Zum Inhalt springen

Schweiz So funktionieren Kabelschneider am Helikopter

Die Vermutungen verdichten sich: Ursache des Helikopter-Absturzes am Gotthard ist mit höchster Wahrscheinlichkeit – auch wenn dies noch Gegenstand der Ermittlungen ist – eine Berührung mit einer Stromleitung. Dabei gibt es Vorrichtungen, welche dies verhindern können. Wie funktionieren sie?

Karte
Legende: Die Karte des Bundesamtes für Topografie zeigt die eingetragenen Luftfahrthindernisse in der Gotthardregion. map.geo.admin.ch

Seilbahnen, Heuseile, Telefon-, Hochspannungs- und Stromleitungen können Hindernisse für die Luftfahrt sein. Vor allem haben diese Auswirkungen auf die Sicherheit von Helikoptern, weil sie kaum zu sehen sind und weil ein Helikopter zum grossen Teil auf Sicht fliegt.

Doch bei Helikoptern gibt es technische Hilfsmittel, die auf solche Luftfahrthindernisse hinweisen. Neben einer digitalen Karte, in welcher Leitungen höher als 25 Meter über Boden eingezeichnet sind, und einem akustischen Warnsystem, sind zahlreiche Helikopter mit einem sogenannten Kabelschneider ausgerüstet. So auch der nun am Gotthard abgestürzte Armee-Helikopter.

Legende: Video Bei der Rega gibt es drei Hilfsmittel (Archiv) abspielen. Laufzeit 2:32 Minuten.
Vom 23.09.2016.

Super Puma mit Schneidevorrichtung

Wie aus einem Interview hervorgeht, das anlässlich der Dreharbeiten zur SRF-DOK-Serie «1414 – Hilfe naht» vor wenigen Wochen geführt wurde, ist bei Rega-Helikoptern oberhalb und unterhalb der Nase eine Schiene eingebaut. Wenn ein Helikopter in eine Leitung hineinfliegt, wird sie mit einer Schiene zu einer Schneidevorrichtung geleitet. Dort wird die Leitung gekappt, bevor sie in den Rotor gerät.

Legende: Video Rechsteiner bestätigt: Super Puma hatte einen Kabelschneider abspielen. Laufzeit 0:58 Minuten.
Vom 29.09.2016.

Wie genau diese Schneidevorrichtung bei den Super Puma angebracht ist, teilt die Luftwaffe vorerst nicht mit. Chef-Fluglehrer Lukas Rechsteiner erklärte lediglich, dass dieser Kabelschneider nur von vorne ein störendes Kabel erfassen und im Idealfall durchschneiden würde.

Der Bau von Stromleitungen und Seilbahnen sind beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) bewilligungspflichtig. Sie müssen bereits bei der Projektierung einer luftfahrttechnischen Prüfung unterzogen werden, wie das BAZL mitteilt.

«Das BAZL prüft, ob eine Anlage mit Blick auf die Sicherheit des Luftverkehrs errichtet werden darf und welche Sicherheitsmassnahmen wie Markierung und/oder Befeuerung vorzunehmen sind», heisst es beim BAZL, Link öffnet in einem neuen Fenster. Das Bundesamt erfasst diese Leitungen und trägt sie in die digitalen Karten, Link öffnet in einem neuen Fenster des Bundesamtes für Topografie ein.

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Beat Gurzeler (B.Gurzeler)
    Ich stelle in Frage ob jedes Kabel in der Schweiz auch beim BAZL gemeldet ist. Des weiteren ob nicht mehr benutzte Kabel auch abgebaut werden ( mit Kosten verbunden ) und wer überprüft das in der Schweiz ? Also ergo wird wie so oft, dem Menschenleben zu wenig Beachtung geschenkt, tragisch für die Familien und Angehörigen. Was fehlt ist eine höhere Sicherheitskultur, die wieder mit Kosten verbunden ist
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Lutz Bernhardt (lb)
      Nach allen meinen Erfahrungen hat die Schweiz international die höchsten Sicherheits-Standards. Ich bin sicher, dieser Unfall wird der Anlass sein, auch niedere Kabel zu erfassen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen