Umstrittene Bestpreis-Garantie Schweizer Hoteliers stecken in der Zwickmühle

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Widerstand gegen Booking.com

3:36 min, aus 10vor10 vom 6.3.2017

  • Rund ein Drittel der Hotelzimmer wird über Buchungsplattformen wie Booking.com gebucht.
  • Hotels erreichen über die Plattformen neue Kunden, müssen aber eine Kommission zahlen.
  • Und sie dürfen den Booking.com-Zimmerpreis auf ihrer eigenen Webseite nicht unterbieten.

Buchungsplattformen wie Hotels.com oder Booking.com verlangen heute von den Hotels eine Bestpreis-Garantie. Das preisgünstigste Zimmer soll es im Netz nur über diese Internet-Plattform geben. Das verfälsche den Wettbewerb, sagt Andreas Züllig.

«Das wäre, wie wenn sie dem Bauern im Hoflädeli verbieten würden, seine Äpfel günstiger zu verkaufen als im Laden, wo seine Produkte verkauft werden», sagt der Präsident von Hotelleriesuisse. Und man dürfe nicht vergessen, dass bei den Buchungsplattformen Kommissionen bezahlt würden. «Sie sind Bestandteil der Preiskalkulation. Das kann nicht die gleichen Preise ergeben.»

Übersetzung von Webseiten inklusive

Knebelverträge seien dies, kritisiert Züllig. Anders sieht das hingegen Peter Verhoeven. Er ist Europa-Chef bei der Buchungsplattform Booking.com. Die Buchungsplattformen böten einen umfangreichen Service für die Hotels, das gehe oft vergessen. So übersetzten sie beispielsweise die Internetseiten der Hotels in mehrere Sprachen. «Wir übersetzen die Seiteninhalte der Hotels in 42 Sprachen. Wir haben rund um die Uhr einen Kundenservice. Und wir haben keine Mindest- oder Austrittsgebühr. So sieht ein Knebelvertrag glaube ich nicht aus.»

«  Das wäre, wie wenn sie dem Bauern im Hoflädeli verbieten würden, seine Äpfel günstiger zu verkaufen als im Laden, wo seine Produkte verkauft werden. »

Andreas Züllig
Präsident Hotelleriesuisse

Ausserdem müssten die Hotels nur eine Kommission an Booking.com abliefern, wenn ein Kunde tatsächlich ein Hotelzimmer buche, so Verhoeven. Hinzu komme, dass die Bestpreis-Garantie nur bei Buchungen im Internet gelte. Übers Telefon oder bei einer Anfrage per E-Mail könnten die Hotels ein Zimmer jederzeit günstiger anbieten als auf Booking.com. Aber im Internet bräuchten sie gute Preise, sonst surften die Kunden davon, so der Europa-Chef von Booking.com.

E-Mail und Telefon als Hintertürchen

Und sowieso: Buchungen im Internet machten nur 30 Prozent aus, so Verhoeven. Dem stimmt auch Züllig von Hotelleriesuisse zu. Doch es werde halt immer mehr online gebucht: «Die 30 Prozent sind jedes Jahr zweistellig wachsend. Da kann man selber ausrechnen, wann die 50-Prozent-Marke überschritten ist.»

Booking.com-Seite auf einem Bidschirm.

Bildlegende: Die Hoteliers werfen den Buchungsplattformen vor, mit Knebelverträgen zu arbeiten. Keystone

Ab einer gewissen Marktposition könne man diktieren, zu welchen Konditionen Verträge mit den Hotels abgeschlossen werden müssten. «Wir wollen das verhindern, bevor es soweit ist. Nachher ist es zu spät.»

Zwei Drittel aller Buchungen im Internet liefen schon heute über die Webseite von Booking.com, sagt Züllig. Und das Unternehmen wachse immer weiter. Priceline, das Mutterhaus der Buchungsplattform Booking.com und grösste Anbieterin von Online-Plattformen, investiert grosse Summen in Eigenwerbung. 2016 waren es 3,5 Milliarden Dollar. Diese Marktmacht beunruhigt viele Hoteliers.

Verhoeven sagt, er verstehe zwar, dass der digitale Wandel den Hoteliers Sorgen mache. Doch diese profitierten ja auch von ihrem Wachstum und vom Marketing. Gerade Besitzer von kleine Betrieben könnten dank Booking.com neue Gäste aus fernen Ländern gewinnen. «Man hört sehr wenig davon. Aber es gibt sehr viele Hoteliers, die sehr, sehr zufrieden sind», gibt Verhoeven zu bedenken.

Streit um Höhe der Kommission

In der Tat erreichten einige Hoteliers dank den Buchungsplattformen neue Kunden, räumt auch Züllig von Hotelleriesuisse ein. Aber für die Übersetzung der Hotel-Homepage erhielten die Buchungsplattformen eine Kommission: 12 bis 15 Prozent des Zimmerpreises lieferten die Hotels ab, wenn ein Kunde dort buche.

«  Wenn wir so teuer sein sollen, warum wachsen wir denn so stark, auch in der Schweiz? »

Peter Verhoeven
Europa-Chef von Booking.com

Es brauche also nicht noch eine Bestpreis-Garantie. 12 bis 15 Prozent sei viel, da bleibe den Hoteliers kaum noch was übrig bei den tiefen Margen. Verhoeven von Booking.com hingegen findet das angemessen. Reisebüros verlangten oft 25 bis 30 Prozent. «Wenn wir so teuer sein sollen, warum wachsen wir denn so stark, auch in der Schweiz?», fragt er. Die Hotels würden wohl kaum mit Booking.com zusammenarbeiten, wenn sie geknebelt würden. Die Schweizer Hoteliers und Booking.com hoffen nun beide, dass die Politiker in ihrem Sinn entscheiden.

Aus für Knebelverträge?

Der Streit zwischen Hoteliers und Buchungsplattformen war heute Thema im Ständerat. Er behandelte eine Motion, die ein Verbot von Verträgen, die den Anbietern eine Bestpreis-Garantie vorschreiben, verlangt. Die kleine Kammer ging mit 34 zu 5 Stimmen darauf ein – gegen die Empfehlung des Bundesrats. Nun ist der Nationalrat am Zug.