«Sexköfferli» soll Sache der Kantone bleiben

Der Bundesrat lehnt die Initiative «zum Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» ab. Er will den Kantonen nicht vorschreiben, wie und wann Kindergärtler und Primarschüler aufgeklärt werden sollen.

Ein Puzzle für kleine Kinder, mit dem sie die Körper von Mann und Frau unterscheiden lernen.

Bildlegende: Mit einem Puzzle lernen kleine Kinder in Baselstadt, den Körper von Mann und Frau zu unterscheiden. Keystone

Es war der sogenannte «Basler Sexkoffer», der den Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner und sein Komitee dazu brachte, eine nationale Initiative «zum Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule» zu lancieren.

Den Koffer mit Holzpenis und Plüschvagina gibt es in der ursprünglichen Form zwar nicht mehr, dennoch hält Frehner den Handlungsbedarf nach wie vor für gross. Es gebe schweizweit Bestrebungen, bereits im Kindergarten einen Sexualkundeunterricht einzuführen.

«Zum Beispiel sollen Kinder ab vier Jahren schon miteinander gewisse Sachen wie das Ertasten der Geschlechtsteile erproben müssen. Wir halten das für viel zu früh.» Ausserdem müssten Vierjährige bereits den Unterschied zwischen homo- und heterosexuell wissen. Das sei ebenfalls zu früh, findet der Basler Nationalrat.

Eltern sollen mit Kindern über Sex reden

In der Primarschule sei der Sexualkundeunterricht häufig nicht stufengerecht, wie das Basler Beispiel gezeigt habe. Darum fordert die Initiative, dass die Beteiligung am Aufklärungsunterricht erst ab dem zwölften Altersjahr obligatorisch ist. Vorher soll er freiwillig sein, denn Reden über Körper und Sexualität sei Sache und Recht der Eltern.

Anders sieht das der Bundesrat. Er empfiehlt die Initiative ohne Gegenvorschlag zur Ablehnung. Dies, weil er sich nicht in die Bildungshoheit der Kantone einmischen möchte.

Aber nicht nur: Die Befürchtungen der Initianten, dass gar ein Ausbau des Sexualkundeunterrichts anstehe, seien völlig unbegründet, sagt Johannes Muré vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation.

Schulen müssen ihren Auftrag erfüllen

Der Bundesrat anerkenne auch, dass die Eltern bei der Aufklärung ihrer Kinder eine wichtige Rolle spielten, so Muré weiter. «Daneben tritt natürlich irgendwann der öffentliche Bildungsauftrag der obligatorischen Schule, der altersstufengerecht entsprechende Kenntnisse zur Sexualität und zur gesundheitlichen Prävention vermittelt. Es gibt momentan keine Anzeichen, dass dies in der Zukunft ändern sollte.»

Der Sexualunterricht bleibe Teil des Fachbereichs Natur, Mensch und Gesellschaft und werde nicht zum eigenen Schulfach. Würde die Initiative angenommen, könnten die Schulen ihrem Auftrag nach einer sorgfältigen Aufklärung nicht mehr nachkommen.