Zum Inhalt springen
Inhalt

Session «Die Geduld der Amerikaner ist nicht unendlich»

Der Schweizer Alfred Mettler ist Finanzprofessor an der State University in Atlanta. Er ist überzeugt: Eine bessere Lösung als die «Lex USA» könne man nicht mehr erwarten – zu lange schon dauere der Streit mit der US-Steuerbehörde um unversteuerte Vermögen in der Schweiz.

«Am Schluss muss man eine Lösung finden, das Problem löst sich nicht von selbst», sagte Alfred Mettler im «Tagesgespräch» von Radio SRF. Je eher man eine Lösung mit den USA finde, desto besser. Er glaube, für die Schweiz wäre es «eindeutig das Beste», wenn die «Lex USA» doch noch zustande käme. «Wenn nicht, geht die Welt nicht unter. Aber es würde immer schwieriger, eine Lösung zu finden», sagt Mettler. Denn: Amerika sei in der stärkeren Position.

Banken müssen Daten liefern

Mettler ist sicher: Irgendeinmal müssen die Schweizer Banken die von der US-Steuerbehörde (IRS) geforderten Daten liefern. Ansonsten reicht die US-Behörde Klagen gegen die Banken ein. Zuerst werde dies gegen jene Banken geschehen, gegen welche die IRS am meisten Beweise habe. Eine in den USA angeklagte – und damit vom US-Finanzmarkt abgeschnittene – Schweizer Bank werde nicht gestützt werden können. Das sei nicht realistisch. «Die Bank wird untergehen und die Daten trotzdem liefern müssen», ist Mettler überzeugt.

Darauf zu hoffen, die USA würden die Verfahren gegen Schweizer Banken aufgeben, sei völlig unrealistisch: Dies würde gegen jedes Selbstverständnis der US-Steuerbehörde verstossen. Denn in Steuersachen werden in den USA nur Stichproben erhoben: Wenn dabei aber Unregelmässigkeiten ans Licht kommen, werden diese gnadenlos verfolgt. «Da gibt es kein Pardon», sagt Mettler In dieser Situation befänden sich nun die Schweizer Banken.

«Das ist eine grosse Sache»

Auf die unterschiedlichen Sichtweisen der USA und der Schweiz angesprochen sagt Mettler: Aus US-Sicht sei das Ganze ein reines Rechtsverfahren. In der Schweiz dagegen sei die Frage mit der Politik verknüpft. «Die Amerikaner verstehen nicht, wieso die Daten nicht geliefert werden, obschon Recht gebrochen wurde.» Weil die Datenlieferung aus Schweizer Sicht aber rechtlich ein Problem ist, sucht die Schweiz nun eine Möglichkeit, dies trotzdem zu tun: die «Lex USA» eben.

Alfre Mettler, Poträtaufnahme.
Legende: Alfred Mettler. Keystone

Man müsse die Probleme als Ganzes sehen: Als 2009 die Daten der UBS in die USA geliefert wurden, dachte man, das Problem sei bereinigt. Doch seither zieht sich die Sache hin: Die USA gelangten dank Aussagen von angeklagten oder reuigen Steuersündern sowie von Whistleblowern über immer mehr Informationen zur Praxis der Schweizer Banken. Die Behörden setzten das Puzzle immer vollständiger zusammen und es habe sich gezeigt: «Das ist eine grosse Sache.»

Eine Art Katharsis

Dass sich die Schweizer Politik derart schwer tue, könne er sehr gut verstehen. Das Hin und Her, die Diskussion um die Sache, sei schliesslich auch die Aufgabe der Politiker. Doch am Schluss müssten sie zu einem Entscheid kommen. Er hoffe, die ganze Diskussion um die «Lex USA» sei eine Art Katharsis, eine Reinigung. Das sei auch richtig und verständlich – innerhalb der Schweiz. Aber wenn man die Sicht aus dem Ausland – aus den USA – einnehme, zeige sich: «Dies löst die Probleme nicht.»

Zum Bankgeheimnis:

Mettler stellt fest: «Man hat den Moment verpasst zu spüren, dass der Wind dreht.» Das Bankgeheimnis habe viel gebracht. «Aber ich bin überzeugt: 2020 wird es das Bankgeheimnis gegenüber dem Ausland und dem Inland nicht mehr geben.» Man müsse deshalb einen Plan in der Schublade haben – für die Altlasten und für die Zukunft.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

18 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Die Geduld der Schweizer ist aber auch nicht unendlich. Immerhin sieht es heute so aus, dass die Politik sich nur noch um die Banken dreht und alles Andere kaum mehr oder gar nicht mehr beachtet wird. Sollen die Amis doch die Banken ausknipsen, schliesslich haben sie ja gesündigt und sich damit selbst exponiert und angreifbar gemacht. Vielleicht lernen sie (also die Banken) es nur so. Die Aktionäre gehen ja nur zum "Znüni" an die GV und winken alles was vorgegeben wird durch...!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Richtig:Die Geduld der Schweizer ist aber auch nicht unendlich. Nur interessiert das international gesehen niemanden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von JP.Simon / Nietzscheaner, Bern
    B.Meile, B. Küng «Die Geduld der Amerikaner ist nicht unendlich» Meinen den die guten Amis, dass die Geduld vom Rest der Welt endlich u. auch die der unseren ist. Das wäre naiv oder anders gesagt unendliche Naivität. Mit dem Status einer Sieger-& Grossmacht (dessen Status wohl einer unheimlichen & gefährlichen Finanzelite gehört) zu meinen, dass nun endgültig das letzte Wort gesprochen, dieses für allen Zeiten verbrieft ist - ich möchte Ihnen die Lust an solchen (Alb)-träume nicht vergällen
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rudolf R. Blaser, Aeschi
    Hüstel, hüstel! Massenmörder, Kriegsverbrecher und Verbrecher gegen die Menschlichkeit sind sicher nicht in Guantanamo zu suchen sondern laufen als US Faschisten, Chauvinisten und Imperialisten (noch) frei herum. Sie leben von den vermissten 2'300 Milliarden $ des Pentagons (2'300'000'000’000$). Zufälligerweise wurden sämtliche Dossiers über das vermisste Geld am 9/11 in WTC#7 pulverisiert, als das Gebäude im freien Fall zusammenbrach, obwohl dort KEIN Jet einschlug.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      @R.R.Blaser/Meinen Sie das Gebäude neben den Twins(ein Archiv) von welchem es hiess,dass es stark Schaden genommen habe und man nicht wisse,ob die darin aufbewahrten Akten noch zu retten seien?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen