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Bundesrat gegen Callcenter Spam-Filter sollen lästige Werbeanrufe blockieren

Über nichts anderes ärgern sich Schweizer Konsumenten so sehr wie über unerwünschte Werbeanrufe. Jetzt will der Bundesrat die Telekomfirmen verpflichten, lästige Werbeanrufe mit Filtern zu unterbinden. Doch wie wirksam sind Filter?

Legende: Video Bundesrat sagt Roaming den Kampf an abspielen. Laufzeit 2:14 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 07.09.2017.

Wie gross ist das Problem mit unerwünschten Werbeanrufen von Callcentern? Der Bundesrat sieht gemäss seiner heute verabschiedeten Botschaft grossen Handlungsbedarf. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat für den Zeitraum von April 2012 bis Dezember 2015 45’803 Beschwerden wegen unerwünschten Werbeanrufen erhalten. Und gemäss Swisscom gehen 20 Prozent der Anrufe im Schweizer Festnetz auf das Konto von solchen Anrufen.

Wie will der Bundesrat gegen die ärgerlichen Telefonanrufe vorgehen? Telekomfirmen wie Swisscom, Sunrise oder Salt werden verpflichtet, unerbetene Werbeanrufe auf Netzebene zu filtern. «Das funktioniert ähnlich wie ein Spamfilter bei E-Mails», sagt Matthias Hürlimann, Leiter der Sektion Telekomrecht beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom). Diese Filter funktionierten dynamisch. Wenn beispielsweise über eine bestimmte Nummer innert kurzer Zeit ungewöhnlich viele Anrufe erfolgen und weitere Unregelmässigkeiten auftreten, wird der Filter aktiv und sperrt sie, erklärt Hürlimann.

Gibt es bereits solche Filter? Ja, die Swisscom hat bereits im letzten Jahr einen sogenannten Callfilter fürs Festnetz lanciert. Kunden können den Filter aktivieren, der dann Werbeanrufe sowie anonyme und nicht identifizierbare Telefonanrufe blockiert. Seit der Lancierung Ende November 2016 bis Ende Mai hat der Dienst gemäss Swisscom 5,8 Millionen unseriöse Werbeanrufe unterbunden. Swisscom plant zudem einen Filter für die mobile Kommunikation. Sunrise ist gemäss Mediensprecherin Therese Wenger daran, mögliche Lösungen zu evaluieren. Wann der Filter komme, hänge auch noch vom Parlament und den Vollzugsvorschriften der Vorlage ab. Ganz ähnlich äussert sich Salt.

Was bringen Filter gegen unerwünschte Werbeanrufe? Callcenter operieren häufig im Ausland, verfügen aber über Schweizer Nummern. Diese haben sie beim Bakom oder bei Zwischenhändlern erworben. Callcenter können aber auch die Nummer eines unbeteiligten Dritten als Telefonnummer angeben. So können sie ihre Identität verschleiern (sogenanntes «Spoofing»). Es ist deshalb technisch nicht einfach, sämtliche unerwünschte Werbeanrufe zu blockieren. Telekom-Spezialist Oliver Zadori vom Vergleichsdienst Dschungelkompass verweist auf den E-Mail-Bereich, in dem es ebenfalls diverse Blocker gebe: «Trotzdem kommt gewisser Spam durch.» Und Matthias Hürlimann vom Bakom ergänzt: «Die Wirksamkeit hängt vom Stand der Technik ab». Konsumentinnen und Konsumenten müssen also wohl auch in Zukunft mit lästigen Werbeanrufen rechnen.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Das muss man nicht selbst machen. Ich bin bei der Swisscom und habe so einen Filter. Als mir eines Tages der Kragen platzte , habe ich bei der Swisscom angerufen. Die Antwort : kein Problem wir sperren die Werbegespräche. Seit dem herrscht himmlische Ruhe bei uns, kein einzigerAnruf mehr.
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  • Kommentar von Thomas Tanneler (ipool)
    Aus meiner Sicht wäre es besser die beworbenen Firmen in Pflicht zu nehmen. Es hat wohl einen Grund warum ausgerechnet immer wieder für Krankenkassen geworben wird. Firmen die solche Kundenfänge honorieren, sollten genauso gestraft werden wie die Werbeanrufer. Erst dann werden diese verschwinden, da sie nichts mehr verdienen.
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  • Kommentar von Steffen Flumm (steflu)
    Es ist kurios, dass es in Deutschland diese Art von Werbung seit mehreren Jahren nicht mehr gibt. Sie wurde schlicht per Gesetz verboten !! Warum lässt sich so etwas in der Schweiz nicht auch durchsetzen ? Wem nützt es, dass wir immer häufiger vom sog. "Zentrum der Finanzoptimierung" zu einem Krankenkassenwechsel überredet werden sollen ? Bald ist es wieder soweit, denn das Jahresende naht und somit die Möglichkeit, die Krankenkasse zu wechseln. "Honni soit qui mal y pense"
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    1. Antwort von Benjamin Thiel (BThiel)
      Kein Land wird je eine gute Idee eines anderen Landes einfach so übernehmen. In jedem Land gibt es etwas, das besonders gut funktioniert - dies ist aber NIEMALS eine Lösung für das eigene. Wenn aber der Nachbar einen super funktionierenden Rasenmäher hat....
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    2. Antwort von Martin Egger (Martin Egger)
      Welche Politiker sind für diesen schwachen Willen des Bundesrats verantwortlich? Oder welche Parteien?
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    3. Antwort von Dave Gruen (Echt jetzt?)
      @M.Egger: Wer das Abstimmungsverhalten der FDP und SVP Verfolgt, kann diese Frage leicht beantworten.
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