Neulenkerkurse sollen wieder abgeschafft werden

Geht es nach dem Nationalrat, sollen acht Jahre nach der Einführung die Wiederholungskurse für Neulenker wieder gestrichen werden. Die Wirksamkeit der Kurse sei nicht nachgewiesen worden, so die mehrheitliche Meinung.

Erst im Dezember 2005 wurde die Zweiphasenausbildung eingeführt. Und bereits sprach sich der Nationalrat gegen die obligatorischen Weiterbildungskurse aus – mit 109 zu 75 Stimmen bei acht Enthaltungen.

Für die Motion der FDP-Fraktion hatte der Berner Christian Wasserfallen geworben. Der Führerschein auf Probe habe sich bewährt, stellte er fest. Dagegen habe die Wirkung der obligatorischen Weiterbildungskurse nicht nachgewiesen werden können. Auch die Kosten der Kurse wurden kritisiert.

Es sei nicht notwendig, alle Autolenker nach bestandener Prüfung nochmals zur Kasse zu bitten, so Wasserfallen. Die Kurse sollten nur für diejenigen Neulenker obligatorisch sein, die in der Probezeit eine schwere Verkehrsregelverletzung begangen hätten.

Unfälle präventiv vermeiden

Verkehrsministerin Doris Leuthard pflichtete Wasserfallen teilweise bei. Das System müsse verbessert werden, sagte sie. Es sei aber der falsche Weg, nur diejenigen in den Weiterbildungskurs zu schicken, die eine Widerhandlung begangen hätten.

Das Ziel sei es, Unfälle und Widerhandlungen präventiv zu vermeiden und nicht erst zu reagieren, wenn diese bereits passiert seien. Deshalb habe das Parlament den Führerausweis auf Probe und die Zweiphasenausbildung eingeführt. Der Nationalrat hiess den Vorstoss dennoch gut. Stimmt auch der Ständerat zu, muss der Bundesrat dem Parlament eine Gesetzesänderung vorlegen.

Führerausweis auf Probe schreckt ab

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) hatte das neue Regime für Neulenker letztes Jahr untersucht. Sie kam zum Schluss, dass es teilweise Wirkung zeigt: Die Zahl der Verkehrsunfälle mit schwer oder tödlich verletzten Menschen, die durch junge Neulenker verursacht wurden, ging stärker zurück als die Zahl der Unfälle in allen Alterskategorien.

In Befragungen zeigte sich laut der bfu, dass sich Neulenker von der drohenden Annullierung des Ausweises auf Probe positiv beeinflussen lassen. Weniger Wirkung scheinen die Weiterbildungskurse zu haben: Die Sicherheitseffekte dieser Kurse hätten «nicht im erwartbaren Ausmass nachgewiesen» werden können, schrieb das Bundesamt für Strassen (Astra) zur Untersuchung.

Die bfu empfahl Verbesserungen des bisherigen Systems: So sollten Neulenker den ersten Teil der obligatorischen Weiterbildungskurse bereits in den ersten Monaten nach der Fahrprüfung absolvieren müssen. Angesichts der Tatsache, dass das Unfallrisiko in den ersten Monaten des Führerausweisbesitzes am höchsten sei, würden die Kurse heute zu spät besucht. Das Astra kündigte an, die Vorschläge zu prüfen.

Zweiphasen-Ausbildung

Seit dem 1. Dezember 2005 ist für angehende Fahrzeuglenker die Zweiphasenausbildung vorgeschrieben. Den Fahrausweis gibt es zunächst nur auf Probe. In den ersten drei Jahren bis zum definitiven Ausweis muss jeder Neulenker zwei eintägige Weiterbildungskurse machen.