Keine zusätzlichen Bundesgelder für Ballenberg

Ständerat Werner Luginbühl wollte die Erhöhung der finanziellen Beiträge an das Freilichtmuseum Ballenberg erreichen. Die Unterstützung der kleinen Kammer hatte er zwar. Doch im Nationalrat ging das Anliegen sang- und klanglos unter.

Das Schweizerische Freilichtmuseum Ballenberg im Berner Oberland erhält vorläufig nicht mehr Geld vom Bund. Der Nationalrat lehnte eine entsprechende Motion aus der Feder des Berner BDP-Ständerats Werner Luginbühl ab.

Der Ständerat hatte den Vorschlag in der Sommersession zwar gutgeheissen. Der Nationalrat folgte nun aber stillschweigend seiner Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK). Sie hatte mit 13 zu 3 Stimmen bei 2 Enthaltungen die Ablehnung der Motion Luginbühl beantragt.

Werner Luginbühl stützt im Ständerat seinen Kopf auf seine Hand (Sommersession 2014).

Bildlegende: Berner BDP-Ständerat Werner Luginbühl: Seine Motion war im Nationalrat chancenlos. Keystone

Man wolle zuerst die Beratung der Kulturbotschaft 2016-2019 abwarten, bevor man eine allfällige Erhöhung der finanziellen Unterstützung für das Freilichtmuseum beschliesse, hiess es in der Begründung der Kommission.

Die WBK hatte vor ihrem Entscheid mit dem Stiftungsratspräsidenten des Museums, alt Nationalrat Yves Christen (FDP/VD), ein Gespräch geführt. Dieser hatte Mitte August in einem Interview mit der «Berner Zeitung» den Geldbedarf des Freilichtmuseums relativiert. Der genannte Finanzbedarf von 90 Millionen Franken – auf zehn Jahre verteilt – seien ein Wunsch. Es werde wesentlich weniger Geld nötig sein.

Bund zahlt halbe Million pro Jahr

Bisher hat sich das Freilichtmuseum zu über 90 Prozent aus Eigenmitteln finanziert. Für 2014 und 2015 erhält es erstmals einen Betriebsbeitrag von 500'000 Franken pro Jahr. In diesem Umfang wollte der Bundesrat die Unterstützung weiterführen.

Auch einzelne Projekte wurden vom Bund unterstützt – von 2012 bis 2015 mit Beiträgen in der Höhe von insgesamt 375'000 Franken. Zudem hat der Ballenberg seit 2012 fast 200'000 Franken für die Übernahme von Denkmälern erhalten.

Das reichte Ständerat Luginbühl nicht. Mit seiner Motion wollte er den Bundesrat beauftragen, in der Kulturbotschaft 2016-2019 einen «substanziell höheren Beitrag» an die Betriebskosten und den Investitionsbedarf des Freilichtmuseums einzustellen.

Geschäft ist vorläufig vom Tisch

Das Museum sei ohne substanzielle Beteiligung der öffentlichen Hand längerfristig gefährdet, schrieb er. Als einzigartiges Zentrum für die Vermittlung der ländlichen Kultur sei es aus der Schweizer Museumslandschaft nicht mehr wegzudenken.

Nach dem Nein des Nationalrats ist das Geschäft vom Tisch.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Der Nationalrat will erst nächstes Jahr  auf zusätzliche Unterstützungsgelder für den Ballenberg zurückkommen.

    Freilichtmuseum Ballenberg - Sanierung aufgeschoben

    Aus Echo der Zeit vom 10.9.2014

    Das Freilichtmuseum Ballenberg muss viele der mehr als 100 originalen, jahrhundertealten Gebäude aus allen Landesteilen der Schweiz sanieren und braucht dazu dringend Geld vom Bund. Derzeit herrscht aber Verwirrung darüber, wieviel die Sanierung kosten würde.

    Der Nationalrat hat den Entscheid deshalb aufgeschoben.

    Thomas Zuberbühler

  • Auf dem Ballenberg wollte Katrin Rieder, den BesucherInnen noch mehr Hintergrundwissen vermitteln: Nicht nur nostalgische Romantik, sondern auch die Schattenseiten vermitteln.

    Ballenberg-Museumsleiterin nimmt den Hut

    Aus Rendez-vous vom 29.7.2014

    Vor zweieinhalb Jahren hat die Historikerin Katrin Rieder den Chefposten auf dem Ballenberg übernommen - und frischen Wind gebracht: Offener und mutiger sollte das Freilichtmuseum werden. Doch nun endet die Ära Rieder abrupt: Die Chefin verlässt den Ballenberg per sofort.

    Dominik Meier

  • Bund soll Ballenberg unterstützen

    Aus 10vor10 vom 13.6.2014

    Die finanziellen Aussichten des Freilichtmuseums Ballenberg im Berner Oberland sind düster. Die Verantwortlichen haben ausgerechnet, dass sie in den nächsten Jahren über 90 Millionen Franken investieren müssen, wenn sie die Gebäude nicht verlottern lassen wollen. Der Ständerat hat heute deshalb entschieden, dass der Bund mehr als bisher für den Ballenberg zahlen soll.

  • Das Freilichtmuseum Ballenberg zeigt fast 100 orginalgetreue wiederaufgebaute Gebäude. Im Bild: Bauernhauses aus Ostermundigen von 1797.

    Ballenberg: Ein Museum sucht Geld

    Aus Rendez-vous vom 21.3.2014

    Bund und Kantone sollen in den kommenden zehn Jahren über 90 Millionen Franken an das Freilichtmuseum Ballenberg beisteuern. Es gehe um Sein oder Nichtsein, sagen die Verantwortlichen des Ballenbergs. Im Ständerat wurde ein Vorstoss eingereicht mit dem Ziel, das Freilichtmuseum zu retten.

    Max Akermann