Pieren fehlt fast nie – Glättli steht am meisten am Rednerpult

Gestern ist in Bern die Sommer-Session zu Ende gegangen. Für 66 Nationalräte ist es die erste Legislatur. Einige von ihnen haben sich in im Bundeshaus bereits einen Namen gemacht, andere sind nach wie vor kaum bekannt. Wer unter den Neuen gehört zu den Fleissigsten, Aktivsten oder Gesprächigsten?

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Der Nationalrat im Test

4:24 min, aus 10vor10 vom 19.6.2015

Sie kommen von rechts, von links, von der Mitte und alle haben sie ein Ziel: Das Rednerpult. Obschon im Saal kaum jemand zuhört, ist dies die Bühne, um mediale Aufmerksamkeit zu erhalten. Das wissen auch die Neuen.

Und trotzdem hat das Rednerpult nicht für alle die gleiche Anziehungskraft. Am meisten am Rednerpult stand Balthasar Glättli: 105 Mal. Der Zürcher Nationalrat hat es schon in seiner ersten Amtszeit zum Fraktionschef der Grünen gebracht.

«Wer nicht gerne redet und wer nicht gerne debattiert ist im Nationalrat am falschen Ort», sagt Glättli zur Sendung «10vor10».

Rangliste Wortmeldungen

1.
Balthasar GlättliGPS/ZH105
2.
Karl VoglerCSP/OW97
3.
Roland FischerGLP/LU96




64.Markus LehmannCVP/BS22
65.Martin Naef
SP/ZH20
66.Hans Egloff
SVP/ZH10

Andere Neulinge ziehen das Zuhören vor. Das Rednerpult ist nicht ihre Sache. Am wenigsten ans Rednerpult trat Hans Egloff, mit gerade mal zehn Wortmeldungen in vier Jahren. Haben Sie dem Volk nichts zu sagen, Herr Egloff? Der Zürcher SVP-Nationalrat verteidigt sich: «Es geht nicht darum, dass ich im Nationalratssaal mit dem Volk rede, sondern Politik mache. Politik wird nicht über das Mikrofon und im Ratsaal gemacht, sondern findet in Gesprächen statt, wo es keine Mikrofone und Kameras gibt. Dort bin ich dabei.»

Vorstoss-Königin Feri

Es gibt sie die Aktiven. Sie schreiben Motionen, Petitionen oder Interpellationen und versuchen so politisch etwas zu bewegen. Die ungekrönte Vorstoss-Königin unter den Neulingen ist Yvonne Feri (SP/AG) mit 64 Vorstössen. Feri zu «10vor10»: «Ich kann mit Vorstössen Themen besetzen. Ich kann zeigen, dass es noch andere Themen gibt im politischen Feld, die nicht so sexy und aktuell sind. So kann ich darauf hinweisen, dass beispielsweise bei häuslicher Gewalt noch Handlungsbedarf besteht.»

Der Vorstoss-Muffel mit nur zwei Vorstössen ist dagegen Bauernverbandspräsident Markus Ritter (CVP/SG). «Wir haben eine andere Arbeitsweise, wir tauschen uns direkt mit der Verwaltung aus und bekommen da gute Auskünfte. Vorstösse sind für uns Mittel, die nur im Bedarfsfall nötig sind.»

Rangliste Vorstösse

1.Yvonne FeriSP/AG64
2.Thomas AeschiSVP/ZG37
3.Andrea CaroniFDP/AR 35




64.Hans EgloffSVP/ZH5
65.Urs GascheBDP/BE4
66.Markus RitterCVP/SG2

4122 Mal durften die Politiker in der laufenden Legislatur Ja oder Nein stimmen und damit politische Entscheide beeinflussen. Doch von diesem Privileg machten nicht alle gleich oft Gebrauch. Am präsentesten war Nadja Pieren (SVP/BE), sie hat nur gerade 21 Abstimmungen verpasst. «Ich bin keine Streberin, aber ich bin pflichtbewusst», so Pieren. «Ich wurde gewählt, um das Volk zu vertreten und somit an den Abstimmungen teilnehme. Ich und meine Wähler würde es mir nicht verzeihen, wenn ich Abstimmungen verlieren würde, nur weil ich gefehlt habe.»

Doch oft blieben die Stühle während den Abstimmungen leer. Unter den Neugewählten führt das Trio Daniel Fässler, Urs Gasche und Jacqueline Badran die Abwesenheitsliste an. Jeder von ihnen hat rund 600 Abstimmungen verpasst.

Badran: «Ich bin immer da. Ich habe – glaube ich – keinen Tag gefehlt während der gesamten Legislatur. Aber manchmal bin ich halt in der Wandelhalle am Arbeiten oder spreche beispielsweise mit Journalisten. Wenn es unbestrittene Abstimmungen gibt, dann renne ich nicht in den Ratssaal.»

Rangliste Abstimmungs-Präsenz

1.
Nadja PierenSVP/BE21 von 4122 verpasst
2.Urs SchläfliCVP/SO31
3.Daniela SchneebergerFDP/BL54




64.Jacqueline Badran
SP/ZH591
65.Urs GascheBDP/BE596
66.Daniel FässlerCVP/AI 603

Top oder Flop: Zahlen alleine sagen noch nichts darüber aus, wie sich die Neulinge unter der Bundeshauskuppel etabliert haben. Und die endgültige Bilanz zieht sowieso das Schweizer Volk: Am 18. Oktober bei den Nationalratswahlen.