Massnahmen gegen Fachkräftemangel greifen noch nicht

Die Fachkräfte-Initiative geht dem Ständerat zu wenig weit. Mit zwei gleichlautenden Motionen gibt er dem Bundesrat deshalb einen Auftrag: Er soll dem Parlament konkrete, gesetzliche Vorschläge zur Förderung inländischer Arbeitskräfte unterbreiten.

Video «Johann Schneider-Ammann verteidigt sein Vorgehen» abspielen

Johann Schneider-Ammann: «Es sind kleine Mosaïksteine»

1:17 min, vom 3.3.2015

Der Bundesrat soll die inländischen Arbeitskräfte mit Gesetzesänderungen fördern. Dies verlangt nach dem Nationalrat auch der Ständerat. Er hat zwei entsprechende Vorstösse ohne Gegenstimme angenommen. Eingereicht hatten die gleichlautenden Motionen die CVP- und die BDP-Fraktion. Beide begründeten dies mit dem Ja zur Zuwanderungsinitiative im Februar vergangenen Jahres. Seither ist in der Verfassung ein Inländervorrang verankert.

Noch intensivere Anstrengungen

Die Wirtschaft habe bisher keine Beweise erbracht, dass sie auf freiwilliger Basis bereit sei, nachhaltig inländische Arbeitskräfte zu fördern. Es brauche darum eine fundamentale Umgestaltung des Arbeitsmarktes: Die Bildungspolitik müsse auf die Nachfrage nach Arbeitskräften ausgerichtet werden. Zudem müsse das Potenzial an Frauen und älteren Menschen deutlich besser ausgeschöpft werden, hiess es.

Der Bundesrat setzt auf seine bereits 2011 lancierte Fachkräfte-Initiative. Mit ihr sollen ebenfalls besonders die Frauen und ältere Arbeitnehmer gefördert werden. Nach der Annahme der Zuwanderungsinitiative beschloss der Bundesrat, diese Anstrengungen noch zu intensivieren. Aus der Sicht von CVP und BDP packt die Initiative des Bundesrats die Herausforderungen aber «zu wenig konsequent an».

Video «Anita Fetz (SP/BS) kritisiert den Bundesrat» abspielen

Anita Fetz (SP/BS) kritisiert den Wirtschaftsminister

1:25 min, vom 3.3.2015

Mehr «Leadership» gefordert

«Mir fehlt der Fokus und die Verbindlichkeit», sagte Ständerat Stefan Engler (CVP/GR). «Unter Fachkräfteinitiative verstehe ich etwas Dynamischeres», doppelte Anita Fetz (SP/BS) nach – und bemängelte offen Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammanns Führungsqualitäten.

Christian Levrat (SP/FR) sieht insbesondere bei der Einbindung älterer Personen in den Arbeitsmarkt zusätzlichen Handlungsbedarf. Für diese werde es immer schwieriger, sich zu behaupten.

Hannes Germann (SVP/SH) stellte den Numerus clausus, also die Zulassungsbeschränkung für die medizinischen Studiengänge, in Frage: «Damit berauben wir die Jugend ihrer Berufschancen.» Es könne nicht sein, dass die Hälfte der Ärzte im Ausland rekrutiert werden müsse, sagte er.

Video «Hannes Germann (SVP/SH) gegen Numerus clausus» abspielen

Hannes Germann (SVP/SH) ist gegen den Numerus clausus

1:33 min, vom 3.3.2015

Hohe Kosten für Studienplätze

Schneider-Ammann erwiderte, die Universitäten hätten zuletzt zusätzliche Studienplätze für Mediziner geschaffen. Ausserdem wies er darauf hin, dass die Kantone 80 Prozent der Kosten für diese Ausbildungsplätze tragen müssten. Und einige von ihnen befänden sich derzeit in einer schwierigen finanziellen Situation.

Der Bundesrat würde zwar gerne an seiner «bewährten» Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik festhalten. Er zeigte sich aber trotzdem bereit, die Motionen anzunehmen. «Wir hören Sie und tun das Möglichste», sagte Schneider-Ammann. Auch die zuständige Kommission hatte beide Motionen einstimmig gutgeheissen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • «Ich erwarte mehr Leadership»

    Aus Tagesschau vom 3.3.2015

    Wirtschaftsminister Schneider-Ammann hat sich heute im Ständerat einiges anhören müssen. Im Parlament herrscht die Meinung vor, nach dem Ja zur Zuwanderungs-Initiative tue er zu wenig um Schweizer Fachkräfte zu fördern.

  • FOKUS: Lehrstellen-Quote in Schweizer Unternehmen

    Aus 10vor10 vom 2.3.2015

    Die Wirtschaftsredaktion des Schweizer Fernsehens hat die 20 wichtigsten börsenkotierten Firmen unter die Lupe genommen. Dabei zeigte sich: Die Grosskonzerne bilden nur wenige Lernenden aus. Dazu nimmt Roland A. Müller, Direktor vom Schweizerischen Arbeitgeberverband, im Studiogespräch Stellung.

  • Schneider-Ammann nimmt den Puls

    Aus Tagesschau vom 2.3.2015

    Schweizer Spitäler kämpfen um Personal. Der Fachkräftemangel ist besonders im Gesundheitsweisen besonders beunruhigend. Gesundheitsminister Johann Schneider-Ammann hat ein Pflegezentrum besucht und sich aufklären lassen.

  • Am meisten Ausländer hat Actelion

    Aus Tagesschau vom 2.3.2015

    Eine Recherche von Schweizer Radio und Fernsehen zeigt auf, wie stark die grossen Firmen der Schweiz auf ausländische Fachkräfte setzen. Vor allem die Pharmariesen Actelion, Novartis und Roche werden allfällige Ausländer-Beschränkungen spüren.

  • Fachkräftemangel in vielen Branchen

    Aus Tagesschau vom 2.3.2015

    Nicht nur im Gesundheitswesen herrscht Fachkräftemangel. In vielen anderen Branchen klagen die Firmen über zu wenig ausgebildete Fachkräfte. Viele Konzerne machen allerdings selber nur wenig, um den Mangel zu beheben.