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Session Staatshaushalt 2015: Sparen trotz Milliardenüberschuss

Heute hat der Nationalrat die schwarze Staatsrechnung 2015 durchgewinkt. 2,3 Milliarden Franken blieben zur Überraschung aller übrig. Doch bleiben alle vorsichtig. Während die Linken fordern, der Bund müsse nun zu mehr Einnahmen kommen, wollen die Bürgerlichen die Ausgaben drosseln.

Menschen sitzten an Pulten über Papier gebeugt.
Legende: Obwohl die Staatsrechnung 2015 positiv ausfiel, bleiben alle Parlamentarier weiterhin verhalten optimistisch. Keystone

Die Überraschung war gross, als Finanzminister Ueli Maurer vor drei Monaten die Staatsrechnung fürs Jahr 2015 präsentierte: 2,3 Milliarden Franken blieben übrig, viel mehr als erwartet. Heute hat der Nationalrat die satt schwarze Staatsrechnung durchgewinkt - doch zu reden gab das Sparen.

Da schreibt der Bund unerwartet einen Milliardenüberschuss und der Bundesrat gleist gleichzeitig ein Stabilisierungsprogramm auf und will bei den Ausgaben auf die Bremse stehen. Aus bürgerlicher Sicht geht das sehr gut zusammen. Denn: «Das erfreuliche Ergebnis der Rechnung 2015 darf uns nicht dazu verlocken, die Zügeln zu lockern», warnt etwa Nationalrat Markus Hausammann von der SVP.

Für Finanzpolitiker Roberto Schmidt von der CVP steht fest, «dass mit Sicherheit weitere Massnahmen notwendig werden, um den Finanzhaushalt im Gleichgewicht zu behalten.»

Warnschuss vor den Bug

Finanzminister Ueli Maurer erklärt das Jahr 2015 zum finanzpolitischen Schwellenjahr: «Obwohl es einen Überschuss gegeben hat, ist das Jahr ein erstes Warnsignal für die wirtschaftliche Entwicklung.»

Die Aussichten trübten sich gehörig ein, Milliardendefizite drohten, wenn das Parlament nicht die Ausgaben drossle. Völlig übertrieben findet das hingegen die Linke. «Selbstverständlich sagt das der Finanzminister. Schwarzmalen gehört zu seinem Job», sagt SP-Finanzpolitiker Philipp Hadorn. Sparen sei daher auch jetzt nicht angezeigt: «Das Stabilisierungsprogramm ist jetzt nicht nötig und wahrscheinlich auch nicht übermorgen.»

Mehr einnehmen und weniger ausgeben

Und schliesslich sei das bürgerliche Parlament auch selber schuld, wenn Defizite drohten, sagt Regula Rytz von den Grünen. Denn es spreche mehr Geld für die Armee, Steuerprivilegien für Bauern und plane Steuererleichterungen für Unternehmen. «Jeden Tag wird das Füllhorn neu über das Land verstreut.»

Der Bund müsse vor allem dafür sorgen, dass er zu Einnahmen komme, fordert die Linke. Masshalten bei den Ausgaben, fordern die Bürgerlichen, wie etwa bei der Entwicklungshilfe, so FDP-Nationalrat Albert Vitali.

Schwierige Ausgangslage

Doch Sparen fällt immer schwerer als Ausgeben. So ist selbst bei der Entwicklungshilfe nicht sicher, ob das bürgerliche Parlament auf die Bremse steht, denn auch bei Freisinnigen gebe es durchaus Bedenken, räumt Vitali ein. «Die Ausgangslage wird schwierig sein. Auch in unserer Fraktion verlaufen die Diskussionen in verschiedene Richtungen. Aber mit einer guten Argumentation sehe ich eine Chance, dass man das verändern kann.»

Doch derweil rechnet Finanzminister Ueli Maurer die aktuelle Wunschliste des Parlaments nüchtern in Franken hoch: Rentenreform, Unternehmenssteuerreform, mehr Geld für Armee und Asyl – all das koste unter dem Strich gegen zehn Milliarden. Besonders der Asylbereich wachse schnell. Zum Unmut etwa von SVP-Nationalrat Peter Keller: «Vier von fünf Flüchtlingen werden vom Staat finanziert und damit von den Schweizer Steuerzahlern, die hart für ihr Geld arbeiten müssen.» Mit Zusatzgeld decke man Probleme nur zu, statt sie zu lösen.

Grösster Teil fliesst ins Asylwesen

Gegen die Stimmen der SVP sagt das Parlament am Schluss aber klar Ja zu Nachtragskrediten von fast 400 Millionen Franken, die grösstenteils ins Asylwesen fliessen. Die Staatsrechnung mit ihrem Überschuss hingegen heissen fast alle gut – in der Ahnung, dass die kommenden Jahre wohl schwieriger werden.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von U.E. Romer (romeru)
    So lange mit Entwicklungsgelder korrupten Regierungen finanziert werden, bin ich für das Sparen in diesem Bereich. Der Einsatz von Entwicklungsgeldern muss von A bis Z vom Geldgeber kontrolliert und beeinflusst werden können. Heute scheint es ein Fass ohne Boden zu sein.
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  • Kommentar von A. Moser (AM)
    "Während die Linken fordern, der Bund müsse nun zu mehr Einnahmen kommen..." - Euch ist schon bewusst, wie ein Staat zu mehr Einnahmen kommt? Durch Steuern, Gebühren, Abgaben - also dadurch den Bürgern mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Und selbst wenn sie es bei den Firmen holen - schlussendlich werden die diese Zusatzkosten wieder auf die Konsumenten umwälzen. Mehr Einnahmen für den Staat heisst in jedem Fall weniger Geld für den Bürger!
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  • Kommentar von Lutz Bernhardt (lb)
    "Steuererleichterungen für Unternehmen. «Jeden Tag wird das Füllhorn neu über das Land verstreut.»". Das zeigt eine völlig verquere Weltsicht. Tatsächlich wird doch denen, die Werte schaffen, weniger weggenommen. Wodurch diese mehr Werte schaffen können. Es gibt praktisch keine linken Stimmen, die sich für das Schaffen von Werten engagieren. Und die Rechten foutieren sich in aller Regel um jegliche Umverteilung. Das ist so, wie wenn zwei miteinander reden und keiner hört dem Anderen zu.
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Solange sich das Schaffen von Werten auf Geld beschränkt, hat es seine Limiten. Geld hat für den Einzelnen erst seinen Wert, wenn es in Güter umgesetzt ist. Erst mit der Umverteilung Geldes heisst mehr Wert auch mehr Konsum und mehr Produktion. Auch wenn dies je geschehen sollte, setzt die Natur eine unumstössliche Grenze. (Auf eingehendere wirtschaftstheoretische Ausführungen zu den Grenzen des Wachstums wollen wir hier verzichten.)
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