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Session Der Duro scheidet die Geister

Dreitausend geländegängige Duros hat die Armee im Einsatz. Nun aber sorgt das Transportfahrzeug für einen Streit. Die Generalüberholung, die der Bundesrat geplant hat, ist manchen zu teuer.

Duro (Armeefahrzeug)
Legende: Der Duro: Muss das geländegängige Fahrzeug generalüberholt werden? Wie viel darf das kosten? Keystone

SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner führt den Widerstand gegen die teure Duro-Verjüngungskur an. Im Dezember sagte er am Rednerpult im Parlament: «Dieses Geschäft stinkt zum Himmel».

SVP-Ständerat Alex Kuprecht hingegen steht auf der Gegenseite und ist für das Duro-Geschäft: «Ich bin überzeugt, dass dieses Geschäft sauber geprüft wurde.» Der Truppentransporter Duro spaltet also die bürgerlichen Reihen. Im 500-Millionen-Geschäft steht Aussage gegen Aussage.

Instandstellung teurer als Neukauf

Das Verteidigungsdepartement VBS hat den Duro-Auftrag freihändig vergeben, also ohne formelles Wettbewerbsverfahren. Die Herstellerin des Duros, die Mowag AG in Kreuzlingen, soll über 2000 der Fahrzeuge generalüberholen. Pro Stück kostet das rund eine Viertelmillion. Das ist mehr, als der Duro vor 20 Jahren neu gekostet hat. Das VBS habe Alternativen geprüft, argumentiert der Bundesrat. Sie alle seien in einer Gesamtrechnung aber teurer.

SVP-Nationalrat Giezendanner bestreitet das. Es ginge günstiger, sagt er. Eine andere Firma könne die Duros auffrischen. «Das stärkste Argument ist, dass von einem renommierten Schweizer Betrieb, der Firma Aebi, eine verbindliche Offerte vorliegt, dass man das Geschäft für 100 Millionen günstiger übernehmen würde.» Die Offerte sei firmenintern erstellt worden.

Der Chef der Firma Aebi bestätigt das auf Anfrage. Er komme aufgrund der öffentlich zugänglichen Informationen zum Schluss, dass es 100 Millionen Franken günstiger ginge. Kuprecht, der Verteidiger des Duro-Geschäfts, hält das hingegen für unseriös, denn Aebi habe keinen Einblick in die Details des Geschäfts. «Diese Zahlen sind völlig aus der Luft gegriffen, sie entsprechen nicht dem Anforderungsprofil und sie sind daher nicht entscheidungsrelevant», sagt er.

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen drei pensionierte FDP-Lokalpolitiker aus dem Aargau. Sie treten als Bürgerkomitee gegen das Duro-Geschäft an. Richard Fischer vom Bürgerkomitee hat Radio SRF ein Dokument gezeigt, das belegen soll, dass dem Bundesamt die Duro-Generalüberholung vor drei Jahren noch als zu teuer erschien. Ob das Dokument echt ist und vor allem, welchen Stellenwert die gezeigten paar Zeile haben, ist offen. Armasuisse äussert sich nicht dazu.

Serienfahrzeuge auch möglich?

Fischer vom Bürgerkomitee gegen den Duro sagt, die Armee könne für die Hälfte des Geldes gleichwertige Serienfahrzeuge von Mercedes oder VW kaufen. «Ausländische Armeen benutzen für ihre Mannschaftstransporte Serienfahrzeuge. Und die haben dieselben Rahmenbedingungen», so Fischer.

SVP-Ständerat Kuprecht widerspricht und hält fest, zivile Fahrzeuge seien keine Alternative. «Das sind Fahrzeuge für den normalen Strassenverkehr. Solche Fahrzeuge besitzt die Armee auch, allerdings sind sie nicht geländegängig und sie sind nicht robust gebaut.»

Er und seine Kollegen von der sicherheitspolitsichen Kommission würden im Ständerat neue Fakten auf den Tisch legen, sagt Kuprecht. Einen neuen Fakt gibt allerdings schon bekannt: das Duro-Geschäft etwas günstiger werde als geplant.

Im Dezember stellte sich der Nationalrat knapp hinter das Geschäft. Sagt auch der Ständerat ja, ist der Entscheid definitiv.

