«So kann man Ängste besser abbauen als mit Lärmkarten»

Die Energiewende soll dank alternativer Energien wie der Windkraft möglich werden. Doch auch dieser Form der Stromgewinnung schlägt viel Skepis entgegen, da sie das Landschaftsbild verändert. Um die Bedenken zu mindern, gibt es nun eine Visualisierungsanwendung. Ulrike Wissen hat sie entwickelt.

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Schweizer Windkraft «kränkelt»

1:51 min, aus Tagesschau vom 31.8.2015

SRF News: Wie soll eine Simulation helfen, Skepsis gegenüber der Windenergie abzubauen?

Ulrike Wissen: Wir denken, dass sie ein grosses Potential hat, um diese Landschaftsveränderungen für jedermann erlebbar zu machen. So kann sich jeder eine Meinung bilden und mitreden in diesen Prozessen.

Der Widerstand bei Windenergieprojekten ist oft gross. Letztes Jahr wurde in der Schweiz keine einzige Anlage gebaut. Warum ist es so schwierig, solche Projekte zu realisieren?

Man hat herausgefunden, dass die Akzeptanz von Windenergie recht gross ist. Wenn es dann aber darum geht, auf der lokalen Ebene die Windparks tatsächl

ich umzusetzen, dann regt sich zum Teil Widerstand. Die Bevölkerung ist zum Teil kritisch, weil sie nicht weiss, wie eine Anlage das Landschaftsbild verändert und wie sie die Geräusche empfindet. Die Planungsinstrumente, die man im Moment hat, beziehen diese auch mit ein, aber die Information ist nicht unbedingt für jedermann verständlich.


Wie sieht der Windpark in der Landschaft aus?

4:45 min, aus SRF 4 News aktuell vom 31.08.2015

Wieso ist Ihre Simulation realistischer?

Aus der Praxis kam die Anfrage, ob man eine Visualisierung von Windparks entwickeln könne, durch die man interaktiv hindurchgehen kann, samt den Geräuschen, die dazugehören. Wir am Lehrstuhl für Planung von Landschaft und urbanen Systemen sind gut darin, solche Landschaftsvisualisierungen zu erstellen. An der Eidg. Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) gibt es die Abteilung für Akustik und Lärmminderung, die Geräusche von Windturbinen und Verkehrslärm simulieren kann. Wir haben diese Simulationen verknüpft und das Resultat ist die Visasim-Anwendung.


So klingt der Rotor.

0:18 min, aus SRF 4 News aktuell vom 31.08.2015

Haben Sie diese Anwendung auch schon für bestehende Projekte gebraucht?

Nein, so weit sind wir noch nicht. Wir haben Visasim getestet, ob sie für unsere Zwecke taugt. Die Ergebnisse sind sehr gut. Wir wären interessiert daran, Visasim in der Praxis anzuwenden, um zu sehen, wie es konkret die Meinungsbildung fördert.

Sind Sie zuversichtlich, dass mit dieser realitätsnahen Darstellung von Windanlagen solche Projekte eher eine Chance haben?

Ich bin der Meinung, dass Visasim helfen kann, damit man sich besser in diese geplanten Veränderungen hineindenken kann. So kann man Ängste besser abbauen als mit herkömmlichen Methoden wie zum Beispiel Lärmkarten. Wie genau die Anwendung wirkt, das müssen wir weitererforschen.

Das Gespräch führte Marc Allemann.

Ulrike Wissen

Ulrike Wissen-Hayek

ZVG

Wissen arbeitet als Forscherin und Dozentin am Institut für Raum- und Landschaftsentwicklung der ETH Zürich und leitet die Entwicklung des Visasim-Projekts. Sie ist ausgebildete Landschaftsingenieurin.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Die Landschaftsschützerinnen und -schützer wehren sich gegen die Vorwürfe, sie trügen die Schuld daran, dass die Schweizer Windkraftwerke nicht in die Gänge kommen.

    Mangelnder Schub für die Windenergie

    Aus Rendez-vous vom 31.8.2015

    Windenergie soll dazu beitragen, die Energiewende zu schaffen. Aber so richtig in Schwung kommen die Windenergie-Projekte in der Schweiz nicht. In den Augen von Swiss Eole, der Vereinigung für Windenergie, sind die Landschaftsschützer für den Stillstand verantwortlich.

    Die Angeschuldigten wehren sich.

    Nicoletta Cimmino