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Session Automatische Organspende im Ständerat chancenlos

In der Schweiz sterben jährlich 100 Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein neues Organ erhalten. Der Nationalrat forderte deshalb die automatische Organspende. Im Ständerat war die Widerspruchslösung aber chancenlos.

Legende:
Organspende in der Schweiz 2014 warten 1370 Personen auf ein Spenderorgan. Doch nur 117 willige Spender sind in diesem Jahr gestorben. Ein Überblick über die vergangenen sechs Jahre. Swisstransplant
Legende: Video Ständerat gegen Widerspruchslösung abspielen. Laufzeit 1:20 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 28.11.2013.

Bei der Organspende bleibt vorerst alles beim Alten: Organe dürfen nur entnommen werden, wenn eine Person vor dem Tod oder allenfalls die Angehörigen des Toten einer Organspende zugestimmt haben. Im Ständerat hatte ein Systemwechsel zur Widerspruchslösung keine Chance.

Bei der Revision des Transplantationsgesetzes entschied die kleine Kammer mit 24 zu 18 Stimmen, bei der heute geltenden Zustimmungslösung zu bleiben.

Bundesrat setzt sich durch

Der Mediziner Felix Gutzwiller (FDP/ZH) erinnerte vergeblich daran, dass in der Schweiz über 1100 Menschen auf eine Organspende warten. «Dutzende sterben jedes Jahr, weil kein Spenderorgan zur Verfügung steht. Besser ist die Situation in Ländern, in welchen die Widerspruchslösung gilt», sagte Gutzwiller.

Der Ständerat liess sich davon nicht überzeugen. Die Mehrheit folgte den Argumenten des Bundesrats und der Gesundheitskommission: Mit der Widerspruchslösung seien die Persönlichkeitsrechte in Gefahr. Zudem garantiere auch die Widerspruchslösung keine höhere Spenderrate, wie sich in anderen Ländern zeige.

Noch ist die Widerspruchslösung nicht vom Tisch: Der Nationalrat hat mit grosser Mehrheit eine Motion angenommen, die einen Wechsel zum Paradigmenwechsel verlangt. Über das Transplantationsgesetz wird er erst noch beraten.

53 starben auf der Warteliste

In der Schweiz warteten im vergangenen Jahr 1165 Personen gemäss den Zahlen der Stiftung für Organspende und Transplantation Swisstransplant auf ein Spenderorgan. Bei 453 Patienten wurde im Lauf des Jahres 2012 eine Transplantation durchgeführt, 53 starben auf der Warteliste. Die tatsächliche Zahl der Opfer des Organmangels ist nicht bekannt: Wer bereits zu krank ist für eine Transplantation, wird von der Liste gestrichen.

Im Ausland mehr Spenden

Klar ist: Es fehlt hierzulande an Organen (siehe Grafik oben). Nur zwölf von einer Million Einwohnern spenden in der Schweiz ihre Organe. In den Nachbarländern Spanien, Österreich, Frankreich oder Italien liegt die Rate mit 23,3 Spendern fast doppelt so hoch.

Keine Studie zeige, dass dies eine Folge der Widerspruchslösung sei, entgegnete Bundesrat Alain Berset. Gerade in Spanien habe sich mit dem Systemwechsel allein überhaupt nichts geändert.

Konkrete Massnahmen

Gesundheitsminister Berset will nun auch in der Schweiz auf konkrete Massnahmen statt auf einen eher theoretischen Systemwechsel setzen. Solche hat der Bundesrat im letzten März vorgestellt.

Kernpunkte des Aktionsplans «Mehr Organe für Transplantationen» sind Koordinationspersonen auf allen Ebenen: Verbindliche Spendenprozesse in allen Spitälern, der Aufbau einer nationalen Stelle sowie die Information der Bevölkerung.

33 Kommentare

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  • Kommentar von M. Tisserand, Schweiz
    Man könnte es doch auch wie bei den Briefen regeln, da heisst es ja auch: "Wotsch e Brief, so schriib e Brief!" - Beim Organspenden: Wer ein Organ will, der muss in der Spenderdatenbank sein (und nicht erst 2 Tage...)
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  • Kommentar von E.T. Bühlmann, Gossau
    Ich war immer gegen die Organspenden. Es werden weltweit sehr viele Jugendliche (aus den Slums von Drittweltländern) und andere Menschen ermordet, um den Markt der Organe zu befriedigen. Es ist ein sehr hartes Geschäft, wo die Ethik keine Rolle spielt. Die reichen Personen diktieren, sie fragen nicht nach dem Spendern, die Mediziner profitieren. Der Markt spaltet die Welt wiederum in zwei Klassen, in unnützes Leben und reiche Empfänger.
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    1. Antwort von V. Humbert, Carouge
      Au weh. Sie waren also schon immer gegen Organspenden? Sie meinen wohl Organtransplantationen. Ansonsten ergibt Ihr Kommentar überhaupt keinen Sinn.
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    2. Antwort von Markus Müller, Poland
      Und was passiert jetzt wohl mit dem Markt, wenn es aufsmal so 3 Millionen mehr potentielle Spender gibt? Wird es dann lukrativer oder weniger lukrativ, Leute für Organe zu ermorden?
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  • Kommentar von V. Humbert, Carouge
    Gott, wie erbärmlich! Und beim lesen gewisser Kommentare kann einem nur übel werden. Klar, wenn man nicht direkt betroffen ist... Sollen all diese Menschen halt sterben. Wie zynisch, egoistisch und offenbar auch faul gewisse Leute sind. Zu faul, sich des Widerspruchsrechts zu bedienen. Und dann erdreisten jene sich auch noch, die Befürworter als menschenfeindlich hinzustellen. Ausgerechnet. Widerwärtig.
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