SP zur SBB: «Abbau, in einer Branche, die wächst»

Der drastische Abbau im Personal der SBB wird von den Bahngewerkschaften harsch kritisiert. Qualität und Sicherheit stünden in Frage. Aus der Politik kommen indes gemischte Reaktionen. Die einen sind empört, die anderen respektieren die Sparrunde als nötige wirtschaftliche Massnahme.

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«Das gibt es auch in der Privatwirtschaft»

2:33 min, aus Tagesschau am Mittag vom 22.9.2016

Nach der Ankündigung des massiven Stellenabbaus bei der SBB folgen aus der Wirtschaft und der Politik die ersten Reaktionen. In der Wandelhalle in Bern, wo sich die Parlamentarier zur Herbstession eingefunden haben, fallen die Stellungnahmen gemischt aus.

Eine Frage der Wirtschaftlichkeit

Transportunternehmer und Nationalrat Ulrich Giezendanner (SVP/AG) relativiert den Sparplan der SBB: «Sie können nicht tiefere Billettpreise haben und trotzdem Arbeitsstellen schaffen. Irgendwo muss man schon schauen, wie man automatisieren kann. Das ist völlig normal. Das gibt es aber auch in der Privatwirtschaft.»

Auch Nationalrat Martin Candinas (CVP/GR) wägt ab: «Es ist eine grosse Zahl, man muss aber auch berücksichtigen, dass die SBB in den vergangenen Jahren auch sehr viele Stellen geschaffen hat. Im Verhältnis zum Ganzen sind es dann nicht mehr so viele. Wichtig ist, dass der Schritt sozialverträglich geschieht. Aber die Wirtschaftlichkeit spielt auch eine Rolle bei den Bundesbetrieben.»

Auch Nationalrätin Evi Allemann bringt die Wirtschaftlichkeit ins Spiel – allerdings aus einem anderen Blickwinkel: «Die SBB wirkt ja in einer Branche, die wächst. Der Verkehr wächst, das Angebot wächst. Und in dieser Situation ist es ein gewisser Widerspruch, gleichzeitig beim Personal Stellen abzubauen.»

Rüge zunächst von den Gewerkschaften

Als allererste haben die beiden Bahn-Gewerkschaften SEV und transfair das Sparprogramm der SBB und den damit verbundenen Stellenabbau scharf kritisiert. Manuel Avallone, Vizepräsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV, sagte gegenüber SRF: «Wir sind ganz klar der Meinung, dass mit diesem Kahlschlag, dem Abbau von 1400 Stellen am Schluss die Sicherheit und Qualität bei der Bahn leiden wird.»

Bedenklich sei weiter, dass die SBB-Spitze auch bei den Schwächsten sparen wolle, so der SEV in einer Mitteilung. Die SBB habe die Vereinbarung mit der Pensionskasse zur Berufsinvalidität gekündigt. Damit werde der Schutz für Mitarbeitende, die ausserhalb der Bahn keine Arbeit mehr finden und aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr eingesetzt werden könnten, massiv abgebaut.

SEV fordert genauere Informationen

Geradezu absurd sei, so die Gewerkschaft transfair, dass auch das Arbeitsmarktcenter der SBB selber vom Stellenabbau betroffen sei. Denn es sei zu erwarten, dass das Sparprogramm zu einem Mehraufwand für das Center führen werde, betont transfair.

Der SEV kritisiert ausserdem, dass er bisher nur dürftig über die konkreten Sparmassnahmen informiert worden sei. «Das ist eine grosse Kiste, die die SBB da fahren will. Wenn sie uns im Boot haben will, dann müssen wir mehr Infos haben.»

Soviel wurde den Gewerkschaften schon zugetragen: Im Bereich Administration würden 500 Stellen gespart, bei den Zugverkehrsleitern 250, im Verkauf 220.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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