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Session Parlament will Regeln für Wolfabschuss lockern

Nach dem Ständerat hat auch der Nationalrat eine entsprechende Motion angenommen. Neu sollen Wölfe abgeschossen werden können, bevor sie Schaden anrichten. Dies vor allem darum, weil sich der Wolf in der Schweiz immer weiter ausbreitet.

Ein Wolf, mutmasslich "M35", beim Dorfeingang von Bellwald im Obergoms, Wallis.
Legende: Bislang darf ein Wolf nur dann geschossen werden, wenn er Schafe reisst, Wildschäden anrichtet oder Menschen gefährdet. Keystone

Das Parlament will den Wolfsschutz lockern. Neu sollen Wölfe abgeschossen werden können, bevor sie Schaden anrichten. Nach dem Ständerat hat auch der Nationalrat einer entsprechenden Motion zugestimmt. Der Entscheid fiel mit 151 zu 17 Stimmen bei 21 Enthaltungen.

Bisher darf ein Wolf nur dann geschossen werden, wenn er eine gewisse Anzahl Schafe reisst, grosse Schäden beim Wild anrichtet oder Menschen erheblich gefährdet. Für den Abschuss braucht es eine Bewilligung.

Nach Ansicht einer Mehrheit im Nationalrat ist dieses Konzept überholt. Dies vor allem darum, weil sich der Wolf in der Schweiz immer weiter ausbreitet: Nach seiner Ausrottung Ende des 19. Jahrhunderts kehrten vor zehn Jahren die ersten Wölfe aus Italien in die Schweiz zurück.

«Mittlerweile leben zwischen 25 und 30 Wölfe in der Schweiz. Am Calandamassiv in Graubünden hat sich bereits ein erstes Rudel gebildet, dort sind schon dreimal Wolfswelpen zur Welt gekommen», sagte Kommissionssprecherin Silva Semadeni (SP/GR). Dieser Entwicklung wolle die Motion Rechnung tragen.

Wenn ein Wolf auch dann abgeschossen werden kann, wenn er überhaupt keinen Schaden angerichtet hat, ist das nicht ein Blankocheck für den Abschuss?
Autor: Pierre Rusconi (SVP/TI)Nationalrat

Der Bundesrat wird mit der Motion aufgefordert, das Jagdgesetz so zu überarbeiten, dass Abschüsse künftig auch möglich sind, bevor ein Wolf Nutztiere gerissen hat. Dies etwa dann, wenn ein Wolf die Scheu vor Menschen verliert und sich Siedlungen nähert. Gemäss der Motion von Ständerat Stefan Engler (CVP/GR) soll der Bestand von Wolfspopulationen reguliert werden können. Der Abschuss von Einzeltieren zur Steuerung der Rudelgrösse und der Bestandesdichte soll künftig möglich sein.

Legende: Video Die Wolfsdebatte abspielen. Laufzeit 4:08 Minuten.
Aus 10vor10 vom 11.03.2015.

Stand bisher vor allem der Schutz des Wolfes im Vordergrund, sollen neu die Interessen der Bergbevölkerung – Alpwirtschaften, Jagd oder Tourismus – gleichwertig gewichtet werden. Damit der Wolf die Akzeptanz in der Bevölkerung nicht vollständig verliere, brauche es einen neuen rechtlichen Handlungsspielraum, sagte Kommissionssprecher Felix Müri (SVP/LU).

Trotz der klaren Annahme der Motion gab es im Nationalrat auch kritische Stimmen: «Wenn ein Wolf auch dann abgeschossen werden kann, wenn er überhaupt keinen Schaden angerichtet hat, ist das nicht ein Blankocheck für den Abschuss?», fragte Pierre Rusconi (SVP/TI).

Wölfe und Menschen schützen

Der Bundesrat zeigte sich mit der Revision des Jagdgesetzes einverstanden. «Wir werden mit dem Wolf leben müssen», sagte Umweltministerin Doris Leuthard. Der Wolfsschutz sei dabei das eine, man müsse aber auch die Menschen vor dem Wolf schützen, damit das Zusammenleben gelinge.

Eine entsprechende Gesetzesänderung sei auch mit der Berner Konvention über den Schutz wildlebender Tiere und Pflanzen vereinbar, betonte Leuthard.

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37 Kommentare

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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Mit 60`000 Einwanderern und tausenden von Flüchtlingen jedes Jahr, gibt es für den Wolf doch gar keinen Platz in unserem Land. Selbst wenn der Wolf in unwegsamen Gelände lebt - im Winter sucht er Futter im Tal. Davor fürchten sich die Menschen, die dort ansässig sind ebenso wie die Touristen im Sommerm, die in den Bergen unterwegs sind. Ich finde es schon ein bisschen schräg, wenn "grün-linke" Kriese aus den Städten der Landbevölkerung vorschreiben wollen, wie diese zu leben hat.
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  • Kommentar von S.Zulauf, Chur
    Gewisse Leute meinen einfach, alles müsste nach ihrem Gusto gehen. Alles soll reguliert werden. Wir haben die Jagd, um den Wildbestand zu regulieren. Jetzt soll es auch noch eine Wolfsbestandesregulierung geben. Die Natur würde sich selber regulieren, wenn wir Menschen sie nur lassen würden.
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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Bei 25 bis 30 Wölfen von einer Ausbreitung zu sprechen ist ein schlechter Witz. Bedenklicher ist, dass sich Inkompetenz von Politikern in diesem Land immer mehr ausbreitet. Dagegen müssen wir bei den Wahlen im Herbst unbedingt etwas tun! "Schiessen" wir sie von den Listen, BEVOR sie noch mehr Schaden anrichten.
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