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Session Horizon 2020: Druck auf Schneider-Ammann steigt

Bundesrat Johann Schneider-Ammann ist nicht zu beneiden. Die Schweiz ist wegen dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative beim Forschungsprojekt «Horizon 2020» definitiv ausgeschlossen. Jetzt fordert der Nationalrat die Regierung zum Handeln auf.

Porträt von Schneider-Ammann
Legende: Schneider-Ammann: «Letztendlich geht es ums Prestige.» Keystone

Die Schweiz muss Forschungsprojekte im Verbund mit der EU im Jahr 2014 selbst bezahlen. Das sagte Bundesrat Schneider-Ammann gestern erstmals gegenüber Schweizer Radio SRF1.

Legende: Video «Schneider-Ammann: «Wir brauchen für unsere Forscher Klarheit»» abspielen. Laufzeit 0:30 Minuten.
Vom 12.06.2014.

Die EU habe sich bis zum heutigen Tag nicht bereit gezeigt, mit der Schweiz über eine weitere Zusammenarbeit im Forschungsbereich zu sprechen, sagte der Bundesrat. Schneider-Ammann: «Es gibt im Moment einen Unterbruch. Die Gespräche sind ausgesetzt.»

«Letztendlich gehts ums Prestige»

Eine Motion im Nationalrat fordert nun rasche Klarheit für die Forschenden bei «Horizon 2020» und «Erasmus+». Das Begehren wurde mit 117 zu 64 Stimmen bei zwei Enthaltungen klar gutgeheissen. Beim Bundesrat rennt der Nationalrat damit offene Türen ein.

Schneider-Ammann zeigt sich kämpferisch «Es ist unsere Zielsetzung, bei Horizon 2020 so rasch wie möglich wieder assoziiert zu werden. Es geht nicht nur um Mittel, sondern vor allem auch um Netzwerke. Letztendlich geht es auch um Prestige, ob man in der Topforschung vollwertig integriert ist oder nicht.»

Er werde dem Bundesrat deshalb schon in den kommenden Tagen einen Antrag für eine Übergangslösung im Bereich Forschung stellen müssen. Das Geld wird aus der Bundeskasse kommen. Auch für Schneider-Ammann ist klar: «Wir brauchen für unsere Forscher Klarheit.»

Klarheit schaffen muss der Bundesrat auch in der Frage, ob er für die Forschung zusätzliche Mittel bereitstellen soll. Bisher hat die
Schweiz von der Zusammenarbeit mit der EU profitiert: In den letzten Jahren bezogen Schweizer Forschende rund 500 Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat – doppelt so viel, wie die Schweiz eingezahlt hatte.

EU: Vorschlag noch in Prüfung

Von Seiten der EU-Kommission hiess es am Mittwoch, der Schweizer Vorschlag zu «Horizon 2020» sei noch in Prüfung. Ein Datum für ein Treffen sei noch nicht festgelegt worden.

Als Folge der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative der SVP am 9. Februar hat die Schweiz bei «Horizon 2020» den Status eines Drittstaates – wie die USA, Kanada oder Japan. Drittstaaten können zwar an Projekten teilnehmen, diese werden jedoch nicht von Brüssel finanziert. Die Finanzierung erfolgt über nationale Mittel.

(brut)

26 Kommentare

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  • Kommentar von Reinald Kallenbach, 3123 Belp
    „Der Schweizer Beitrag an das Gesamtbudget der 7. FRP berechnet sich aufgrund des Bruttoinlandprodukts (BIP) und beläuft sich auf rund 2,4 Mia CHF, verteilt auf sieben Jahre.“ „Aufgrund der bis zum heutigen Zeitpunkt vorliegenden Daten hat der Bund bis Juni 2012 einen Beitrag von gesamthaft CHF 1 570 Mio für die Beteiligung der Schweiz am 7. FRP an die Europäische Union überwiesen, während europäische Fördermittel im Umfang von CHF 1 559 Mio an Schweizer Forschende verpflichtet wurden.“
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  • Kommentar von Roger Stahn, Fraubrunnen
    Wenn man bedenkt, dass die wichtigsten Entdeckungen und Erfindungen in der Geschichte der Menschheit von Praktikern, Autodidakten, Querdenkern, Vorreiter, Wegbereiter, Nonkonformisten, Revoluzzer usf. erbracht und letzten Endes sie alle zu Wohltätern wurden, da sie die Volkswirtschaften seit tausenden von Jahren bereits besonders voran gebracht haben und hätten wir auf Leute mit akademische Karriere gehört wie: "Der Mensch wird niemals fliegen können.", dann hausten wir immer noch in Höhlen. ;-)
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  • Kommentar von W. Helfer, Zürich
    Wäre der Forschungsplatz Schweiz nicht so interessant für die EU, würden sie, resp. UNSERE EU-Turbos wohl kaum so ein grosses Thema daraus machen. Übrigens sollte man auch mal wieder erwähnen, dass die EU NICHT Europa ist. Auch wenn sie sich gerne so aufspielen. Von 46 Staaten sind 28 in diesem zusammen gewürfelten Verein und um einen Beitritt betteln ja nur noch bankrotte Staaten. Die ewigen Zahler (Volk) aus den EU-Staaten würden ja noch so gerne wieder austreten, wenn sie könnten.
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