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Session Geschlecht als Abtreibungsgrund

Ist es ein Junge oder ein Mädchen? Werdende Eltern können dies mittlerweile sehr früh erfahren. In verschiedenen Ländern werden deswegen Kinder abgetrieben. Illegal, aber auch legal.

Sind Embryos wegen ihres Geschlechts gefährdet? Pränatale Bluttests zeigen bereits in der 9. Schwangerschaftswoche, ob Paare ein Mädchen oder einen Buben bekommen. In der Schweiz sind Abtreibungen bis zur 12. Woche möglich, ohne Angabe von Gründen. Der Geschlechterselektion soll ein Riegel geschoben werden. Der Ständerat hat heute eine entsprechende Motion angenommen. Im Ausland wird das Thema unterschiedlich wahrgenommen und geregelt.

Asiatische Länder besonders betroffen

Die vorgeburtlichen Geschlechtstests sind vor allem in Asien stark verbreitet. Mit der ernüchternden Folge, dass China, Indien und weitere asiatische Länder einen deutlichen Männerüberschuss aufweisen. Frauen werden knapp.

China verbietet zwar ausdrücklich die vorgeburtliche Geschlechtserkennung. Gerade nach der Einführung der Ein-Kind-Politik 1979 wünschten sich viele Paare aber sehnlichst einen Sohn als Nachkommen. Als Grund für eine Untersuchung nennen werdende Eltern dann die Angst vor Missbildungen oder dem Downsyndrom.

Wie SRF-Radiokorrespondent Urs Morf bereits in den 1990er-Jahren beobachtet hatte, wurde bei Untersuchungen mit dem Arzt ein Zeichen vereinbart: Ein Lächeln des Arztes bedeutete «Bube». Gleichbleibender Gesichtsausdruck oder finstere Miene bedeutete «Mädchen». Abtreibungen sind in China weiterhin kein grosses Problem.

Etwa 20 Millionen junge Chinesen haben kaum eine Chance, je eine Frau zu finden. Frauenhandel, Entführungen und Prostitution nehmen zu.

China hat die Ein-Kind-Politik seit diesem Jahr wieder gelockert. Doch manche Provinzen hinken der neuen Praxis hintendrein. Und es werden weiterhin mehr weibliche Föten abgetrieben, als männliche.

«Zahle 5000 Rupien jetzt, spare 500‘000 später»

Auch in Indien gelten Buben vielerorts mehr als Mädchen. Mädchen ziehen nach ihrer Heirat von den Eltern weg und müssen eine Mitgift in die Ehe mitbringen. Auch Indien verbietet die Geschlechtserkennung per Ultraschall. Doch ein Schmiergeld hilft weiter.

Farbig gekleidete indische Männer und Frauen.
Legende: Frau gefunden: Arrangierte Massenhochzeit in Indien. Keystone

Ärzte reisen mit handlichen Ultraschallgeräten in die Slums, mit dem Werbespruch: «Zahle 5000 Rupien jetzt und spare später 500‘000.» Ein Millionengeschäft.

Sabu George, ein indischer Aktivist, der sich gegen die Abtreibung von Mädchen einsetzt, bezeichnete die Ultraschallgeräte gegenüber SRF-Radiokorrespondentin Karin Wenger als «Massenvernichtungsmaschinen».

Millionengeschäft «Sex Selection»

Geschlechterbestimmung ist nicht nur in fernen asiatischen Ländern ein Thema. Die frühere SP-Nationalrätin Doris Stump stellt in einem Bericht für den Europarat fest, dass auch Albanien, Armenien, Aserbaidschan und Georgien einen auffallend hohen Bubenanteil aufweisen.

Umgekehrt fallen Länder wie die USA und Israel statistisch nicht aus der Reihe. Verschiedene US-Bundesstaaten erlauben aber die Familienplanung per Geschlechtsbestimmung. Hier habe sich gezeigt, dass eher Mädchen bevorzugt werden, so Doris Stump. Ein mögliches Motiv sei der Wunsch nach einem ausgewogenen Verhältnis von Knaben und Mädchen in einer Familie.

