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Session Obligatorische Hundekurse werden abgeschafft

Jeder Halter eines Vierbeiners muss seit 2008 einen Hundekurs absolvieren. Doch viele schwänzen den Kurs. Eine Ständerats-Motion will deshalb das Obligatorium wieder abschaffen. Der Nationalrat ist jetzt dieser Idee gefolgt.

Legende: Video Marcel Dettling zu den Hundekursen abspielen. Laufzeit 0:54 Minuten.
Vom 19.09.2016.

Hundehalter sollen keine Kurse mehr besuchen müssen. Das hat das Parlament beschlossen. Der Nationalrat überwies – gegen den Willen der Mehrheit der vorberatenden Kommission und des Bundesrates – eine Motion aus dem Ständerat mit 93 gegen 87 Stimmen.

Das Ziel des so genannten obligatorischen Sachkundenachweises für Hundehalter, der 2008 eingeführt wurde, ist es, Herrchen und Frauchen den richtigen Umgang mit ihren Hunden beizubringen. Dieser Pflicht kommen aber längst nicht alle nach – eine Evaluation des Bundes kam zum Schluss, dass rund 20 Prozent aller Hundehalter den Kurs schwänzen. Auch konnte die Evaluation keine Erkenntnisse liefern, ob durch den Kurs die Hundeattacken zurückgegangen sind.

Der Ständerat will deshalb das Obligatorium wieder abschaffen. Die Motion kam von Ständerat Ruedi Noser (FDP/ZH). Eine Überraschung. 2005 wurde im Kanton Zürich ein kleiner Junge von einem Pitbull zu Tode gebissen. Damals unterzeichnete Noser eine Unterschriftensammlung, welche ein Verbot von Kampfhunden bewirken wollte. Daraus resultierte letztlich der Hundekurszwang. Jetzt will er diesen Umstand korrigieren, sagte Noser bei seiner Rede im Ständerat. Die kleine Kammer stimmte ihm mit 22 zu 18 Stimmen zu.

Nicht mehr pro Hund ein Kurs

Die zuständige Nationalrats-Kommission wollte nicht gleich den ganzen Kurs wieder abschaffen. Sie stimmte mit 12 zu 11 Stimmen bei einer Enthaltung einem Änderungsantrag zu, nach welchem Hundehalter den Kurs nur noch bei der Anschaffung des ersten Hundes besuchen müssen – und nicht mehr bei jedem neuen Hund.

Andrea Gmür-Schönenberger (CVP/LU) gab zu Bedenken, dass der Kurs in Bevölkerung verankert sei und man seine Zweckmässigkeit nicht infrage stelle. Zudem hätten auch Tierärzte eindeutig eine erhöhte Sensibilisierung der Halter für ihre Tiere festgestellt. Es gelte jedoch, die Mängel des Kurses zu beheben, so Gmür-Schönenberger. Es solle nicht mehr jeder Halter mit jedem Hund den Kurs besuchen müssen. Doch das Obligatorium sei eine sinnvolle Einstiegshürde, um unüberlegte und spontane Hundekäufe zu verhindern.

Jeder Fünfte schwänzt den Kurs

Eine Minderheit stellte Marcel Dettling (SVP/SZ). Der Kurs habe keine nachweislichen Vorteile gebracht. Es gebe keinen Unterschied im Verhalten von Hunden, welche den Kurs besucht hätten und jenen, die nie einen Kurs absolviert hätten.

Frau führt Hund über eine Rampe.
Legende: Die obligatorischen Hundekurse gehören wohl bald der Vergangenheit an. Keystone

Zudem sei es auch nicht zu weniger Zwischenfällen mit Toten oder Verletzten gekommen – im Gegenteil gebe es in den Kantonen Zürich, Bern und Fribourg mehr Bissmeldungen als vor dem Kurs-Obligatorium. Hinzu komme, dass 20 Prozent aller Hundehalter den Kurs gar nicht erst besuchen würden – vor allem diejenigen, die ihn wohl besonders nötig hätten. Letztlich setzte sich in der grossen Kammer die Minderheit Dettling durch.

Der Bundesrat hatte sich für die Weiterführung des Kurs-Obligatoriums ausgesprochen. Innenminister Alain Berset führte die Parlamentarier zurück ins Jahr 2008, wo sie sich mit grosser Leidenschaft für das Obligatorium eingesetzt hatten. Viele Hundehalter und Tierärzte hielten den Kurs für wichtig, sagte Berset. «Warum soll man jetzt die Regeln des Parlaments wieder abschaffen?» Doch genau dies soll jetzt der Bundesrat tun. Da sind sich die beiden Kammern einig.

23 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Thalmann (DOGOPOT)
    Leider haben es die Politiker nicht begriffen um was es eigentlich ging mit dem Sachkundenachweis. Aber es ist eine freisinnige Glanzleistung die Abschaffung. Gerade die Partei die sich für das Gewerbe einsetzen will. Viele SKN Instruktoren mussten das SVEB Zertifikat erlangen um die Kurse unterrichten zu dürfen und haben bis 6000.- Auslagen gehabt. Danke der Politik. Vielleicht befassen sich mal die Damen und Herren in Bern mit der Thematik vom Wolf zum Hund dann erkennen sie das es falsch war.
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  • Kommentar von Jeannette Schuler (Janny)
    Wir müssen nicht die Hunde erziehen - sondern die Halter. Es sind die Menschen, die ihre Hunde an Häuserwände, Gartenanlagen, Autos oder Kinderwagen pinkeln lassen. Es sind die Halter, die ihre Hunde frei laufen - ohne Rücksicht auf die Menschen (oder Hunde), die sich vor Hunden fürchten. Ach ja, er tut nix! Kein Kurs nützt etwas - wenn der Respekt vor dem Gegenüber fehlt.
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  • Kommentar von Ursula Pfitscher (Ursula Pfitscher)
    Hundekurse für Ersthund-Besitzer finde unbedingt notwendig. Für Personen, die schon mal Hunde hattenoder eine zweiten zutun, sollte ein Kurs freiwillig sein. Ist ein Hund auf eine Person in der Familie registriert und diese Person nicht mehr in der Lage den Vierbeiner zu betreuen, finde ich es befremdend, wenn dann ein Partner mit dem gleichen, sehr wohl bekannten Hund erneut zu einem Kurs gezwungen wird. Meiner Ansicht nach ist das nur noch Geldmacherei.
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