächen, denn automatisierte oder teilautomatisierte Fahrzeuge können wesentlich geringere Abstände fahren. Aber auch beim Carsharing zur effizienteren Nutzung von Fahrzeugen ist die Digitalisierung eine wichtige Grundvoraussetzung. Stichwort: Fahrzeug auf Bestellung. Das ist aber wirklich Zukunftsmusik. 30 bis 40 Jahre dürfte es noch dauern, vielleicht aber auch nur 25.

Was muss erfüllt sein, damit auch in der Schweiz der Fortschritt kommen kann?

Die technischen Systeme in den Fahrzeugen sind heute noch nicht so weit, dass man automatisierte Fahrzeuge zulassen kann. Voraussetzung ist auch der 5G-Standard der Mobilfunknetze, um die grossen Datenmengen überall in alle Fahrzeuge übertragen zu können. Dazu kommen die rechtlichen Fragen beziehungsweise die Akzeptanz in der Gesellschaft. Das Astra bereitet zurzeit eine Gesetzesbotschaft vor, damit das Parlament voraussichtlich im kommenden Jahr erstmals darüber beraten kann.

Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Vera Kehrli (Vera Kehrli)
    Autofahrer töten und verletzen dauernd Fussgänger und Velofahrer. Tausende pro Jahr. In der Schweiz. Und jetzt wird weit weg in den USA ein Fussgänger getötet und hier gibt es einen richtigen Tumult? Finde ich eigentlich gut, aber warum nur wenn Roboter Menschen töten? Warum akzeptieren wir, dass menschliche Autofahrer tausende Mitbürger töten? Und dafür werden sie zudem kaum bestraft.
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  • Kommentar von Benjamin Perez (Adelante)
    Die Regel gilt schon länger und ist unabhängig ob autonom oder nicht. Wer am Fussgängerstreifen steht muss sich absichern, ob das Auto stillsteht und nicht einfach raus laufen. Da niemand mehr Zeit adäquat zu reagieren, ist schon grusselig die Vorstellung, dass nun Roboter die Velofahrer töten. Velofahrer schauen oft eben auch nicht auf andere Verkehrsteilnehmer. Hier gilt der Schwächere kommt leider unter die Räder.
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  • Kommentar von Aldo brändli (aldo)
    Eine Technik die in den Anfängen steht, sollte man nicht von vornherein ablehnen.
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    1. Antwort von Marie-Luise Reck (remalu)
      Nun Herr Brändli wen wollen Sie den verantwortlich machen wen niemand mehr hinter dem Steuer sitzt bei Schäden oder eben auch wen es Menschenleben kostet. Den das ist ja nur die Vorstufe, es wird doch so wie ich das mitbekomme noch lange nicht Ende der Fahnenstange sein.
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