Israel knüpft diese Art der Familienplanung an Bestimmungen: Eine Familie, die beispielsweise ein Mädchen haben möchte, muss bereits mehrere Söhne haben, um die Verhinderung eines weiteren Sohnes veranlassen zu können.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von John Baettig, Dehli /Indien
    Einmal mehr zeigt sich das der Mensch der Natur ins Handwerk pfuscht . Und so sich selbst vernichtet . Leider tut er dies viel zu langsam und reisst alles andere mit sich in den Abgrund , auf dieser schoenen Welt !!!!
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    1. Antwort von andreas furrer, prilly
      @ john baettig: da genügt ein blick auf die geologische zeitskala um sie zu beruhigen. von den viereinhalbmilliarden jahren der erdgeschichte fallen etwa 130 000 auf den homo sapiens. die ersten säuger datieren von vor 200 millionen jahren früher, und seit etwa einer milliarden jahre spricht man von sexualität. seither sind viele gekommen und verschwunden. tourner la page nennt man das, mehr nicht.
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  • Kommentar von Marianne Roe, Gwatt
    Wir müssen anfangen, keine Menschen aus andern Religionen oder Kulturen zu uns zu lassen, wenn sie nicht in unsere Religion eintreten. Wer das nicht tut, ist ganz bestimmt nicht an Leib und Leben bedroht. Wenn man sich nämlich selber vorstellt, dass man wirklich so bedroht ist, dann muss man schon froh sein, wenn man in Sicherheit kommen kann. Wer eine Abtreibung bei uns aus diesem Grund machen will oder macht, sollte sofort ausgeliefet werden, denn das sind ja kriminelle Ausländer!!!
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Thema verfehlt, Frau Roe. Hier geht es nicht um Ausländer- und Flüchtlingspolitik.
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    2. Antwort von Marianne Roe, Gwatt
      Nein aber vor allem um die andern Religionen und Kulturen, die solche Abtreibungen aus Überzeugung machen und dies jeden Tag hunderttausend Mal. Leider hören Sie mit ihren Überzeugungen nicht auf, wenn sie Grenzen überschreiten. Wenn es nur um uns gehen würde, wäre das Thema zu winzig. Nun wird alles so dargestellt als ob es um uns gehen würde, weil man sich nicht traut von andern Religionen oder andern Kulturen zu sprechen. Sons wird man ja als Rassist verurteilt !! das ist Feigheit pur !
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    3. Antwort von B. Küng, Biel
      Roe, verstehe ich Sie richtig, Sie wollen allen Ernstes den Religionszwang?? Sonst geht es Ihnen aber gut, nicht wahr? Ich bin Schweizer, nach SVP-Definition sogar Urschweizer, aber bin überzeugter Atheist, also in keiner Religion. Wollen Sie also dass Leute wie ich ausgeschafft werden?
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    4. Antwort von Raphael Beck, Wiedikon
      Sie haben definitiv das Thema verfehlt, Frau Roe. Sie haben sehr extreme Ansichten, wenn Sie der Meinung sind, man solle keine Menschen aus anderen Religionen und Kulturen in die Schweiz lassen. Besser gesagt das ist schon fast auf dem Gipfel der Extremität. Was soll man Ihrer Meinung nach denn tun, wenn jemand seine Kulturzugehörigkeit nicht ändern will, aber in die CH möchte? Welche Religionen und Kulturen machen denn solche Abtreibungen aus Überzeugung und dies jeden Tag hunterttausend Mal?
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  • Kommentar von M. Tisserand, Schweiz
    Frauen und Männer sind genau gleichviel Wert. Punkt. Ich schäme mich, dass meine Partnerin zB. weniger Lohn erhält als ihre Arbeitskollegen mit gleicher Ausbildung! Aber: Nein zu Quotenfrauen!
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