Ausbau des Stromnetzes Milliardenkosten – doch wer soll bezahlen?

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Nationalrat berät heute über den notwendigen Ausbau des Stromnetzes.
  • Die Kosten für das Stromnetz bezahlen die Verbraucher nach dem Prinzip: Je grösser der Verbrauch, desto höher die Netzabgabe.
  • Die Energieversorger möchten dies ändern: Jeder Stromkunde solle künftig einen fixen Betrag fürs Netz bezahlen, unabhängig vom Verbrauch. Doch der Vorschlag stösst auf Widerstand.

Die Anforderungen ans Schweizer Stromnetz steigen stetig. Der Handel mit Strom – auch über die Landesgrenzen – nimmt zu. Stetig kommen neue Kraftwerke ans Netz und über 60'000 Private produzieren heute mit Photovoltaikanlagen selbst Strom und speisen einen Teil davon ins Netz ein.

Stromnetz muss für Milliarden ausgebaut werden

Die höheren Anforderungen an das Stromnetz bedeuten, dass dieses massiv aufgerüstet werden muss. Der Bundesrat rechnet mit Kosten von 18 Milliarden Franken bis zum Jahr 2050.

Bezahlen sollen das die Stromverbraucher. Bislang beteiligen sie sich entsprechend ihrem Stromverbrauch an den Netzkosten. Das heisst zum Beispiel: Besitzer von Photovoltaik-Anlagen, die ihren Strom so weit wie möglich selbst produzieren, zahlen wenig.

Doch das stört die Energieversorger. Einige von ihnen verlangen, dass alle Konsumenten künftig nicht für den Verbrauch, sondern für die Leistung bezahlen, die für sie bereit gestellt werden muss, zum Beispiel für den Fall, dass die Sonne mal nicht scheint.

Fixer Betrag fürs Stromnetz pro Stromanschluss

Ähnlich wie fürs Internet würden die Kunden so auch fürs Stromnetz einen Fixbetrag bezahlen, unabhängig vom Verbrauch. Für Private mit einer eigenen Fotovoltaik-Anlage würden die Netzkosten dadurch gegenüber heute steigen.

Entsprechend wehren sie sich gegen eine Änderung: Private Photovoltaik-Anlagen würden das Netz nicht nur be- sondern auch entlasten, argumentieren sie. Zudem machen sie geltend, dass mit einem Fixbetrag ein wichtiger Anreiz zum Stromsparen wegfallen würde.

Die Diskussion ist also lanciert. Doch der Streit um neue Netztarife wird erst dann richtig losgehen, wenn das Parlament festgelegt hat, wie viel der Ausbau des Stromnetzes kosten darf.

Dreiwöchige Sommersession bis am 16. Juni

Heute Montag beginnt die Sommersession. Neben dem Stromnetz beschäftigen den National- und Ständerat in den nächsten drei Wochen etwa die Themen Ergänzungsleistungen, Bankgeheimnis und Armeebudget. Immer noch offen ist zudem die Frage, ob Lottogewinne von den Steuern befreit werden sollen. Ein weiteres Thema ist, wie stark der Vorbezug von Pensionskassengeldern eingeschränkt werden soll – damit später weniger Ergänzungsleistungen fällig werden. Unter anderem ebenfalls diskutiert wird das Klimaabkommen von Paris. Es geht dabei darum, ob die Schweiz ihren CO2-Ausstoss bis 2050 um 50 oder bloss um 30 Prozent verringern soll.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Stromverzicht als Verdienstoption

    Aus Trend vom 27.5.2017

    Die Strommarkt in der Schweiz ist im Umbruch. Immer häufiger liefern alternative Werke Strom, wie etwa Wind- oder Solaranlagen. Strom. Bloss: sie liefern unregelmässig und es wird zunehmend anspruchsvoller, das Stromnetz stabil zu halten.

    Eine Lösung ist bei Engpässen wäre, Kunden dazu bewegen, vorübergehend keinen Strom zu beziehen.

    Peter Buchmann