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Altersvorsorge 2020 Rentenreform: AHV-Zustupf soll doch kommen

Die Einigungskonferenz hält an den 70 Franken mehr AHV für Neurentner fest. Einen Kompromiss gab es auch bei der Finanzierung der Mehrwertsteuer. Sie soll um 0.6 Prozent angehoben werden. Doch richtig glücklich war offenbar keiner der Verhandlungsteilnehmer.

Legende: Audio Entscheid der Einigungskonferenz: Einschätzung von SRF-Korrespondent Meier abspielen. Laufzeit 1:13 Minuten.
1:13 min, aus HeuteMorgen vom 15.03.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Denkbar knapper Entscheid in der Einigungskonferenz: 12 Parlamentarier lehnten das Ergebnis der Vertreter der beiden Räte am späten Dienstagabend ab, 14 sprachen sich dafür aus.
  • Der AHV-Zuschlag von 70 Franken für Neurentner und höhere Ehepaar-Renten soll nun doch kommen.
  • Zur Finanzierung der AHV soll die Mehrwertsteuer um 0,6 Prozent angehoben werden.
  • Stimmen Stände- und Nationalrat am Donnerstag zu, kommt die Reform der Altersvorsorge am 24. September an die Urne.
Legende: Video Rentenreform: Knapper Entscheid der Einigungskonferenz abspielen. Laufzeit 1:26 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 14.03.2017.

Bei der Reform der Altersvorsorge scheint doch ein Kompromiss möglich. Die Einigungskonferenz hat am Dienstagabend entschieden, die Mehrwertsteuer nur um 0,6 Prozent zu erhöhen (siehe Infografik). Beim AHV-Zuschlag hingegen ist sie hart geblieben.

Sie schlägt den beiden Räten einen AHV-Zuschlag von 70 Franken und höhere Ehepaar-Renten vor, wie CVP-Ständerat Konrad Graber, der die Einigungskonferenz präsidierte, vor den Bundeshausmedien erklärte. Damit sollen die Rentenausfälle ausgeglichen werden, die bei der Senkung des Umwandlungssatzes in der obligatorischen beruflichen Vorsorge entstehen.

Konzept des Ständerats übernommen

Damit übernahm die Einigungskonferenz in diesem Punkt das Konzept des Ständerats. CVP, SP und BDP, die diesem in der kleinen Kammer zum Durchbruch verholfen haben, stellen auch in der Einigungskonferenz die Mehrheit. Der Entscheid fiel laut Graber mit 14 zu 12 Stimmen.

Der Nationalrat hatte stets auf einem Ausgleich in der zweiten Säule beharrt. Die Versicherten sollten mehr einzahlen, um später gleich viel Rente zu bekommen. Dieses Konzept ist mit dem Entscheid der Einigungskonferenz vom Tisch.

Legende: Video SRF-Redaktor Reimann zum AHV-Kompromiss abspielen. Laufzeit 1:20 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 14.03.2017.

Neues Sozialversicherungspaket bis 2030

Bei der ebenfalls noch umstrittenen Erhöhung der Mehrwertsteuer setzte sich das Modell des Nationalrats durch, mit 14 zu 10 Stimmen bei 2 Enthaltungen. In den nächsten Jahren sollen zur Finanzierung der AHV 0,6 Prozent zusätzlich erhoben werden. Das bringt Zusatzeinnahmen von 2,14 Milliarden Franken. Der Ständerat hatte sich für 1 Prozent eingesetzt, das wären 3,56 Milliarden Franken zusätzlich.

Laut Graber wird der AHV-Fonds im Jahr 2030 noch 97 Prozent einer Jahresausgabe enthalten. Es werde ohnehin nicht die letzte AHV-Reform sein, erklärte er. Spätestens per 2030 werde wieder ein neues Sozialversicherungspaket geschnürt werden müssen.

Offene Ausgangslage

Die Räte können diese Vorschläge nur annehmen oder ablehnen, aber nicht mehr ändern. Stimmt in einem Rat die Mehrheit dagegen, ist die Reform der Altersvorsorge vom Tisch. 12 Mitglieder der 26-köpfigen Einigungskonferenz wollen diesen Weg gehen.

Wie geht es weiter?

