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Schweiz Sex mit minderjährigen Prostituierten wird strafbar

Der National- und Ständerat sind sich einig: Sex mit minderjährigen Prostituierten wird unter Strafe gestellt. Eine Änderung des Strafgesetzbuches soll zudem die Förderung der Prostitution Minderjähriger verbieten.

Prostituierte stehen am Zürcher Sihlquai vor einem Auto.
Legende: Freier machen sich in Zukunft strafbar, wenn sie Sex mit minderjährigen Prostituierten haben. Keystone

Die Schweizer Legislative hat für die Abschaffung der Prostitution Minderjähriger grünes Licht gegeben. Bisher machte sich ein Freier in der Schweiz nur dann strafbar, wenn die oder der Prostituierte unter 16 Jahre alt ist und die Person, welche die Dienste in Anspruch nahm, mehr als drei Jahre älter.

Die entsprechende Änderung des Strafgesetzes wurde in beiden Räten ohne eine Gegenstimme angenommen. Damit ist in Zukunft auch die Förderung der Prostitution Minderjähriger strafbar. Zuhälter, Betreiber von Escort-Services oder Bordelle müssen bei einem Verstoss mit Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren rechnen. Neu ist auch der blosse Konsum von pornografischem Material strafbar, das sexuelle Handlungen mit Minderjährigen zeigt. Bisher wurde nur der Besitz geahndet.

Keine Änderung bei Grooming

Mit den Änderungen im Strafgesetz geht die Schweiz einen grossen Schritt in Richtung der Implementierung des 2010 unterzeichneten Lanzarote-Abkommens. Dieses ist eine Konvention des Europarates zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch.

Betreffend des Groomings wurden keine Änderungen im Strafgesetzbuch vorgenommen. Mit Grooming ist das Ansprechen von Unmündigen zu sexuellen Zwecken über das Internet gemeint. Beispielsweise in Chatrooms.
Laut dem Bundesgericht ist Grooming schon nach geltendem Recht strafbar. Die Rechtskommission des Nationalrates hat aber eine Initiative eingereicht, um allfällige Lücken zu schliessen.

Forderung nach Verhältnismässigkeit

Die SVP stellte mehrere Anträge zur Erhöhung des Strafmasses. So forderte die Partei maximale Freiheitsstrafen von fünf statt drei Jahren für sexuelle Handlungen mit Minderjährigen. Schützenhilfe erhielten sie dabei von der BDP-Fraktion. Die geforderte härtere Gangart blieb im Rat aber chancenlos.

Die Sprecher der Fraktionen warnten davor, einzelne Strafbestände herauszupicken. Laut Justizministerin Simonetta Sommaruga laufe die Forderung nach härteren Strafen konträr zum Ziel des Bundesrates, den Strafrahmen im Strafgesetzbuch zu harmonisieren. Ausserdem wäre die Verhältnismässigkeit nicht mehr gegeben. Der maximale Strafrahmen bei einer Kindstötung durch die Mutter unmittelbar nach der Geburt liege bei drei Jahren. Es könne daher nicht sein, dass Sex mit minderjährigen Prostituierten mit fünf Jahren bestraft werde.

31 Kommentare

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  • Kommentar von Hu Brotschi, Hilterfingen
    Der Mensch ist die beste Ware der Wirtschaft. Die Wirtschaft ist das System welches wenigen erlaubt sich auf Kosten vieler zu bereichern. An der Ware Mensch verdient man von Geburt bis zum Tot. Jeder ist sich selbst am nächsten und versucht in den Kreis der wenigen zu gelangen. Das System verhindert dadurch das WIR. Übrig bleibt die Doppelmoral zwischen „Guter“ und „Schlechter“ Wirtschaft. Wie oft schützt man die Wirtschaft vor der Ware Mensch?. Sollte einem zu Denken geben......
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  • Kommentar von David Rothen, Bern
    In der CH baut man Boxen, in denen ein x-beliebiger Mann eine Drogensüchtige zu einem Gegenwert eines Nachtessens oder eines Blumenstrausses penetrieren kann. Das nennt man dann 'Verrichtungsboxen' und die meisten Schweizer und Schweizerinnen finden das ok. Was ist los mit uns? Da stimmt doch etwas nicht? Und nein, die Prostitution ist nicht das 'älteste Gewerbe der Welt', das ist eine gängige pseudowissenschaftliche Aussage mit null wissenschaftlichem Fundament.
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  • Kommentar von David Rothen, Bern
    Schweden hat die Prostitution indirekt verboten. Prostituierte werden nicht gebüsst, aber Freier. Dadurch hat Schweden nicht nur das Nuttenelend massiv verringert, sondern auch die Gewalt an Frauen allgemein. Die Verbreitung sexueller Krankheiten wurde vermindert, die Kriminalität ist gesunken, der Mafia wurde ein massiver Schlag versetzt und der Menschenhandel ist fast vollständig aus Schweden verschwunden. Es gibt keine einzigen Nachteile dieses Verbots. Wir sollten das auch tun.
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Früher im Ostblock war die Prostitution auch verboten und es gab sie dennoch. Wo ein Wille ist ist auch ein Weg, ganz gleich ob es sich um Sex handelt oder um andere Einschränkungen der menschlichen Freiheit.
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    2. Antwort von A.Käser, Zürich
      @A.Planta/Was wollen Sie damit"transportieren"?Wieso war das wohl so?Hatte es nicht auch mit Armut,Ausbeutung und Sozialgefälle zu tun?Und legitimiert dies irgend etwas?Die Menschen haben sich immer schon massakriert,bekriegt,umgebracht.Alles OK!Macht nur weiter so.Vielleicht bräuchte unsere Gesellschaft als Ganzes eine Psychoanalyse.Eine Nachhilfe zur Bildung eines Bewusstseins-Prozesses der das Erkennen und Wahrnehmen des eigenen"ich's"ermöglicht.
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    3. Antwort von JP Simon, Nietzscheaner, Bern
      David Rothen, nicht dass ich Sie als naiv bezeichne, um so mehr ihr Artikel das Lied des viel zu schönen singt, um das es überhaupt wahr sein kann. Nur oder aber, die beiden Worte fast jubilatorisch Einwand sprechen, bin ich kurz nach der Einführung des Freier-Verbots auf einen Artikel gestossen, worin sich ein Tierarzt im hohen Norden beklagt haben soll, dass er vermehrt Katzen zu behandeln habe, die im Hinterteil schreckliche Irritationen aufweisen.
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    4. Antwort von David Rothen, Bern
      @Herr Simon: Natürlich dürfte der Text differenzierter sein. Ein wichtiger Wandel liess ich ungesagt: die Werte und Einstellung der Schweden ändert sich. Ihr Frauenbild ist im Wandel, das ist doch schon etwas, oder? PS: Nietzsche ist tod.
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