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38 Kommentare

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  • Kommentar von H. Wach (H. Wach)
    Wie gut, dass die CH ein Allparteien-System in Legislative u. Exekutive hat. Aber bei dieser massiven Geldverschwendung, die das Volk zu berappen hat, ist es unverständlich, dass sich das Links-Grüne Lager nicht durchsetzen konnte. Die negativen Nachwirkungen der Armeeabschaffer sind der Hauptgrund dafür, dass sie in Militär-Sachgeschäften nichts mehr zu sagen haben. Dabei hätten sie bei diesem „zum Himmel stinkenden Geschäft“ (U.Giezendanner) in Allianz sehr gut punkten können. Schade.
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (parteilos!!)
    Die Sache ist sonnenklar! Den Bock geschossen hat SVP Ueli Maurer. In grosser Naivität hat er Millionen verschenken wollen und jetzt,wo die Details des Deals bekannter werden,wollen die SVP-Schäfchen die Verantwortlichkeiten mit absurden Begründungen verwässern. Liebe SVP-ler, nur, damit die Soldaten in Fahrtrichtung sitzen können muss man ja keine 250'000 CHF pro Fz ausgeben. Dafür bekommt man locker schöne, neuen Transporter!Aber eben,auch hier will die SVP keine Verantwortung übernehmen!
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    1. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Ihnen sagte ich schon einmal , auch als Parteiloser wie sie, hören sie auf mit den langweiligen Angriffen auf alles was nach SVP nur riechen könnte - da sind andere Parteiherren auch mit von der Partie-- im übrigen, ich finde so einen irren Kostenaufwand für ein sicher notweniges Fahrzeug auch neben den Schuhen da sind wir uns völlig einig. Wir wollen doch alle das Beste für unser Land , das schleckt keine Geiss weg .
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    2. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Herr Bächler, das war nun ein dümmlicher Angriff auf die SVP in doch sehr fraglicher Sache. - Aber nichts desto trotz auch sehr informativ und demaskierend. Wohlverstanden, es sind da Ihre Worte, Ihre Ansichten und Ihre Argumentationen, die einer näheren Betrachtung und sachlichen Anlayse wohl kaum stand halten können.
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    3. Antwort von Niklaus Bächler (parteilos!!)
      M.Kaiser,ich weiss, dass meine Kommentare unangenehm erscheinen mögen,doch jemand muss doch hier auch einmal die Position einnehmen, welche aufzuzeigen vermag, dass die grossmaulige, besserwisserische SVP eben auch nur mit Wasser kocht. Jetzt beginnt sich abzuzeichnen, was Maurer wirklich «geleistet» hat. Der Euro ist für mich Sinnbild eines überforderten SVP-Politikers, der mit grossen Worten antrat, aber über Hintertür verschwand, um seinem Nachfolger den Scherbenhaufen zu überlassen.
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    4. Antwort von Niklaus Bächler (parteilos!!)
      ...und, erlauben sie mir noch eine Bemerkung. Manchmal habe ich das Gefühl, man müsse ein Volksmundspruch abändern, der da heisst: «Wer nichts wird, wird SVP-Politiker»... denn die spült es einfach mal so hoch, nur weil sie gut stänkern können. Sorry, aber das musste ich jetzt nicht los werden!
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  • Kommentar von Marcel Molineux (Marcel Marcel)
    Mal abgesehen von der Grundsatzfrage einer Armee: Wenn das schweizer Militär für irgend etwas Geld ausgeben sollte, dann sind es für die Fahrzeuge wie Duro etc. Die werden nun wirklich ständig gebraucht und man erkennt auch sehr einfach einen praktischen Sinn dahinter!
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    1. Antwort von paul waber (sandokan)
      Nur mit Herumfahren werden keine Kriege geschlagen oder ein Land verteidigt, Herr M....
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    2. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      Wen will man denn verteidigen?
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    3. Antwort von Marcel Molineux (Marcel Marcel)
      Da stimme ich 100% zu ... aber im Moment oder bis auf alle Ewigkeit, ist das genau das, was die schweizer Armee tut, desshalben brauchen wir diese Vehikel :-D Einen Krieg wird es sowieso nicht geben, und falls dann werden wirs ohne Hilfe wohl nicht packen ... so bisschen wie Champions League gegen Super League.. und überhaupt, wer Krieg gegen die Schweiz führen will, dann wohl kaum einen militärisch territorialen... geographisch und ressourchentechnisch gesehen, ist die Schweiz sehr unattraktiv
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