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Session Drohungen gegen Politiker auf Rekordniveau

Das politische Klima in der Schweiz wird immer rauer. Das zeigt sich unter anderem an der gemeldeten Zahl von Drohungen beim Bundesamt für Polizei (fedpol). Mit über 100 Drohungen in den ersten acht Monaten des Jahres sind es so viele wie noch nie zuvor.

Legende: Video Zunehmend Drohungen gegen Politiker und Ämter abspielen. Laufzeit 02:11 Minuten.
Aus 10vor10 vom 11.09.2014.

Drohungen gehören auch in der Schweiz zunehmend zum Alltag von Politikern. Der Zürcher Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli hat erst kürzlich ein Hinrichtungs-Foto der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erhalten. Dazu lag die Botschaft: «Das könnte auch Ihnen passieren.» Das berichtet Glättli in «10vor10».

Nationalrat Andy Tschümperlin (SP/SZ) erhält regelmässig Briefe, E-Mails und Telefonanrufe mit Beschimpfungen und Drohungen. Das sei nicht immer einfach wegzustecken.

Besonders nahe gingen solche Drohungen, wenn auch die eigene Familie bedroht werde, sagt FDP-Präsident Philipp Müller.

Zahl der Drohungen und der Anzeigen nehmen zu

Zahlen des zuständigen Bundessicherheitsdienstes zeigen, dass bis Ende August bereits über 100 Drohungen gegen Politiker, Ämter und Bundesräte gemeldet wurden. Die Dunkelziffer ist aber hoch. Denn bis die Politiker eine Drohung melden, braucht es viel.

Das wollte Ständerat Didier Berberat (SP/NE) mit einer Motion ändern. Auslöser für den Vorstoss war ein Angriff auf einen Bundesrichter im letzten Jahr. In seiner Motion forderte Berberat, dass alle Straftaten im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit der Opfer von Amtes wegen zu verfolgen seien und somit als Offizialdelikt gelten sollen.

Diese Forderung ging dem Ständerat aber zu weit. Er lehnte die Motion mit 17 gegen 10 Stimmen bei vier Enthaltungen ab.

Abschreckung oder Aktivismus?

Während sich Berberat mit der Gesetzesverschärfung eine abschreckende Wirkung versprach, befürchteten andere Ratsmitglieder ein «Zweiklassen-System» und sprachen von «gesetzgeberischen Aktionismus».

Auch der Bundesrat hatte sich gegen die Motion ausgesprochen. Er befürchtete insbesondere, dass Gerichte durch gezielte Angriffe handlungsunfähig gemacht werden könnten. Justizministerin Simonetta Sommaruga schloss im Ständerat allerdings nicht aus, dass der Bundesrat das Recht bei Drohungen zumindest teilweise verschärfen werde.

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44 Kommentare

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  • Kommentar von D.Daniele, Obergösgen
    Es ist die pure Angst, die die meisten zu solchen Taten verleitet. Die Welt ist Komplex und schnell geworden. Die Mehrheit kann dem Tempo nicht folgen. Dazu kommt das die, die uns dadurch navigieren sollten das Vertrauen nicht geniessen. Beispiel Geri Müller, eine Lächerlichkeit, doch die meisten Reagieren erzürnt auf Ihn, denn das ist etwas was die meisten meinen noch zu Verstehen und so bei Ihm den Frust auslassen können, weil Sie sonst Überfordert sind. dabei sind Sie gereizt und Handeln so.
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    1. Antwort von M.Müller, Zürich
      Ich denke Sie unterschätzen die "Meisten". Ich traue vielen Schweizern zu, sich auch mit komplexen Aufgaben auseinander zu setzen. Was heute schwierig und unberechenbar ist, ist der erpresserische Umgang (z.B. der EU oder USA) und die moralisch erodierte Politik (z.B. Interpretation von Steuerbetrug u. Hinterziehung). Das sind aber nicht komplexe sonder gemeine Probleme.
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Diese Drohungen wundert mich kein bisschen. Noch nie hat die Schweiz derart viele weltfremde Politiker in Bern gehabt, die den Volkswillen mit Füssen treten, sei es in Sachen EU, Einwanderung, Asylwesen, Ausschaffung von Kriminellen, etc.. Diese Volks(ver)treter haben offenbar vergessen, dass sie für uns arbeiten und nicht umgekehrt.
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  • Kommentar von Peter Oberholzer, Region Zürich
    Die Bevölkerung ist unzufrieden. Die aktuelle Einwanderungspolitik scheint gefährlich zu sein und viele der beschriebenen Probleme zu verursachen. Die Politik sollte diese Einwanderungspolitik beenden. Es ist das grösste Wirtschaftsverbrechen der schweizerischen Geschichte mit den vielen Unwahrheiten und ferngesteuerten Medienberichten.
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