AKW-Abschaltung kostet mehr als gedacht

Einen Atomreaktor abzubauen und die radioaktiven Abfälle zu entsorgen kostet Milliarden. Und es verschlingt mehr Geld als früher gedacht, sagt die Eigenössische Finanzkontrolle. Auch der Bundesrat sieht das so.

Luftaufnahme AKW Mühleberg.

Bildlegende: Atommeiler wie das AKW Mühleberg an der Aare müssen entsorgt werden. Doch was, wenn der Betreiber in Konkurs geht? Keystone

Die Landesregierung hat im Sommer bereits entschieden: Ab dem nächsten Jahr müssen die Stromkonzerne Axpo, Alpiq und BKW deutlich mehr einzahlen in zwei Geldtöpfe für den Abbau der AKW als bisher.

Das sei ein richtiger Entscheid, sagt Robert Scheidegger, Autor des Berichts der Finanzkontrolle. Beruhigt ist er aber trotzdem nicht: «Der Strommarkt ist sehr stark unter Druck. Die Preise sind an der Grenze der Selbstkosten. Und entsprechend sind die Reserven der Stromunternehmen klein geworden. Da könnte es theoretisch passieren, dass eine Unternehmung nicht mehr im Stande wäre, die Kosten zu tragen.»

«Meine Angst ist, dass der Bund einspringen müsste»

Die übrigen Konzerne müssten sich in einem solchen Fall die Kosten teilen – doch was, wenn auch sie nicht zahlen könnten? Scheidegger: «Meine Angst ist dann die, dass der Bund einspringen müsste.»

Der Finanzkontrolleur schlägt zwei Massnahmen vor: Entweder müssten die AKW-Betreiber noch mehr einzahlen als bisher. Die andere Variante wäre, laut Scheidegger, «Unternehmen quasi in die Verantwortung zu nehmen, Sicherheiten zu hinterlegen, dass wenn eine solche Firma in Konkurs kommen sollte, dass trotzdem dann jemand für diese Kosten aufkommen würde.»

Prüfung zusätzlicher Garantien

Die Stromkonzerne reagieren verärgert: Ihre Hauptaktionäre seien Kantone und Städte, schreiben sie in einer gemeinsamen Mitteilung. Schon dadurch sei genug Geld vorhanden für allfällige Mehrkosten beim Abbau der AKW.

Weniger gelassen reagiert das Energie-Departement von Doris Leuthard: Es ist einverstanden mit den Empfehlungen der Finanzkontrolle und will prüfen, ob der Bund zusätzliche Garantien verlangen soll.

SRF-Arena zum Atomausstieg

Wie gross ist der Wille zum Atomausstieg noch, drei Jahre nach Fukushima? Und wie realistisch ist das Szenario der nuklaren Kehrtwende? Fragen, mit denen sich die Arena beschäftigte.

Sendung zu diesem Artikel

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Wie grün ist grüne Energie?

    Aus 10vor10 vom 9.10.2014

    Was in Deutschland gang und gäbe ist, soll auch in der Schweiz erlaubt werden. Waldrodungen für Windparks. In der Schweiz waren solche Eingriffe in die Natur für Energie-Projekte bisher tabu. Doch mit dem Atom-Ausstieg mehren sich die Stimmen, die sagen: Es braucht Abstriche beim Naturschutz.

  • Der Kühlturm des Kernkraftwerks Leibstadt.

    AKW: Schadenersatz-Forderungen entgegenwirken

    Aus Echo der Zeit vom 26.8.2014

    Wie lange sollen die Kernkraftwerke in der Schweiz am Netz bleiben, wie soll ein geordneter Ausstieg organisiert werden? Darüber hat die Energiekommission des Nationalrates beraten.

    Dabei sollen klare Spielregeln geschaffen werden, damit die Betreiberfirmen keine Entschädigung fordern können, falls die Aufsichtsbehörde hart durchgreifen sollte.

    Christian von Burg

  • Fukushima wirkt nach - auch in der Schweiz. Hier muss ein grösseres Gebiet für Atomkatastrophen gerüstet sein, als bis jetzt angenommen.

    Grösserer Gefahrenradius um Schweizer AKW

    Aus Echo der Zeit vom 5.6.2014

    Nach dem Atomunfall im japanischen Fukushima hat das Eidgenössische Nuklearsicherheits-Inspektorat Ensi die Notfallszenarien der Schweizer Atomkraftwerke überprüft. Sie kommt zum Schluss: Die Aktionsradien rund um die AKW müssen vergrössert werden.

    Max Akermann

  • Härtetest für die Energiepolitik

    Aus Tagesschau vom 31.10.2013

    Wenn das AKW Mühleberg in sechs Jahren vom Netz geht, fallen rund 5 % der Schweizer Stromproduktion weg. Reichen dann alternative Energieformen zur Deckung oder wird die Schweiz dann mehr Atom-Strom aus dem Ausland beziehen?

  • Atomstrom ist teuer. Nicht nur bei der Produktion, sondern auch bei der Stilllegung und beim Rückbau, damit keine Radioaktivität in die Umwelt gelangt. Bild: AKW Leibstadt.

    Mehr Geld für AKW-Stilllegung

    Aus Rendez-vous vom 15.8.2013

    Die Schweizer Stromkonzerne müssen für die Abschaltung ihrer Atomkraftwerke mehr Geld zur Seite legen. So sollen statt 170 Millionen über 300 Millionen in den Stilllegungs- und Entsorgungsfonds fliessen.

    Wer soll das bezahlen? Und gibt es am Ende weniger Geld für die Förderung alternativer Energien?

    Tobias Fässler

  • AKW Mühleberg. BKW-Verwaltungsratspräsident Urs Gasche stört sich an der gegenseitigen Haftung der Energieunternehmen Axpo, Alpiq und BKW. Ginge ein Unternehmen Konkurs, müssten die anderen die Entsorgungskosten für den radioaktiven Abfall übernehmen.

    Streit um Kosten des Atom-Ausstiegs

    Aus Rendez-vous vom 8.7.2013

    Wer bezahlt für die Sillegung der Atomkraftwerke und für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle? Bisher war klar: diese Kosten tragen die verantwortlichen Kraftwerk-Gesellschaften. Nun wird um diese Kosten gerungen.

    Wer muss wann wieviel in welchen Topf einbezahlen? Und wer muss einspringen, wenn am Schluss nicht genug im Topf liegt?

    Christian von Burg