Die Macht der Bauernlobby

Im Parlament ist keine andere Berufsgruppe so stark vertreten wie die Bauern. 13 Prozent der Nationalräte haben einen bäuerlichen Hintergrund. Die Hausmacht geht klar über die Parteigrenzen hinweg.

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Die einflussreiche Bauerlobby

3:40 min, aus 10vor10 vom 25.11.2014

Die Bauern der Schweiz können sich wahrlich nicht beklagen. Kaum eine Berufsgruppe ist unter der Bundeshauskuppel so stark vertreten wie die Landwirtschaft. 13 Prozent der Nationalräte haben einen bäuerlichen Hintergrund. Damit ist diese Berufsgruppe deutlich übervertreten. Von allen Arbeitstätigen in der Schweiz machen die Bauern nämlich nur 3,5 Prozent aus.

«  Wenn die Bauern etwas wollen, dann ist es meist mehrheitsfähig. »

Ruedi Noser
Nationalrat FDP Liberale/ZH

Geht es um deren Interessen, spielt die Parteizugehörigkeit kaum noch eine Rolle. Die Bauern seien die einzige stabile Mehrheit im Parlament, sagt etwa FDP-Nationalrat Ruedi Noser.

Die Auswirkungen der Bauernlobby hätten teils gravierende Folgen, meint die Baselbieter SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer. Als Beispiel nennt sie etwa die Abschottung vom internationalen Markt oder überhöhte Preise für Schweizer Konsumenten.

Machtlos gegen den Strukturwandel?

Die Macht der Landwirtschaft macht sich nicht nur im Agrarbereich bemerkbar, auch in der Finanzpolitik mischt die Bauernlobby tüchtig mit. Schon im Vorfeld der Budgetdebatte hatten die Bauern ihr Feld abgesteckt. Die Finanzkommission des Nationalrats beantragt, die Gelder für die Bauern zu Lasten der Entwicklungshilfe aufzustocken.

Noch sind die Budgetberatungen nicht abgeschlossen, doch die Chancen für die Interessen der Landwirtschaft sind intakt. Die Parteien haben bereits ihr «Wohlwollen» signalisiert.

Aber nicht überall ist die Lobbyarbeit von Erfolg gekrönt. Trotz ihrer Macht konnten die Bauern den Strukturwandel nicht aufhalten. In den vergangenen Jahren sind Tausende Betriebe verschwunden. Der Anteil der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft lag 1920 bei 26 Prozent, 1970 bei 8,5 und heute eben bei 3,5 Prozent.

Die Zahl der Bauernhöfe ist zwar deutlich gesunken, die verbleibenden Betriebe haben aber massiv zugelegt. Der Selbstversorgungsgrad liegt nach wie vor bei rund 60 Prozent und hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten also kaum abgenommen. Wurden Reformen geplant, dann haben die Bauern jeweils ihre Interessen eingebracht. Das wird sich auch künftig nicht wesentlich ändern.