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Gentechnologie in der Schweiz «Trennung von gentech- und gentechfreien Lebensmitteln aufwendig»

Schweizer sind skeptisch bei gentechnisch veränderter Nahrung, sagt SRF-Wissenschaftsredaktorin Katharina Bochsler.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wissenschaftlich ist nicht belegt, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel ungesund sind.
  • Der Rückgang der Artenvielfalt zeigt sich nicht nur in Ländern, in denen gentechisch veränderte Pflanzen angebaut werden.
  • Zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung wollen keine gentechnisch veränderten Lebensmittel.
  • Auch konventionelle Zuchtverfahren greifen ins Erbgut der Pflanzen ein.
Legende: Video «Wie weiter in der Gentechnologie?» abspielen. Laufzeit 1:19 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 06.12.2016.

SRF News: Von den Gegnern eines Verbots haben wir in der Debatte gehört, dass die Wissenschaft keine Bedenken habe. Kann man das so allgemein sagen?

Katharina Bochsler: Die Gentech-Debatte wird sehr emotional geführt. Viele Befürchtungen haben sich bisher nicht wissenschaftlich beweisen lassen. Das gilt zum Beispiel für die Frage, ob gentechnisch veränderte Nahrungsmittel ungesund sein könnten.

Könnten Tiere und andere Pflanzen Schaden nehmen?

Bis heute gibt es auch hier keine wissenschaftlichen Hinweise, zumindest, dass Tiere durch den Verzehr von gentechnisch verändertem Futter geschädigt werden können.

Heftiger diskutiert wird hingegen die Frage, ob gentechnisch veränderte Pflanzen andere Pflanzen bedrohen könnten. Dazu hat es in den letzten zwanzig Jahren viel Forschung gegeben, jedoch ohne eindeutige wissenschaftliche Resultate.

Der Rückgang der Artenvielfalt oder die Zunahme pestizidresistenter Unkräuter ist zum Beispiel ein Phänomen, das nicht allein auf Länder beschränkt ist, die auf Gentech-Pflanzen setzen, wie das Beispiel der Schweiz zeigt.

Die Gegner von Gentech-Pflanzen sagen, die Schweiz sei zu kleinräumig für ein Nebeneinander von konventionellen Pflanzen und Gentechkulturen. Wie sehen Sie das?

Diese Frage drängt sich in einem Land wie der Schweiz mit ihrer kleinräumig aufgeteilten Landwirtschaft auf, wir haben es in der Debatte gehört.

Der Bundesrat schlägt in seiner Botschaft zwar vor, den Anbau von Gentech-Pflanzen in speziellen Arealen zusammenzufassen und zu kontrollieren. Diese Idee ist aber auch in Bauernkreisen sehr umstritten.

Denn selbst mit ausgewiesenen Gentechzonen würde die Schweiz vergleichsweise kleinräumig bleiben. Die Gefahr, dass sich gentechnisch veränderte Pflanzen auskreuzen könnten, bliebe bestehen. Das gilt ebenfalls für Länder, in denen auf viel grösseren Flächen Landwirtschaft betrieben wird, wie zum Beispiel in Kanada.

Eine saubere Trennung von gentech- und gentechfreien Nahrungsmitteln würde aufwendig, auf dem Feld oder zum Beispiel bei den verarbeitenden Mühlen müssten verschiedene Maschinen benutzt werden, oder es bräuchte aufwendige Reinigungen. Das alles ist sehr teuer.

Der Anbau von Gentech-Pflanzen in speziellen Arealen ist auch in Bauernkreisen sehr umstritten.
Autor: Katharina BochslerSRF-Wissenschaftsredaktorin

Wie hat sich die Akzeptanz gentechnisch veränderter Pflanzen oder Lebensmittel in den letzten Jahren gewandelt?

Zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung sind laut einer Meinungsumfrage von Gfs dagegen, dass gentechnisch veränderte Pflanzen in der Schweiz angebaut werden dürfen und fast gleich viele wollen auch keine gentechnisch veränderten Nahrungsmittel in den Schweizer Geschäften sehen.

Es zeigt sich, dass die Skepsis im Laufe der letzten Jahre noch zugenommen hat. Grundlage solcher Entscheide sollten gute Informationen sein, und da wird die Sache aus wissenschaftlicher Sicht immer komplizierter.

Es ist nicht mehr so einfach, die Gentechnik zu definieren, beziehungsweise eine klare Grenze zwischen gentechnischen und so genannt konventionellen Zuchtmethoden zu ziehen.

Zudem darf man auch konventionelle Zuchtverfahren kritisch betrachten. Hier wird nämlich zum Beispiel mit Chemie oder mit radioaktiver Strahlung Einfluss auf das Erbgut der Pflanzen genommen.

In konventionellen Zuchtverfahren wird zum Beispiel mit Chemie oder mit radioaktiver Strahlung Einfluss auf das Erbgut der Pflanzen genommen.

Das Gespräch führte Brigitte Kramer.

Katharina Bochsler

Katharina Bochsler

Bochsler arbeitet seit zehn Jahren in der Wissenschaftsredaktion von SRF. Sie ist Psychologin und Germanistin und kümmert sich vor allem um die Themen: Psychologie, Anthropologie, Ethik und Raumfahrt.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Fabian Benz (Fabian Benz)
    wo ist das problem? bananen sind auch gentechnisch verändert, denn sie haben drei chromosomensätze... essen deswegen herr und frau schweizer keine bananen? also was soll das ganze ??
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  • Kommentar von Urs Graf (U.Graf)
    das langfristige Ziel bei der gentech Produktion ist die Welternährung unter Kontrolle zu bringen. Und damit meine ich nicht das es keinen Hunger mehr geben soll sondern das die Nahrung in die Hoheit von einigen wenigen Eliten gelegt wird die dann Essen als Machtinstrument missbrauchen. Nichts wächst oder blüht mehr o. Triggerchemie. Ein weiterer Schritt zur totalen Unterjochung der Weltbevölkerung. Die Weltsamenbank in Spitzbergen aber ist nur für einige wenige bestimmt. Alles läuft nach Plan.
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    1. Antwort von Charles Halbeisen (ch)
      Das ist natürlich der Werbe-Spruch der Gentech-Industrie: Den Welthunger stillen. Dazu braucht es stabile und gerechte Strukturen. Das konventionelle Saatgut ist nicht schlechter als Gentech, aber billiger, sozialer und weniger schädlich.
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    2. Antwort von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
      Herr Halbeisen, wenn Sie weiter als den ersten Satz lesen, merken Sie dass Herr Graf keineswegs von Welthunger stillen spricht, sondern davon dass der Hunger zu einem ultimativen Machtinstrument einiger Grosskonzerne werden soll. Wenn Pflanzen nur noch durch chemische Trigger reif werden, so ist die Menschheit abhaengig von den Herstellern dieser Chemie, welche jeden Preis dafuer verlangen koennen. Keiner der Hersteller wird in der 3. Welt sitzen, womit Kolonialismus zementiert waere.
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  • Kommentar von rené studer (rené studer)
    1)Nov. 2016-US-Regierung führt erneut Live-Experimente an der ganzen Bevölkerung durch: GV-Kartoffeln, die menschliche Gene ausschalten- Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) hat gerade zwei gentechnisch veränderte Kartoffelsorten genehmigt, die mithilfe einer experimentellen Technik entwickelt wurden, die als doppelsträngige RNS bekannt ist. Wissenschaftler auf der ganzen Welt sind sich darüber im Klaren, dass diese “eingreifenden” RNS-Moleküle Gegenstücke bei menschlicher DNA finden können,
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