Altersvorsorge 2020 «Fortschritte für die Frauen»

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Parlament entscheidet heute in der Schlussabstimmung zur Altersvorsorgereform 2020 auch über das Frauenrentenalter 65.
  • Vor allem für Frauenrechtlerinnen und linke Politikerinnen war eine Erhöhung des Frauenrentenalters lange ein Tabu.
  • Doch bei der Altersvorsorgereform 2020 lenken viele Frauen nun ein: Eine gesicherte Altersvorsoge sei wichtiger als eine Erhöhung des Rentenalters.
  • Das finden auch Alt-Nationalrätin Christine Goll und die Ex-Parlamentarierin Christine Egerszegi.

Zwei Frauen – zwei positive Stimmen zur AHV-Reform und zur Erhöhung des Rentenalters für Frauen: Chrstine Goll und Christine Egerszegi nehmen Stellung.

Christine Goll sass 20 Jahre lang im Nationalrat. Als Sozialdemokratin kämpfte sie gegen die Erhöhung des Frauenrentenalters. Und doch sagt die Zürcherin nun Ja zum Frauenrentenalter 65: «Ich schaue das ganze Paket an. Und wenn ich das ganze Paket beurteile, dann sehe ich, dass es Fortschritte bringt für die Frauen.» Damit spricht sie vor allem die zusätzlichen 70 Franken im Monat bei den künftigen AHV-Renten an. Dass das Parlament trotz der bürgerlichen Mehrheit einen Ausbau der Renten beschliesse, das sei ein Erfolg.

Für die Reform ausgesprochen haben sich auch andere Vorkämpferinnen für die Rechte der Frauen wie Christiane Brunner und Ruth Dreifuss. Daneben gibt es aber auch Widerstand von linken Frauen in der Westschweiz oder von Juso-Präsidentin Tamara Funiciello.

«Die AHV gesichert. Das ist der Gewinn»

Christine Egerszegi, ehemalige FDP-Ständerätin für den Kanton Aargau, hält das Frauenrentenalter 65 zwar für einen Rückschritt, der aber von anderen Massnahmen aufgewogen werde: «Ja, Frauen müssen länger arbeiten, aber dafür ist die AHV gesichert. Das ist ihr Gewinn.»

«Der einzige Kompromiss, der eine Mehrheit erreichen kann»

Egerszegi war eine der Architektinnen des Renten-Kompromisses. Sie sei sehr froh, dass es zu dieser Einigung gekommen sei. Denn bei diesem Kompromiss handle es sich um den einzigen Kompromiss, der auch in der Bevölkerung bei der Volksabstimmung eine Mehrheit erreichen könne, sagt Egerszegi.

Tatsächlich ist die Reform noch nicht unter Dach und Fach. Heute muss sie erst die Schlussabstimmung im Parlament überstehen. Dass die AHV-Reform in der Schlussabstimmung durchkommt, ist nicht garantiert: Die Mehrheitsverhältnisse sind knapp. Bereits einzelne Absenzen oder Meinungsumschwünge könnten die Reform stoppen.

Kommt das Geschäft endgültig durchs Parlament, entscheidet am 24. September das Stimmvolk über die Vorlage.

Christine Goll

Christine Goll

Keystone

Christine Goll war von 1987 bis 1991 im Zürcher Kantonsrat. Von 1991 bis 2011 war sie Nationalrätin, zuerst für die FraP! Frauen machen Politik und danach für die SP. Von 2003 bis 2010 war sie Präsidentin der Gewerkschaft VPOD und von 2000 bis 2003 Vizepräsidentin der SP Schweiz.

Christine Egerszegi

Christine Egerszegi

Keystone

Egerszegi gehörte von 1989 bis 1995 der FDP-Fraktion des Grossen Rats des Kantons Aargau an. 1995 wurde sie in den Nationalrat gewählt und 2007 in den Ständerat. 2015 trat sie aus dem Ständerat zurück.