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Schweiz Sozialhilfe – Auffangbecken in der Not oder Hängematte?

Zu faul: Immer wieder geraten Sozialhilfebezüger in negative Schlagzeilen. Zu unrecht, findet Expertin Renate Salzgeber.

«Wer in Not gerät und nicht in der Lage ist, für sich zu sorgen, hat Anspruch auf Hilfe und Betreuung und auf die Mittel, die für ein menschenwürdiges Dasein unerlässlich sind.» So garantiert die Bundesverfassung jedem in der Schweiz sich aufhaltenden Menschen einen Anspruch auf Hilfe in Notlagen.

In wiederkehrender Regelmässigkeit geraten Fürsorge und Bezüger jedoch in die Schlagzeilen. Zu nachgiebig, ja gar lasch würden Sozialhilfebeziehende behandelt. Unangemessen hoch seien die Beträge, so der Vorwurf. Der CLUB fragt bei der Ökonomin und Sozialhilfe-Expertin Renate Salzgeber nach.

Sie befassen sich intensiv mit der Sozialhilfe. Sie sind Verfasserin des kürzlich erschienenen Berichtes «Kennzahlenvergleich zur Sozialhilfe in Schweizer Städten». Welches sind die grössten Mythen, die Sozialhilfebeziehenden anhaften?

Renate Salzgeber: Ein Mythos der sich hartnäckig hält: «Viele richten sich in der Fürsorge ein und beziehen ewig Sozialhilfe.» Hier zeigt die Statistik ein anderes Bild. Drei Viertel aller Sozialhilfebeziehender sind spätestens nach drei Jahren raus. Ebenso wenig sind Sozialhilfebeziehende per se arbeitsunwillig. Gerade im Niedriglohnbereich reicht das Einkommen oft trotz grossem Einsatz nicht. Grundsätzlich wollen die meisten Menschen arbeiten, denn ein Job bedeutet nicht nur Lohn sondern auch Teilnahme am sozialen Leben.

Wer ist besonders gefährdet, in die Sozialhilfe abzurutschen?

Wir leben in einer Wissensgesellschaft – Personen mit wenig oder keiner Ausbildung haben schlechte Karten. Zudem gefährdet sind Alleinerziehende oder sehr kinderreiche Familien. Auch zur Risikogruppe zählen ungelernte, alleinstehende Männer ab 50, vor allem wenn sie noch gesundheitlich angeschlagen sind.

Jedes Mal wenn ein Fall eines sogenannten Sozialhilfe-Betrügers durch die Medien geistert, wird sofort der Ruf nach mehr Repression laut. Was bringt die oft geforderte harte Hand bei Sozialhilfebeziehenden wirklich?

Kommen Betroffene trotz aller Bemühungen nirgends unter, bringen Repressionen gar nichts. Man darf nicht vergessen, dass sich unsere Arbeitswelt massiv verändert hat. Bestimmte Berufe wie z. B. Drucker oder Schriftsetzer existieren nicht mehr und die Zahl der Jobs mit geringen Qualifikationsanforderungen ist deutlich geschrumpft. Es geht darum, Perspektiven zu entwickeln, zu motivieren und Verbindlichkeit zu schaffen. Das ist aufwändig aber bringt am ehesten Erfolg.

Die Sozialhilfe ist gesamtschweizerisch nicht einheitlich geregelt. Würden sie eine nationale Angleichung der Gesetze begrüssen?

Durchaus! Ich bin sicher, dass ein eidgenössisches Rahmengesetz sinnvoll wäre. Die Sozialhilfe ist das Stiefkind und geht leider fast immer vergessen, wenn an den Sozialversicherungen wie ALV oder IV geschraubt wird. Fakt bleibt leider: Ein Viertel der Betroffenen bleibt länger in der Sozialhilfe. Diese Institution übernimmt für diese Personen langfristig die Existenzsicherung und dazu muss unsere Gesellschaft stehen.

Zur Person

Zur Person

Renate Salzgeber ist Volkswirtschafterin und Dozentin am Fachbereich Soziale Arbeit der Berner Fachhochschule. Seit 20 Jahren befasst sie sich mit Daten und Fakten rund um die Sozialhilfe. Prof. Salzgeber ist seit 2005 Verfasserin des Berichtes «Kennzahlenvergleich zur Sozialhilfe in Schweizer Städten», welcher jährlich erscheint.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    2. ! Versuch, eine eigene Meinung einzubringen: Die Sozialhilfe-Einrichtungen wurden einst (zu Recht) aufgebaut, um vorübergehend in Not gekommene Menschen mit dem wichtigsten zum Leben zu verhelfen. Leider ist in den vergangenen Jahren sehr VIELES eingebaut worden, das es sogar jungen, gesunden kräftigen Menschen erlaubt, bereits mit 19 Jahren (!) in die staatlich "aufgespannte Sozial-Hängematte" zu liegen! Wenn dieses Faktum das Netiquette verletzt, dann stimmt bei der Redaktion einiges nicht!
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  • Kommentar von P. Studer (Besorgter Bürger)
    Anders als viele glauben ist nicht die Armee oder die Polizei alleiniger Garant für unsere Sicherheit und den inneren Frieden. Bei uns gibt es nur sehr wenige Menschen die echte Not leiden müssen und nichts mehr zu verlieren haben. Die Kriminalität in diesem Land ist sehr tief, Raubmorde kommen kaum vor. Jeder hat noch was, worauf er hoffen kann. Dank unserem guten Sozialsystem. Ähnlich gute Lebensqualität haben die Skandinavier mit einem ebenfalls sehr guten Sozialsystemen.
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    1. Antwort von Franz NANNI (Aetti)
      Na Sie duerfen sich aergern....;-D weil ich gebe Ihnen heute mal RECHT vollkommen RECHT!!! Wobei, wir haben fuer unser Sozialsystem geleistet, hart gearbeitet und tun es noch! Und das gute Leben kann scnell aendern wenn wir mit unseren Resourcen nicht sorgfaeltiger haushalten..
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Ich habe einen Verwandten der ist so ein Filou... zu Faul zum Arbeiten.. haette schon jobs aber ruempft die Nase.. ja wenn man sich die Haende schmutzig machen muss ist es schon eine Zumutung.. dabei... dreckige Haende sind nicht schmutig.. hingegen Saubere.. Man darf ueber diesen Satz nachdenken.. was damit gemeint ist..
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