Fragen zu Gesundheitskosten Solidarität mit Kindern, aber nicht mit Rauchern

Kinder und junge Erwachsene sollen weniger Krankenkassen-Prämien zahlen. Laut einer gfs-Umfrage stützen die Schweizer den Entscheid des Parlamentes.

  • 72 Prozent der Befragten stützen den Entscheid des Parlamentes, Kinder und Jugendliche von den Krankenkassenprämien zu entlasten.
  • Allerdings wollen vier von fünf Befragten eine solche Entlastung auf einkommensschwache Haushalte beschränken.
  • Eine klare Mehrheit der Befragten (58 Prozent) will den Leistungskatalog generell auf dem heutigen Stand belassen.
  • Die Repräsentativumfrage «gfs-Gesundheitsmonitor» von gfs.bern befragte 1200 Stimmberechtigte aus der ganzen Schweiz zu den abgestuften Krankenkassenprämien.

Die Schweizer Stimmberechtigten sind mit dem Parlament zufrieden: Sein Entscheid vom März, die Krankenkassenprämien für junge Erwachsene und Kinder zu senken, wird mehrheitlich akzeptiert. Allerdings sind die Prämienverbilligungen für Jugendliche mit 61 Prozent Zustimmung weniger umstritten als eine komplette Prämienbefreiung von Kindern. Diese wird zwar von einer Mehrheit von 54 Prozent gewünscht, jedoch von einer starken Minderheit von 43 Prozent auch abgelehnt.

Junge Erwachsene und Eltern von Kindern müssen stärker von den Prämien entlastet werden. (Quelle:

Positiver Gesamteindruck

Die Zufriedenheit mit dem Schweizer Gesundheitssystem ist seit Jahren fast unverändert hoch. 78 Prozent der Befragten (-3 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr) haben einen sehr oder eher positiven Gesamteindruck. Einer der Gründe für die gute Gesamtbilanz liegt in der Beurteilung der Qualität: 99 Prozent stufen diese als mindestens eher gut ein.

Im Vorjahresvergleich verzeichnet die Umfrage die stärkste Zunahme bei der Erwartung steigender Gesundheitskosten und Krankenkassenprämien. 92 Prozent oder 26 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr gehen davon aus, dass die Kosten im Gesundheitswesen weiterhin zunehmen werden. Dennoch bleibt der Trend dabei, dass die Mehrheit der Bevölkerung keinen Ab- oder Ausbau des Leistungskataloges in der Grundversicherung möchte.

Leistungskatalog der Grundversicherung Soll der Leistungskatalog aus- oder abgebaut werden? (Quelle: gfs)

Diese verstärkte Kostensensibilität bleibt nicht ohne Folgen: Punktuell nimmt die Solidarität für einzelne Leistungen der Krankenkasse ab. So wird von knapp zwei Dritteln der Befragten gefordert, dass die Krankenkassen die Medikamentenkosten in Bagatellfällen nicht mehr übernehmen sollen. Das sind 15 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Bei Selbstverschulden: selbst bezahlen

Stärker kritisiert wird auch die Kassenzahlung rund um ungewollte Kinderlosigkeit (53 Prozent, minus 14 Prozentpunkte), bei der Vorbeugung gesundheitlicher Schäden (54 Prozent, minus 7 Prozentpunkte) sowie bei Schäden durch Rauchen und Alkohol (37 Prozent, minus 5 Prozentpunkte).

Generalisieren lasse sich die Bereitschaft zur Leistungseinschränkung jedoch nicht. So forderten unverändert neun von zehn Befragten, dass Krebsmedikamente allen unabhängig vom Einkommen zugänglich sein sollen. Diese Haltung ist seit einem Jahrzehnt stabil. Seit mehreren Jahren wird auch die Aussage geteilt, dass die Krebsforschung das Gesundheitswesen nicht unnötig verteure (81 Prozent, +2).

Teure Behandlungen altersabhängig übernehmen

In welchem Alter macht eine Behandlung Sinn?
Erstmals findet eine Mehrheit von 55 Prozent der Befragten, dass teure Behandlungen von seltenen Krankheiten vom Alter der Person abhängig gemacht werden soll. Studienleiter Urs Bieri fasst das Ergebnis der Befragung zusammen: «Es gibt es durchaus Fragezeichen, ob tatsächlich jede Behandlung von seltenen Krankheiten zu jedem – auch hohen Preis – Sinn macht.»

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • gfs-Institut in Bern.

    Steigende Gesundheitskosten kratzen an der Solidarität

    Aus Rendez-vous vom 19.6.2017

    Eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung findet zum Beispiel, die teure Therapie seltener Krankheiten solle vom Alter der Patientin oder des Patienten abhängig gemacht werden. Das zeigt eine repräsentative Befragung des gfs-Insitutes in Bern im Auftrage der forschenden Pharma-Industrie.

    Christine Wanner