Späte Genugtuung für Zen-Ruffinen

Machtmissbrauch und Korruption haben im Weltfussballverband offenbar jahrelange Tradition. Schon vor mehr als zehn Jahren machte der ehemalige Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen darauf aufmerksam. Sein Bericht verhallte aber ungehört. Joseph Blatter servierte den Walliser daraufhin gar ab.

Ex-Fifa-Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen zusammen mit Joseph Blatter.

Bildlegende: Der Bericht um die Machenschaft des inneren Fifa-Zirkels kostete Michel Zen-Ruffinen den Job. Keystone

Wirklich überraschend kommen die Enthüllungen ja nicht. Dennoch weist die Fifa gebetsmühlenartig immer wieder darauf hin, von den dubiosen Machenschaften nichts gewusst zu haben. Doch das stimmt nicht.

Der ehemalige Fifa-Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen hat schon vor zehn Jahren den Fifa-Präsidenten darüber orientiert. Sein Bericht über Machtmissbrauch und Korruption innerhalb der Fifa blieb aber ungehört. Und nicht nur das: Das 20-seitige Dossier kostete ihn 2002 sogar seinen Job.

Noch heute darf Zen-Ruffinen nicht offen darüber sprechen, wie er in der Sendung «HeuteMorgen» von Radio SRF sagt. Eine damals getroffene Vereinbarung verbietet ihm das. Die Enthüllungen von Chuck Blazer und Jack Warner kommen aber für ihn nicht überraschend. «Ich kann mir durchaus vorstellen, dass was man jetzt hört, den Realitäten entspricht und mir in einem gewissen Sinn nachträglich Recht gibt.»

Jahrelang hätte die Fifa versucht, solche Vorgänge intern zu regeln. Mit dem Eingreifen der Justizbehörden sei jetzt aber eine ganz andere Qualität ins Spiel gekommen. «Das kommt zwar sehr spät, aber es ist gekommen.»

Sendung zu diesem Artikel

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Mächtige in Aufruhr

    Aus 10vor10 vom 4.6.2015

    Die Untersuchungen gegen hochrangige FIFA-Funktionäre ziehen weite Kreise. Ermittler rund um den Globus haben nun eigene Ermittlungen aufgenommen. Die ganze Sache angestossen hat die US-Justiz um Justizministerin Loretta Lynch. «10vor10» berichtet über die Treibjagd auf die Mächtigen.

  • Kronzeuge gegen Blatter

    Aus Tagesschau vom 4.6.2015

    Ein ehemaliger Fifa-Top-Funktionär bringt Noch-Fifa-Chef Joseph Blatter in Bedrängnis: Chuck Blazer will in Sachen Korruption auspacken – und ist nun Kronzeuge der US-Justiz und auch bei der Vergabe der Weltmeisterschaft in Frankreich 1998 soll bestochen worden sein – Einschätzungen von SRF-Frankreich-Korrespondent Michael Gerber.

  • Auch Warner droht mit Enthüllungen

    Aus Tagesschau vom 4.6.2015

    Der ehemalige Fifa-Vize-Chef Jack Warner aus Trinidad und Tobago ist heute Politiker – er droht Blatter in einer TV-Ansprache mit neuen Enthüllungen. Einschätzungen von SRF-Fussball-Experte Matthias Hüppi.

  • Im Zusammenhang mit den Verhaftungen durch die US-Justiz letzte Woche, war auch ein Haftbefehl gegen Jack Warner erlassen worden. Er hat sich mittlerweile den Behörden gestellt,  hat 2,5 Millionen Dollar Kaution hinterlegt und ist wieder auf freiem Fuss.

    Jack Warner - Kronzeuge im Fifa-Korruptionsfall

    Aus Rendez-vous vom 4.6.2015

    Es wird erwartet, dass im Zuge der Fifa-Korruptionsaffäre etliche Funktionäre auspacken, um die eigene Haut zu retten. Jack Warner, Politiker und Geschäftsmann aus Trinidad und Tobago und ehemaliger Funktionär im innersten Machtzirkel der Fifa, hat seine Enthüllungen gross angekündigt.

    Wer ist der Mann?

    Ueli Reist