Im Ständerat ist der Vorschlag der Einigungskonferenz kaum gefährdet. Kommt auch im Nationalrat eine Mehrheit zusammen, müsste die Vorlage noch die Schlussabstimmung überstehen.
Ist diese Hürde geschafft, kommt die Reform der Altersvorsorge am 24. September an die Urne. Die Zustimmung von Volk und Ständen ist nötig, weil für eine Mehrwertsteuer-Erhöhung die Verfassung geändert werden muss. Da die Räte Verfassungs- und Gesetzesänderung verknüpft haben, gilt der Urnengang aber für die ganze Revision.

Mit dem überraschenden Kompromiss ist die Ausgangslage jedoch offen. SVP und FDP, die in der grossen Kammer die Mehrheit stellen, hatten sich entschieden gegen eine Mehrwertsteuererhöhung von mehr als 0,6 Prozent ausgesprochen. Dieses Anliegen konnten sie in der Einigungskonferenz trotz zahlenmässiger Unterlegenheit durchsetzen.

Doch auch der AHV-Zuschlag von 70 Franken gilt ebenfalls als «rote Linie». Besser sei keine Reform als diese, war aus den beiden Fraktionen zu hören. Diese bringen im Nationalrat 101 Stimmen zusammen. Mit den Grünliberalen, die sich bisher ebenfalls heftig gegen den AHV-Zuschlag gewehrt haben, sind es sogar 108 Stimmen.

Abweichler entscheiden

Wie geschlossen die Fraktionen stimmen, steht auf einem anderen Blatt. Vertreter der GLP haben schon vor Wochen durchblicken lassen, die bittere Pille notfalls doch zu schlucken. Nur etwas sei teurer als der Zuschlag, nämlich gar keine Reform. Die beiden Lega-Vertreter in der SVP-Fraktion wollen dem AHV-Zuschlag ebenfalls zustimmen.

Eckpunkte nicht umstritten

Nicht mehr umstritten waren beim Showdown der Einigungskonferenz am Dienstagabend die Eckpunkte der Reform. Das Rentenalter wird flexibilisiert. Frauen arbeiten künftig in der Regel ebenfalls bis 65 Jahre. Der Mindestumwandlungssatz in der obligatorischen beruflichen Vorsorge sinkt von 6,8 auf 6 Prozent.

Das Zünglein an der Waage könnten bei dieser Ausgangslage die Bauern spielen - sie profitieren mehr von einer AHV-Erhöhung als von einem Ausbau der Pensionskassen. Mehrere SVP-Vertreter haben sich bereits für die 70 Franken ausgesprochen, und Bauernverbandspräsident Markus Ritter (CVP/SG) kämpft um weitere Stimmen. Auch Verbandsdirektor Jacques Bourgeois (FDP/FR) und der Solothurner FDP-Nationalrat Kurt Fluri stimmen dem Zuschlag möglicherweise zu, wie sie dem «Blick» sagten.

Abweichler stehen allerdings unter grossem Druck, da die Vorlage zum strategischen Geschäft erklärt wurde. Das bedeutet, dass Unzufriedene nicht gegen ihre Fraktion stimmen dürfen, sie können sich nur der Stimme enthalten. Damit kämen die 101 Stimmen nicht zusammen, die für das Lösen der Ausgabenbremse notwendig sind.

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40 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    AHV-Renten, längst dringende Anpassung an die jährlichen Lebensunterhalts-, Gesundheitskosten, Versicherungsprämien.... Was ist das für eine Volks-Politik? Fairness für alle!!
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  • Kommentar von Nour Helena Hänggi (nourhelena)
    Da ich weder links noch rechts bin, kann ich neutral schreiben und finde es wirklich an der Zeit, dass die AHV endlich angepasst, resp. erhöht wird. Es ist eine gute Sache und die AHV wird nie unter gehen, denn man bedenke, dass es mehr und nicht weniger gibt, die einzahlen. Für mich war es unerklärlich, dass die CHF 200.- abgelehnt wurden. Man bedenke, dass diese Lücke der Anpassung wieder erhöht Kosten bei den Ergänzungsleistungen geben wird, was ja vermieden werden könnte.
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
      Richtig aber der, der EL hat weniger im Portemonnaie, das sollten sie auch wissen, und deshalb wurde Sie abgelehnt.
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  • Kommentar von Lily Baumann (Medinilla)
    Genau diese Rentnerinnen und Rentner, von denen wir hier schreiben und reden, leisten sehr viel Freiwilligenarbeit. Sie alle sind noch fit und wollen dem Vater Staat etwas zurückgeben. Nein, nicht nur etwas, sie geben Millionen zurück, dafür knausert eben dieser Staat bei der AHV.
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